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Mönchengladbach: Studenten wollen ihre Kautionen zurück

Mönchengladbach : Studenten wollen ihre Kautionen zurück

Ehemalige Bewohner des Studentenhauses Hubertusstraße in Mönchengladbach sind zurzeit richtig sauer. Neun Monate und länger warten sie schon auf die Kautionsrückzahlung. 40 Fälle gibt es bereits. Jetzt hat sich sogar der Hochschulpräsident eingeschaltet.

Wilawan Bundit studiert Oecotrophologie an der Hochschule Niederrhein. Bis vor neun Monaten wohnte sie in einem Apartment in der Studentenwohnanlage an der Hubertusstraße. Seit ihrem Auszug wartet sie auf die Rückzahlung ihrer Kaution. Ein Dreivierteljahr! Sie ist nicht die Einzige. Mittlerweile haben sich beim Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) und bei der Hochschule rund 40 Studierende gemeldet, die ein Apartment an der Hubertusstraße hatten und seit Monaten auf die Rückzahlung ihrer Kaution warten. Das bringt viele in eine schwierige Situation. Wilawan Bundit wollte beispielsweise in Kürze für ein Praxissemester nach Bayern ziehen. "Da ich leider auf die Kaution warte, ist ein vorzeitiger Umzug noch nicht möglich", sagt sie.

Laut Mietvertrag sollte Charlotte Plesch ihre Kaution für ein Apartment an der Hubertusstraße zwei bis drei Monate nach ihrem Auszug zurückerhalten. Aber die junge Frau, die im fünften Semester "Catering und Hospitality Services" am Fachbereich Oecotrophologie studiert, wartet ebenfalls seit neun Monaten. 630 Euro müsste sie zurückbekommen. Die fehlen jetzt. Einer ihrer Freundinnen erging es ähnlich. Unzählige Male versuchte sie, mit dem Vermietungsunternehmen Kontakt aufzunehmen: per E-Mail, per Brief, per Telefon. Aber es gab keine Reaktion.

 Charlotte Plesch wartet seit einem Dreivierteljahr auf ihre Kaution.
Charlotte Plesch wartet seit einem Dreivierteljahr auf ihre Kaution. Foto: Plesch
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Die Freundin schaltete einen Anwalt ein. Aber auch auf dessen Briefe sei zunächst nicht reagiert worden. Erst nach elf Monaten erhielt die Freundin ihre Kaution zurück.

Der Fall beschäftigt den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) schon länger. Bereits im Oktober schrieb er die Vermietungsfirma an. Doch eine Antwort kam erst vier Wochen später, wie ein Sprecher berichtet. Ein "zwischenzeitlich per Gerichtsurteil ausgeschiedener Mitgesellschafter" habe dazu beigetragen, dass Mietkautionszurückzahlungen teilweise blockiert werden, teilte man dem AStA mit. Man werde aber daran arbeiten, dass dringende Fälle zügig abgearbeitet werden.

Charlotte Plesch glaubt, dass es noch viel mehr Betroffene gibt. "Die Kommunikation mit dem AStA verlief zuerst über die Facebook-Gruppe des Wohnheims. Da sind aber nicht alle drin", sagt sie.

Auch an der Hochschule Niederrhein geht man von einer hohen Dunkelziffer aus. In dem Wohnheim, in dem es 249 möblierte Einzelzimmer, Apartments und drei Zweiraumwohnungen gibt, die auch für nur ein Semester vermietet werden, wohnen viele Erasmus-Stipendiaten aus Frankreich, der Türkei und China. Viele sind längst wieder in ihrer Heimat. Ob sie von dort aus weiterhin versuchen, an ihre ausstehende Kaution zu kommen, ist fraglich.

Weil die Hochschule Niederrhein sehr daran interessiert ist, dass ihre Studierenden ordentlich behandelt werden, schaltete sich sogar Hochschulpräsident Dr. Hans-Hennig von Grünberg ein. Er schrieb ebenfalls die Vermietungsfirma an und erhielt erst nach einem Monat Antwort. Mitgeteilt wurde der Hochschule, dass im vergangenen Jahr ein Problem aufgetaucht sei, und dass man davon ausgehe, dass man bis März wieder im geregelten Rückzahlungsmodus sei.

Charlotte Plesch letzte Information ist, dass sie ihr Geld Ende Januar/Anfang Februar bekommt. Aber so ganz glaubt sie nicht daran.

Auf Anfrage unserer Zeitung teilte die Vermieterfirma schriftlich Folgendes mit: "Wir stehen mit dem Präsidenten der Hochschule Niederrhein sowie weiteren Stellen diesbezüglich bereits in Verbindung und ebenso auch mit den betroffenen Studenten. Unerfreulicherweise verlassen viele Mieter ein Apartment in einem, einfach ausgedrückt, desolaten Zustand." Zur Unterstreichung schickte die Firma Fotos von völlig verdreckten und tatsächlich reichlich unappetitlichen Zimmern. "Wir halten in diesen Fällen die Mietkaution konsequent ein", schreibt der Geschäftsführer. Und: "Das findet nicht immer die Zustimmung der betroffenen Mieter; ist aber leider notwendig."

Dass so etwas vorkommt, weiß man auch bei der Hochschule Niederrhein. "Aber das war sicherlich nicht bei allen 40 uns bekannten Betroffenen der Fall. Außerdem gibt es auch Übergabeprotokolle", sagt ein Sprecher der Hochschule. Charlotte Plesch hat zum Beispiel eines.

Die Vermietungsfirma bleibt bei allem Trubel dabei: "Alle unsere studentischen Mieter sind uns wichtig, und wir bemühen uns nach Kräften, jedem Anliegen gerecht zu werden." Die Mehrzahl der Mieter sei zufrieden.

(RP)