Silvia Pleschka: Tannenzweige sind besser als Duftkerzen

Silvia Pleschka : Tannenzweige sind besser als Duftkerzen

Vanille, Zimt und Orange - diese Düfte gehören unverwechselbar zur Weihnachtszeit. Doch der Deutsche Allergie- und Asthmabund warnt vor Duftkerzen und Raumsprays. Besser sind Tannenzweige, die natürlichen riechen.

Frau Pleschka, Sie warnen vor Raumdüften aller Art. Warum?

Silvia Pleschka rät nicht nur Asthmatikern oder Allergikern, auf Duftkerzen zu verzichten. Sie enthalten Schadstoffe und belasten das Raumklima. Wer weihnachtlichen Duft möchte, sollte Tannenzweige oder auch Zimt verwenden. Foto: Archiv

Pleschka Produkte zur Raumbeduftung, ob durch Verbrennen oder Sprühen, enthalten Chemikalien, die die Raumluft belasten. Auch wenn man etwa bei Citrusdüften meint, es rieche frisch, kann die Luft verbraucht sein, oder man überdeckt unangenehme Gerüche. Das heißt, Raumdüfte verschlechtern die Qualität der Raumluft noch zusätzlich.

Foto: Seybert, Gerhard (seyb)

Was spricht gegen Duftkerzen?

Pleschka Beim Abbrennen von Kerzen entstehen Rußpartikel, die in geringen Mengen nicht gefährlich sind. Manche Kerzen haben auch bleihaltige Dochte, die die Brenndauer verlängern. Es gibt zu wenige Studien, um die Risiken einzuschätzen, und wer weiß schon, wann in der eigenen Wohnung, die gesetzlichen Grenzwerte für flüchtige Schadstoffe überschritten werden.

Das klingt, als ob sie grundsätzlich gegen Kerzen sind?

Pleschka Nein, das nicht. Kerzen aus Naturwachs sind zum Beispiel meistens unbedenklich. Das hat eine Studie, die wir 2008 in Auftrag gegeben haben, gezeigt. Asthmatikern rate ich aber trotzdem, auf Duftkerzen zu verzichten oder sie nur sehr kurz anzuzünden. Wer Weihnachtsdüfte in die Wohnung holen möchte, kann auch Tannenzweige aufstellen oder eine Orange aufschneiden und mit Nelken bestücken. Ansonsten gilt: vor und nach dem Kerzenanzünden gut lüften.

Manche Menschen benutzen ja auch Duftlampen mit ätherischen Ölen. Ist das auch bedenklich?

Pleschka Ja, das ist fast dasselbe. Nicht nur chemische Substanzen sondern auch Naturextrakte wie Limone, Cumarin und Zimtaldehyd können Allergien auslösen. Luftgetragene Duftstoffe lösen zwar keine Kontaktallergien aus, aber durch Einatmen gelangen sie in den Blutkreislauf. Sie setzen sich auch auf den Oberflächen ab und sorgen für eine sekundäre Abgabe der Duftöle.

Welche Reaktionen können Duftstoffe denn verursachen?

Pleschka Viele Menschen reagieren mit Kopfschmerzen, Kreislaufproblemen und Unwohlsein oder Hustenanfällen. Nicht nur Allergiker und Asthmatiker sind betroffen. Außerdem kennen wir auch die Langzeitfolgen nicht. Wenn Raumdüfte verwendet werden, um schlechte Gerüche zu überdecken, sollte man den Ursachen auf den Grund gehen. Vielleicht ist in der Wohnung gesundheitsgefährdender Schimmel.

Was halten Sie davon, wenn der Einzelhandel seine Kunden im Geschäft mit Düften beeinflussen möchte?

Pleschka Wir sehen das natürlich kritisch, Düfte zu Marketingzwecken einzusetzen. Auch Hotelketten greifen darauf zurück. Wir bekommen von unseren Mitgliedern die Rückmeldung, dass viele damit Probleme haben. Asthmatiker erhalten bei der Buchung ja auch keine Information darüber, ob in einem Hotel Raumduft verwendet wird. Wir fordern einen Verzicht auf Beduftung im öffentlichen Raum. Auch hier gilt, weniger ist mehr.

DIE FRAGEN STELLTE FRANZISKA HEIN.

(RP)
Mehr von RP ONLINE