Mönchengladbach: Tagebau ließ Erde beben

Mönchengladbach: Tagebau ließ Erde beben

Zweimal hat am Montag die Erde rund um Garzweiler gebebt. Am Mittwoch kam heraus: Auslöser war der Tagebau. Anlieger haben Angst vor weiteren Beben. Und Kritiker fühlen sich bestätigt und warnen vor Schlimmerem.

Das Epizentrum der beiden Erdbeben lag im Gebiet des Braunkohletageabbaus Garzweiler. Die Messstation der Erdbebenforscher von der Uni Köln steht am Rande des Abbaugebiets und hat die beiden Beben um 17.21 Uhr und 21.56 Uhr (UTC-Zeit) aufgezeichnet. "Es war das erste spürbare Beben, das dort durch den Tagebau verursacht wurde", erläutert Dr. Klaus Hinzen, Geophysiker der Uni Köln, auf Nachfrage der RP.

Schon häufiger habe es im Bereich von Garzweiler in der Vergangenheit sogenannte "Mikrobeben" gegeben, diese seien allerdings so gering gewesen, dass kein Mensch sie habe spüren können. "Auf der Richterskala bewegten sich diese um den Wert Null und wären ohne genaue Technik gar nicht messbar", sagt der Erdbebenexperte. "So etwas tritt sehr selten auf und hat bisher nie zu Schäden geführt", sagt Lothar Lambertz, Pressesprecher von RWE Power.

Das erste Beben, das viele Bürger in Jüchen und Grevenbroich am Montagabend wahrgenommen haben, verzeichnete eine 2,2 auf der Richterskala. "Es ist damit immer noch ein Mikrobeben, liegt aber im Bereich des Spürbaren." Jedes Beben bis zur Magnitude 2,5 wird als Mikrobeben bezeichnet. Das zweite fiel mit einer 1,4 auf der Richterskala schwächer aus. Erst ab einer Stärke von 3,5 würden Erdbeben für Häuser gefährlich, so Hinzen.

Beide Beben seien eindeutig "keine natürlichen Erdbeben" gewesen, berichtet Dr. Hinzen. Anhand von Wellenfrequenz und Tiefe des Bebens ließe sich das ausschließen. Bei den natürlichen Erdbeben liegt das Epizentrum in einer Tiefe von fünf bis zwanzig Kilometern. In diesem Fall wurden Werte von 700 und 400 Metern gemessen.

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Warum durch Tagebau Erdbeben verursacht werden können, erklärt der Erdbebenforscher: "Um Tagebau betreiben zu können, muss das Grundwasser abgepumpt werden. Die lockeren Gesteinsschichten aus Kies, Sand und Braunkohle können sich dadurch leichter verschieben, weil das Wasser nicht mehr die Hohlräume dazwischen füllt." Deshalb kann es zu Absackungen kommen, welche "meist langsam und kontinuierlich" passieren. Erst wenn das "schlagartig" geschieht, ist es für Menschen wahrnehmbar.

"Ich habe immer vor dem Experiment Tagebau gewarnt", sagte gestern Reiner Brandts, Mitglied des Braunkohleausschusses. "Der Tagebau ist völlig überflüssig und zerstörerisch — außerdem energietechnisch absolut unnötig." Wenn sich jetzt zeige, dass von Garzweiler Gefahren ausgehen, "sollte man die ganze Konzeption schnellstens noch einmal überdenken".

Barbara Weinthal vom Fachbereich Umweltschutz und Entsorgung möchte keine Panik schüren. "Aber man weiß natürlich nicht, wo die nächsten Schläge passieren." Die könnten sich demnächst bis nach Wanlo auswirken: "Das ist zumindest nicht auszuschließen."

(RP)
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