Mönchengladbach: Supermärkte verstärken Service für Senioren

Mönchengladbach : Supermärkte verstärken Service für Senioren

Weil Ältere beim Einkaufen oft eingeschränkt sind, bieten Händler zunehmend seniorengerechte Lösungen an - von Lieferservice bis Shuttle-Bus. Und ein Düsseldorfer Unternehmen im Tante-Emma-Stil prüft eine Expansion nach Gladbach.

Als Helga Wienands Ende letztes Jahres beschloss, das Auto fortan stehenzulassen, änderte das ihren Alltag unmittelbar. Das Auto war ihr die Versicherung gewesen, unabhängig zu sein, es sorgte für Mobilität. Die 74-Jährige musste sich neu organisieren. Etwa beim Einkaufen. "Meine Kinder machen viele Besorgungen", erzählt Wienands, "aber die möchte ich ja auch nicht immer fragen." Seit gut zwei Monaten lässt sie sich mit dem Shuttle-Service zum Supermarkt fahren - die Supermarktkette Real an der Krefelder Straße bietet das an.

"Real Transfer" heißt der Service, der Kunden aus Eicken, die sich den Weg zum Supermarkt nicht mehr zutrauen, zu Hause oder an der Altentagesstätte Eicken abholt. Mit Taxen werden die Kunden gebracht, hin und zurück. Wenn gewünscht, wird den Kunden zudem ein Mitarbeiter als Einkaufshilfe zur Seite gestellt. Real möchte eine Win-win-Situation erzeugen: Die Senioren erfreuen sich ihrer Selbstständigkeit, der Supermarkt bindet die Kundschaft unmittelbar. Finanziert wird der Transfer aus dem Werbeetat der Filiale, erklärt Geschäftsleiter Hans-Joachim Nowark: "Bei diesem Konzept wissen wir ganz genau, dass unsere Werbung ankommt."

Auch das Quartiersbüro in Eicken bietet seit Neuestem einen Shuttle-Dienst an. Der Kleinbus für sieben Fahrgäste steuert die Stadtbibliothek, den Markt, eine Apotheke oder den Supermarkt Rewe an. Das Projekt ist diesen Monat gestartet. "Man muss jetzt sehen, wo die Bedürfnisse liegen", sagt Stadtsprecher Dirk Rütten. Vorerst soll der Bus viermal im Monat fahren.

"In Zukunft werden solche Angebote immer wichtiger", ist sich Hans-Joachim Nowark sicher. Der demografische Wandel fordere neue Konzepte geradezu heraus. Auch über einen Lieferservice habe man bei Real bereits nachgedacht. Weil die Auslieferung frischer Waren aber strengen Regeln unterliege, habe man von der Idee Abstand genommen. "Das können wir nicht leisten", sagt Nowark.

So sieht es auch Uwe Lojewski, der in Mönchengladbach drei Edeka-Märkte mitbetreibt. Einen rentablen Lieferservice ließen die gesetzlichen Bestimmungen nicht zu, der logistische Aufwand sei zu groß, so Lojewski. "Wir leben davon, dass die Kunden zu uns kommen", bestätigt Hans-Joachim Nowark von Real.

Andere Anbieter liefern dennoch. Drei Mönchengladbacher Märkte der Supermarktkette Rewe bieten Lieferungen an. Sechs weitere Märkte bieten den Service bisher nicht. In nahezu jedem Markt fragten die Kunden das Angebot jedoch nach, sagt Rewe-Sprecherin Christiane Preisen. Zuweilen sei die Nachfrage aber zu gering.

Andernorts wächst das Geschäft mit dem Lieferservice stetig. In Düsseldorf gründete sich vor drei Jahren "Emmas Enkel". Das Unternehmen betreibt in der Landeshauptstadt ein Geschäft im Stil historischer Tante-Emma-Läden. Angeschlossen ist ein Lieferservice. Zuletzt expandierte "Emmas Enkel" nach Essen. Auch im Ruhrgebiet wird nun auf Telefon- oder Internetbestellung geliefert. "Nahversorgung auf allen Kanälen", nennt Unternehmensgründer Benjamin Brüser das Konzept aus physischer Präsenz und digitalem Einkauf - das es bald auch in Mönchengladbach geben könnte.

"Die Stadt ist uns ein Begriff", sagt Brüser. Man habe bereits mit dem Gedanken gespielt, ein Geschäft im Vitus-Center einzurichten. Nur: "Um einen Tante-Emma-Laden zu betreiben, brauchen wir auch eine Tante Emma", sagt Brüser. Bisher habe man nicht den richtigen Partner gefunden, der die Geschäfte vor Ort betreuen könnte. Die Sache sei aber nicht vom Tisch. "Mönchengladbach ist für uns weiterhin ein attraktiver Standort", so Brüser.

(RP)