Mönchengladbach: Sümpfungswasser hält auch Feuchtgebiete in Wanlo feucht

Mönchengladbach : Sümpfungswasser hält auch Feuchtgebiete in Wanlo feucht

jüchen Vor dem Eingang erklärt Norbert Julius noch schnell: "Durch die grünen Rohre kommt das Sümpfungswasser an, durch die blauen Rohre leiten wir das aufbereitete Wasser raus". Dann öffnet der RWE-Fachmann für Wasseraufbereitung die Tür. Mitten drin im Ökowasserwerk Jüchen surren und brummen die Pumpen, in zehn grün angestrichenen Kesseln können je bis zu 600 Kubikmeter Wasser pro Stunde gefiltert werden – das entspricht etwa 2000 Badewannenfüllungen. An den Wänden laufen die grünen und blauen Rohre entlang. Seit 1991 ist das Werk in Betrieb. Mit dem abgepumpten und aufbereiteten Grundwasser aus dem Tagebaugebiet (Sümpfungswasser) müssen die Feuchtgebiete zwischen Mönchengladbach und Niederkrüchten feucht gehalten werden. Das ist eine Folge des Tagebaus.

"Braunkohle lässt sich eben nur in einer trockenen Grube fördern", sagt Josef Wendeler, Leiter des Bereichs Planung Wasserversorgung bei RWE. 250 Meter tief seien die Gruben, das Grundwasser werde mittels Sümpfungsbrunnen abgesenkt – und das wirke sich auf den Grundwasserspiegel in der Umgebung aus. "Die normale Pflanzenwelt ist vom Grundwasser unabhängig, sie zieht ihr Wasser zum Beispiel aus der Lößlehmschicht. Die Feuchtgebiete sind es nicht", erklärt Wendeler. Ohne die richtige Menge Grundwasser würden die teils naturbelassenen Landschaften mit Wassernarzissen, Torfmoos, Teichmuscheln und Gagelsträuchern austrocknen. Deshalb muss RWE nachhelfen, der Konzern ist "ausgleichsverpflichtet".

"Anfangs wurde uns vorgeworfen: Die Feuchtgebiete zu erhalten, bekommt ihr nicht hin", sagt RWE-Sprecher Manfred Lang. "Aber die letzten 20 Jahre zeigen, dass es gut funktioniert." RWE-Biologe Ulf-Rainer Dworschak ergänzt: "Im Prinzip haben die Feuchtgebiete gar nicht mitbekommen, dass ganz in ihrer Nähe Grundwasser abgepumpt wurde." Vom Grubengebiet aus wird das Sümpfungswasser zu den Ökowasserwerken in Jüchen und Wanlo geleitet, insgesamt stellen beide im Jahr 55 Millionen Kubikmeter Wasser für die Feuchtgebiete bereit. In den Werken wird das Wasser durch die Filter geleitet, damit vorhandenes Eisen und Mangan am so genannten Filter-Kies hängenbleiben. Das aufbereitete Wasser gelangt dann durch ein weit verzweigtes, 230 Kilometer langes Rohrsystem in die Feuchtgebiete.

"Ein paar Quadratmeter Fläche" an Feuchtgebieten kämen da schon zusammen, sagt Josef Wendeler. Das Wasser gelange durch Sickerschlitze und Brunnen in den Boden, "das ist ein ganz fein justiertes System". Insgesamt gibt es derzeit rund 1000 größere und kleinere Einleitstellen. Dabei soll es nicht bleiben: "Der Tagebau wandert immer weiter, deshalb werden pro Jahr einige Kilometer Rohr und einige Sickeranlagen dazu gebaut", erklärt Wendeler. Das Ökowasserwerk Jüchen laufe derzeit nur auf halber Kraft, ergänzt Norbert Julius.

(RP)
Mehr von RP ONLINE