Mönchengladbach: Suche nach Ursache läuft auf Hochtouren

Mönchengladbach : Suche nach Ursache läuft auf Hochtouren

Die Szenen waren dramatisch, die sich am Samstag im Mönchengladbacher Stadtteil Güdderath abspielten. Autos blieben einfach stehen, als wegen des Sauerstoffmangels die Motoren ausfielen. Autofahrer öffneten die Türen und brachen zusammen. Und auch die Feuerwehrleute gingen am Unfallort in die Knie, weil das frei gewordene Kohlendioxid für Schwindel und Übelkeit gesorgt hat. Noch weiß keiner, warum das Kohlendioxid aus der Anlage nach draußen gelangen konnte.

Der Gasunfall in der Lackfabrik in Mönchengladbach verletzte 107 Menschen, von denen 19 im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die Ursache steht fest: Laut Polizei ist nach einem Feuer durch einen technischen Defekt in einer Löschanlage Kohlendioxid unkontrolliert ausgetreten.

Durch was der Brand ausgelöst wurde, ist laut einer gemeinsamen Erklärung der Stadt, Feuerwehr und Polizei noch unklar. Die CO2-Anlage des Betriebes sei ordnungsgemäß ausgelöst worden. Durch den Austritt des Kohlendioxids werde durch den Sauerstoffentzug das Feuer gelöscht.

Weshalb und wie das Kohlendioxid nach außen gelangen konnte, sollen Experten in den kommenden Tagen klären, sagte der Polizeisprecher. Der anfängliche Brand sei möglicherweise in einer Kiste mit Sägespänen ausgebrochen.

Die Löschanlage sehe eigentlich vor, dass bei einem Brand alle Zugangstüren zur Fabrik automatisch abgesperrt würden, sagte der Polizeisprecher. Durch eine Lücke in der hermetischen Abriegelung sei das Gas jedoch ausgeströmt. Drei Menschen seien durch das Gas in Ohnmacht gefallen und hätten mit Sauerstoff behandelt werden müssen.

Eine Anwohnerin befinde sich noch zur Beobachtung im Krankenhaus, berichtete ein Sprecher der Stadt Mönchengladbach am Sonntag. Die Frau habe die Intensivstation aber verlassen können. Der Sprecher nahm eine offizielle Mitteilung zurück, wonach ein Feuerwehrmann, der bei dem Einsatz tätig war, auf der Intensivstation habe behandelt werden müssen.

Das farblose und nicht brennbare Kohlendioxid kommt mit einem Anteil von 0,03 Prozent frei in der Atemluft vor. Bei einem Anteil von vier bis fünf Prozent wirkt das Gas laut Experten betäubend. Eine Konzentration von acht Prozent führt innerhalb weniger Minuten zum Tod durch Ersticken.

480 Rettungskräfte waren im Einsatz. Zwei Polizei-Hubschraubern gelang es, die Gaswolke mit Flugbewegungen über dem Unfallort aufzulösen. Am Samstagnachmittag durchlüftete die Feuerwehr benachbarte Keller und Wohnungen. Die rund 150 Anwohner konnten danach in die Häuser zurückkehren.

Nach dem Unfall war das Areal in einem Umkreis von rund zwei Kilometern abgesperrt worden. Auch Autobahnabfahrten und Bahnstrecken waren davon betroffen. Die Sperrungen wurden am Samstagnachmittag wieder aufgehoben. Innenminister Ingo Wolf (FDP) hatte sich an Ort und Stelle ein Bild von der Lage gemacht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gasunfall in Güdderath - Bilder vom Unglücksort

(tp)
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