Mönchengladbach: Studenten drehen Kurzfilm "Wutburger"

Mönchengladbach: Studenten drehen Kurzfilm "Wutburger"

Klassenunterschiede im Fast-Food-Restaurant? Gibt's so was? Klar - in der Semesterarbeit der Studenten aus Köln.

Es riecht nach gebratenem Rinderhack, Pommes, Ketchup und Zwiebeln. Auf den Bistrotischen stehen ein paar weiße Porzellanteller, darauf liegen angebissene Hamburger. An den Wänden hängen Holzregale mit Kräutertöpfchen, an der Decke prangt ein silberner Ventilator im Ruhemodus. Hinter der Theke steht eine junge Frau und wartet. Nicht auf den nächsten Kunden, der bei ihr einen "Wüterich" oder einen "Doppelwüter" bestellen möchte - sondern darauf, dass die nächste Szene gedreht wird. Denn der Laden an der Regentenstraße 46 ist kein echtes Fast-Food-Restaurant: Er ist die Kulisse für den Kurzfilm "Wutburger".

"Wir sind etwa 25 Leute. Die meisten studieren an der Macromedia Hochschule in Köln, viele im Team kommen aus Mönchengladbach", erzählt Regisseur und Drehbuchautor Florian Schmitz. Es ist Mittag, Drehpause. Der 21 Jahre alte Schwalmtaler sitzt auf einer Mauer vor einem Parkplatz in der Sonne. Er wollte mal raus aus dem falschen Burgerladen, in dem es wegen der vielen Scheinwerfer warm und etwas stickig ist. Wo es nach Fast Food riecht, unzählige Kabel den weißen Fliesenboden bedecken und immer irgendwer mit irgendwem über irgendein Szenenbild, eine Requisite oder den Zeitplan zu sprechen scheint. Auch Produktionsleiter André Rinke sitzt auf der Mauer, Kommilitone aus dem Oberbergischen. Im vierten Semester studieren die beiden Film und Fernsehen, "Wutburger" sei ihre Semesterarbeit, sagt der 23-Jährige. Dritter Hauptverantwortlicher ist Kameramann Marius von Bock (21) aus Mönchengladbach.

Die Handlung ihres Kurzfilms: Burgerbrater Fred führt ein Hamburger-Restaurant mit gastronomischer Drei-Klassen-Gesellschaft. Reiche Gäste speisen sitzend von Porzellantellern, während ärmere draußen ihren in Papier eingewickelten Burger im Stehen essen müssen. Gast Samuel schmeckt das gar nicht, und so zettelt er eine Revolution an. Sechs Schauspieler haben die Studenten engagiert, dazu mit einem Internetaufruf und Flyern Komparsen gesucht. Eine Produktionsassistentin stellte den Kontakt zu den Besitzern des leerstehenden Ladenlokals an der Regentenstraße her. "Früher soll hier eine Metzgerei gewesen sein", sagt Florian Schmitz. Die Theke war schon drin, bekam aber eine neue Verkleidung in schwarz und grau. Den Rest des Raumes statteten die Filmemacher komplett neu aus. Als sie renovierten, hätten ein paar Passanten gefragt, ob das jetzt ein neues Burger-Restaurant werde - und seien ganz enttäuscht gewesen, dass alles nur Kulisse ist, erzählt Schmitz.

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Mit Gladbach als Drehort ist er zufrieden: "Hier sind die Ressourcen noch nicht so ausgeschöpft wie in Köln." Parkplätze, einen kostenlosen Drehort, ein günstiges Hotel für die Teammitglieder finden: Das habe problemlos funktioniert, ergänzt André Rinke. Die Zeit drängt, Florian Schmitz und er müssen wieder rein, weiterdrehen. "Wir haben das Ladenlokal nur für fünf Tage", sagt Schmitz. Drinnen wartet die Aufnahmeleiterin mit der Klappe.

Ende des Jahres solle der Film in einem Kölner Kino Premiere feiern, kündigt André Rinke an. "Dann versuchen wir, ihn ein Jahr lang auf so vielen Festivals wie möglich zu präsentieren. Wir visieren auch den amerikanischen Markt an." Bei diesem Hochschulprojekt geht es den Studenten nicht nur um eine gute Note: Es soll ihnen helfen, sich in der Filmbranche zu etablieren.

(naf)
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