Mönchengladbach: Täglich ist alles zugeparkt

Mönchengladbach : Täglich ist alles zugeparkt

Anwohner zwischen Franz-Brandts-Allee und Hermann-Piecp-Anlage sind genervt. Denn jeden Tag beginnt für sie die Suche nach etwas, was es eigentlich gar nicht gibt: freie Parkplätze. Auch andere Wohngebiete sind komplett dicht.

Ursula Poltoraczyk traut sich fast gar nicht mehr, zum Einkaufen zu fahren. Denn kaum ist sie mit ihrem Auto aus der Parklücke heraus, ist die auch wieder belegt. Um einen neuen Stellplatz zu finden, muss Ursula Poltoraczyk lange suchen. An der Waldhausener Straße ist alles dicht, an der Kyffhäuser Straße, an der Staufenstraße, Barbarossastraße, Windhorststraße. . . im kompletten Wohngebiet ist tagsüber kein Platz mehr frei.

Morgens beginnt der Kampf

Seit die Santander Bank an die Karmannstraße zog und das Ärztehaus an der Viersener Straße eröffnete, sei das Ergattern eines freien Stellplatzes in dem Wohngebiet mit vielen Altbauten und wenig Garagen wie ein Sechser im Lotto, sagt die Anwohnerin der Waldhausener Straße. Schon morgens um 7 Uhr beginne der Kampf um die begehrten Plätze. Die legalen Stellflächen seien schnell besetzt, die illegalen auch, weiß Wolfgang Schmitz von der Kyffhäuser Straße. Denn: "Viele zahlen lieber ein 10- oder 15-Euro-Knöllchen, als dass sie in ein teures Parkhaus fahren." Wenn Lieferanten ihre Apotheke an der Waldhausener Straße anfahren, bleibe den Fahrern oft keine andere Wahl, als in zweiter Reihe zu parken, sagt Rosemarie Brülls. Von ihren Kunden und Mitarbeiterinnen will sie lieber gar nicht reden. Mesut Senol, Betreiber einer Pizzeria mit Lieferservice, muss naturgemäß oft wegfahren und bekommt fast jeden Tag ein Knöllchen: "Langsam habe ich die Schnauze voll."

Bei der Stadt ist das Problem bekannt. Ändern könnte man die Situation nur, durch eine Anwohner-Park-Regelung, sagt Stadtsprecher Wolfgang Speen. Doch das sei bis jetzt noch nicht politischer Wille.

Die Santander Bank hat mit seinen knapp 500 neu geschaffenen Parkflächen der Stellplatzverordnung zwar mehr als genüge getan, doch das Geldinstitut hat 1200 Mitarbeiter. "130 Angestellte der Tochter Debit werden aber am 1. April zum Standort Malmedyer Straße umziehen", berichtet Anke Wolff, Sprecherin der Santander Bank.

Anwohner der Brucknerallee und der Richard-Wagner-Straße sind mit der nervigen Stellplatzsuche ebenfalls bestens vertraut. Dort kämpfen Studenten, Schüler und Anwohner um die wenigen Parkplätze. Weil die nicht ausreichen, werden mitunter auch Garagenzufahrten genutzt. "Jede Woche werden wir mindestens einmal zugeparkt", sagt Anwohner Heribert Kluck. Genauso oft erfolgt der Anruf bei der Polizei. "Ich könnte auch selbst abschleppen lassen, aber dann muss ich in Vorkasse treten und weiß nicht, ob ich das Geld zurück bekomme", sagt der Anwohner der Richard-Wagner-Straße. Auch er und seine Nachbarn sind es langsam leid. Kluck: "Das Problem ist seit Jahren bekannt. Wir fühlen uns von der Stadt allein gelassen."

(RP)