1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: Susanne Titz erwartet Gerhard Richter

Mönchengladbach : Susanne Titz erwartet Gerhard Richter

Die "8 grauen Bilder" des meistgefragten Künstlers Deutschlands sind nach Basel ausgeliehen worden. Die Vakanz im Museum Abteiberg füllen bis September zwei andere Bilderserien Richters. Sonntag kommt der Künstler zur Eröffnung.

39 Jahre schmückten sie die Sammlung des städtischen Museums Mönchengladbach, seit den 1980er-Jahren hingen sie im Kleeblattraum oben auf der Plattenebene des Museums Abteiberg. Die Rede ist von den "8 grauen Bildern" von Gerhard Richter - anfangs bildeten sie den Rahmen für den Steinkreis von Land-Art-Künstler Richard Long. Doch nun ist das graue Oktett weg - um für einige Monate als Leihgabe in der Fondation Beyeler in Basel präsentiert zu werden. Dort läuft seit dem vergangenen Wochenende eine große Richter-Retrospektive

Doch der in Köln lebende Künstler, dessen Bilder zu Rekordsummen versteigert werden, kümmerte sich für die Zeit des Entzugs des teuren Eigentums des Museums um Ersatz für die monochrome Serie. Und dieser Platzhalter aus Richters Kölner Atelier bietet für Gladbach etwas Besonderes: Eine vom Künstler erst 2012 wiedergefundene Serie von 20 Lackbildern ist nun im Kleeblattraum der Blickfang. Jedes Bild enthält neun rechteckige Farbtafeln, sodass die Serie insgesamt 180 verschiedene Farben aufweist. Folgerichtig lautet daher der Titel der Gruppe "180 Farben", die zuerst 1971 im Kabinett für Aktuelle Kunst in Bremerhaven zu sehen war.

Die Farbstudie, die erkennbar durch die abstrakte Kunstrichtung "Informel" der Nachkriegszeit angeregt wurde, wird von einem weiteren Bild ergänzt, dessen Titel "1025 Farben" exakt die Anzahl der abgebildeten Farbtäfelchen wiedergibt. Doch damit ist der Richter-Raum noch nicht gefüllt. Also stellte der Künstler zusätzlich sechs graue Bilder unterschiedlicher Formate, zwei davon hinter spiegelndem Glas sowie einen großen Spiegel, zur Verfügung. Und erinnert am Abteiberg so an die historische, 1974/75 von Johannes Cladders im Alten Museum gezeigte Ausstellung "Graue Bilder". "Das war Ausdruck von Gerhard Richters ganz früh ausgeprägter, konsequenter Haltung, die Kunst über Bilder zu befragen, denen die Aura und Autorenschaft gleichsam entzogen war", interpretiert Museumsleiterin Susanne Titz. Eines der grauen Bilder ist das Künstler-Exemplar einer Jahresgabe des Mönchengladbacher Museumsvereins aus dem Jahr 1975. Um an den damaligen Kurator, den verstorbenen Museumsdirektor Johannes Cladders, zu erinnern, trägt die am kommenden Sonntag eröffnete Ausstellung den Titel "Grau & 180 Farben für Johannes Cladders".

Bei der Vernissage wird der 82-jährige Richter auf Jürgen Wesseler treffen, den Initiator des Kabinetts für Aktuelle Kunst in Bremerhaven. Wesselers Sohn Moritz, Direktor des Kölnischen Kunstvereins, wird in die Ausstellung im Kleeblatt-Raum einführen. Die Schau endet am 7. September. "Und danach kommen die 8 grauen Bilder zu uns zurück", verspricht Susanne Titz.

(RP)