Mönchengladbach: Sven Lau ist aus dem Schneider

Mönchengladbach: Sven Lau ist aus dem Schneider

Die Eickener Bürgerinitiative kritisiert die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen wegen des Verdachts der Brandstiftung einzustellen. Der frühere Salafisten-Boss Lau hat sich unterdessen zurückgezogen.

Was sich am Donnerstagabend bereits andeutete, hat sich gestern bewahrheitet: Die Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen Sven Lau, den früheren Vorsitzenden des salafistischen Vereins "Einladung zum Paradies" (EZP), eingestellt. Lau und zwei weitere Männer waren verdächtigt worden, im Juni einen Brand im Keller eines Mehrfamilienhauses an der Eickener Straße gelegt und sich hinterher als Opfer eines Brandanschlags dargestellt zu haben.

Sven Laus "Zam Zam Shop", ein Geschäft für islamische Devotionalien und Hadsch-Reisen, wirkt dieser Tage verlassen. Auch die Internetpräsenz des Ladens ist nicht mehr verfügbar. Foto: Detlef Ilgner

"Ein Sachverständiger ist zwar zu dem Schluss gekommen, dass eine natürliche Brandursache ausscheidet", sagte Peter Aldenhoff, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Folglich sei der Brand entweder fahrlässig oder vorsätzlich gelegt worden. "Die Ermittlungen bezüglich der drei tatverdächtigen Personen haben jedoch zu keinem Ergebnis geführt", sagte Aldenhoff weiter. Es seien zahlreiche Zeugen verhört worden — ohne Erfolg. Die Ermittlungen würden in Ermangelung eines "hinreichenden Tatverdachts" nicht weiterbetrieben.

Rückblende: Am 20. Juni nahm die Polizei den ehemaligen Feuerwehrmann und zwei weitere Salafisten vorübergehend fest. Der Vorwurf: Die drei Männer sollten ein Feuer im Keller des Hauses gelegt haben, in dem die umstrittene Organisation regelmäßig Gebete abgehalten hatte. Die Salafisten nutzten den Brand für eine Videobotschaft, in der sie sich zum wiederholten Male als Opfer einer öffentlichen Hetz- und Lügenkampagne darstellten.

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Aus polizeiinternen Kreisen war wiederum zu vernehmen, dass die Beweise gegen die drei Ermittelten erdrückend sein sollen. Nach monatelangen Ermittlungen scheint sich dies nun jedoch nicht erhärtet zu haben. Im Internet kursierten schon zuvor Äußerungen, wonach in der Causa Lau der "Rechtsstaat gesiegt" habe und "dass man die Hoffnung im demokratischen Staate Deutschland nicht aufgeben sollte".

"Vorsichtig formuliert finde ich es faszinierend, wenn ein solches Ermittlungsverfahren ohne jegliche Auflage eingestellt wird", sagte Wilfried Schultz, Sprecher der Eickener Bürgerinitiative, in einer ersten Reaktion. "Ich bin angesichts der Umstände wirklich äußerst erstaunt, wie die Staatsanwaltschaft zu so einem Ergebnis kommen kann." Schultz zählt einige dieser Umstände auf: "Da gibt es belastende Abhörprotokolle, es gibt Zeugen, die Lau und die beiden anderen am Tatort gesehen haben, es gibt Ungereimtheiten über den Zeitpunkt der Videobotschaft der Salafisten, die verdächtig früh im Internet stand." Andererseits habe die Staatsanwaltschaft "sämtliche Verfahren im Zusammenhang mit den Salafisten eingestellt", er sei folglich "nicht mehr überrascht".

Unterdessen haben sich Lau und andere führende Salafisten aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Seit ungefähr sechs Wochen sei der EZP-Vorsitzende in der Stadt nicht mehr gesichtet worden. Stattdessen sei er vermehrt in Belgien aufgetaucht, wird kolportiert. Insider vermuten einen Taktikwechsel — weg vom eher krawalligen, offensiven Auftreten hin zu einer Missionstätigkeit abseits der Öffentlichkeit. Sven Laus "Zam Zam Shop" an der Waldhausener Straße wirkt verlassen, eine Scheibe ist verbarrikadiert, eine weitere kaputt, aus dem Briefkasten quillt die Post. Auch die Internetseite ist seit Wochen nicht mehr verfügbar. Anstelle seines Online-Shops erscheint auf dem Internetportal Muslimtube, vormals die offizielle Seite von EZP, mittlerweile ein Angebot namens Muslim-Style, mit Sitz am Mevissenhof 25.

(RP/rl)
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