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Mönchengladbach: Streitigkeiten am Zaun belasten Gerichte

Mönchengladbach : Streitigkeiten am Zaun belasten Gerichte

Weil ein Kirschbaum zu nah an der Grundstücksgrenze stand, musste er weg. Und obwohl nur noch ein Stumpf übrig blieb, soll der Nachbarschaftskonflikt jetzt vor Gericht geklärt werden. Immer häufiger landen Lappalien vor dem Kadi.

Als Marion und Werner Lüttke vor 15 Jahren ihr Haus an der Ueddinger Straße kauften, dachten sie, im Paradies angekommen zu sein. Die hübsche Immobilie mit dem Wintergarten und dem schön eingewachsenen Grundstück in unmittelbarer Nähe zu den Niersauen hatte ihnen auf Anhieb gefallen. Aber schon kurze Zeit später sollten sie ihren Entschluss bereuen. "Wir haben seit dem Einzug keine Ruhe mehr gehabt", sagt Werner Lüttke. Ein Nachbar, der zwei Häuser entfernt wohnt, nimmt Anstoß an allem, was sie auf ihrem Grundstück machen, sagt seine Frau.

Ein Süßkirschbaum am Ende des Grundstücks und mit zu geringem Abstand zu dessen Grenze wurde zum Streitobjekt. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen landete die Sache vor neun Jahren vor der Schiedsfrau in Neuwerk. "Um des lieben Friedens willen haben wir uns damals bereiterklärt, den Baum zu fällen, obwohl uns das in der Seele wehtat", sagt Lüttke. Ein etwa zwei Meter Stück Stamm ließ er stehen, an den verbliebenen Aststücken hängte er Nistkästen auf. "Ich wollte den Meisen, die immer in dem schönen Baum gebrütet hatten, eine Alternative anbieten." Und wirklich sehen könne der Nachbar das Baumfragment von seinem Haus auf dem übernächsten Grundstück nicht.

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Das Problem schien gelöst. Aber es ging weiter. Eine Thuja-Hecke mussten die Lüttkes absägen, dann ging es um die Fischteiche auf ihrem Grundstück, um das angeblich stinkende Wasser. "Wir bekamen Besuch von der Bauordnung und vom Veterinäramt. Die städtischen Mitarbeiter haben sich vom ordnungsgemäßen Zustand des Gartens und der Teiche überzeugt", sagt Lüttke.

Jetzt kam ein Schreiben vom Obergerichtsvollzieher. Darin macht der Nachbar einen Titel, den er beim Amtsgericht erwirkt hat, geltend. Er will mit der Kirschbaum-Sache vor Gericht ziehen. "Das hätte ich schon vor neun Jahren machen sollen", sagt er. Er verlangt, dass Werner Lüttke den Baum komplett entfernt, weil er befürchtet, dass er doch wieder austreibt und mehr als 20 Meter hoch wird. "Ich bestehe auf meinem Recht. Und das ist im Nachbarschaftsgesetz niedergeschrieben. Das kann jeder nachlesen." Er glaubt nicht, dass der Baum abgestorben ist. "Da ist kein bisschen Leben mehr drin", sagt hingegen Werner Lüttke.

Dr. Martin Alberring könnte sich vorstellen, dass das genau vor Gericht eine entscheidende Rolle spielen könnte. "Die Frage ist ja: Ist dies wirklich noch der ursprüngliche Baum, wenn von ihm doch nur noch ein toter Stamm steht?" Der Richter und Sprecher des Landgerichts weiß, dass solche Nachbarschaftskonflikte immer wieder vor Gericht landen. "Und fast immer geht es fast ausschließlich ums Prinzip, da ist ein Einsehen sehr schwer zu erwirken." handle es sich in der Regel um Lappalien.

Wesentlich häufiger werden solche und ähnliche Streitigkeiten allerdings von den Schiedsleuten bearbeitet. Gaby Trippen ist Schiedsfrau und Mediatorin. Sie sagt: "Ich habe schon ziemlich schlimme Dinge erlebt." Es sei schon erschreckend, was Nachbarn sich bisweilen antun. Da könne es durchaus passieren, dass der Streit um eine Kleinigkeit sich verselbstständige und nicht nur die Schiedsleute, sondern auch die Gerichte beschäftigt. In diesem Fall stellt sie klar: "Wenn beide Nachbarn den Vergleich vor der Schiedsfrau in Neuwerk unterschrieben haben, ist das bindend wie ein Gerichtsbeschluss." Es käme nun womöglich auf die Einschätzung eines Gutachters an.

Werner Lüttke findet den Begriff Nachbarschaftsstreit für seine Situation nicht zutreffend. "Zu einem Streit gehören immer zwei", sagt er. "Ich habe keinen Streit mit meinem Nachbarn. Und wir haben uns nichts zuschulden kommen lassen."

(RP)