Mönchengladbach: Talk-Star Beckmann mit Gitarre und toller Band

Mönchengladbach : Talk-Star Beckmann mit Gitarre und toller Band

Drei Überraschungen: Reinhold Beckmann kann singen, er hat gute Musiker engagiert, aber es reicht noch nicht für einen vollen Saal im Kunstwerk. Seine Fans jedenfalls begeisterte er - es gab viel Beifall.

Dass Reinhold Beckmann reden kann, hat der 58-jährige Norddeutsche als Sportjournalist, Talkmaster und Filmemacher zur Genüge bewiesen. In Jeans, tailliertem Hemd und schwarzem Sakko stellte sich der gut aufgelegte TV-Star jetzt auch als Sänger und Entertainer vor. Im Rahmen einer groß angelegten Tournee durch Deutschland, Österreich, Schweiz und Luxemburg besuchte er mit seiner Band die Stadt.

Erste Überraschung: Die im Fernsehen gewonnene Popularität reicht nicht für einen vollen Saal im Wickrather "Roten Krokodil". Zweite Überraschung: Der TV-Star kann mit sonorer Stimme ganz ordentlich singen. Dritte Überraschung: Mit Andreas Dopp (Gitarre), Thomas Biller (Kontrabass), Jan-Peter Klöpfel (Klavier, Akkordeon, Trompete) und Helge Zumdieck (Schlagzeug) brachte er eine tolle Band mit auf die Bühne.

Voller Herzblut entwickelte das Quartett mit Sänger und Gitarrist Beckmann einen Spannungsbogen mit netten Liedchen voller Rührseligkeit und alten Liebeleien ("Merle), über Macken und Merkwürdigkeiten von Zeitgenossen ("Dosenbier"). Musikalisch verpackt zwischen Jazz und Bossa Nova; vielseitig, abwechslungsreich, zuweilen schräg. Dazu mit angenehmer Lautstärke, im Stil einer unterhaltsamen Launch-Band unaufdringlich vorgetragen. Musikalisch herausragend: Andreas Dopp mit seinem mitreißenden Solo auf der E-Gitarre beim Song "Gangster".

Zwischen den Liedern gibt Beckmann den hemdsärmeligen Storyteller. Er freut sich über den lang ersehnten Siegeszug der norddeutschen Bundesligisten am aktuellen Spieltag, plaudert zwischen den Songs scheinbar aus seinem Leben. Man möcht's fast glauben. "Celentano" entlockte dem Publikum erste Juchzer und ab "Charlotte", der Hymne an die dralle Schlachthaustochter, hat er beim Publikum eh' schon gewonnen: Es ist längst abgeholt. Dazu bedurfte es nicht einmal "Bremen" dem heimlichen Hit des Jungen aus Brake.

Schließlich sind die daheim geblieben, denen er in seinem TV-Leben zu schmalzig und zu aufdringlich ist. Und wer weiß: Wenn Mey, Wecker, Wader & Co erst einmal in Rente sind, werden auch die, die Beckmann jetzt noch verschmähen, ihn vielleicht als Liedermacher entdecken.

Die begeisterten Fans im "Kunstwerk" jedenfalls entließen Reinhold Beckmann und seine Band erst nach etlichen Zugaben und mit lang anhaltendem Beifall.

(pa)
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