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Mönchengladbach: Streit wegen Umgehungsstraße

Mönchengladbach : Streit wegen Umgehungsstraße

SPD, Grüne und FDP können sich nicht einigen, wo eine neue Trasse von Gladbach nach Rheydt gebaut werden soll. Die Verwaltung schlägt eine Alternative zur Verlängerung der Monschauer Straße vor. Die ist um Millionen teurer.

Er ist das Loch Ness der Mönchengladbacher Politik: Viele schwören Stein und Bein, den seit 2005 überfälligen Verkehrsentwicklungsplan schon mal gesehen zu haben, in der Öffentlichkeit aufgetaucht ist er bislang aber nicht. Das liegt daran, dass sich früher CDU und FDP und nun seit über zwei Jahren SPD, Grüne und FDP hinter verschlossenen Türen vergebens über die künftigen Leitlinien des Verkehrs zu einigen versuchen. Einer der bislang unauflösbaren Streitpunkte ist eine neue Straße, über die schon in den 40er-Jahren erstmals diskutiert wurde und die noch heute als "geplant" in jedem Straßenplan eingezeichnet ist. Danach soll die Monschauer Straße in Richtung Rheydt verlängert werden. Das intern unter dem Namen "Mittlerer Ring" verhandelte Projekt würde rund sechs Millionen Euro kosten.

Lärm und Staub

Die lohnen sich allerdings nicht, findet die Verwaltung. Der Plan stamme aus einer Zeit, als es die A 61 noch nicht gab, die fast parallel zu der geplanten Straße verläuft. Nach Überzeugung der Verkehrsplaner würde man Verkehr von der Autobahn in die Stadt ziehen. Um die durch Lärm und Staub besonders belasteten Friedrich-Ebert- und Wickrather Straße zu entlasten, sei der Mittlere Ring zu weit entfernt. Dafür halten die Planer eine ebenfalls schon früher geplante Straße für ungleich geeigneter. Sie verbindet Mittelstraße und Hubertusstraße, indem sie in der Nähe der Unterführung Tippweg unter der Bahnlinie herführt und dann auf der anderen Seite ein ganzes Stück entlang der Bahn verläuft. Das bringt den zusätzlichen Vorteil, dass dort deutlich weniger – und im Zweifel auch nicht so proteststarke – Anwohner leben. Der Nachteil: Acht bis neun Millionen soll diese neue Straße kosten. Und ob überhaupt alle dafür nötigen Grundstücke erworben werden können, ist offenbar noch unklar.

Klar ist: Eine Entlastungsstraße wird gebraucht – wohl alleine schon, um durch das Verteilen des Verkehrs dauerhaft den strengeren Umweltrichtlinien gerecht zu werden. Die SPD ist klar gegen den Mittleren Ring. Die FDP will die Kosten möglichst gering halten und ist daher gegen die Alternativtrasse. Und die Grünen wollen am liebsten keinen einzigen Meter neue Straße. Diese Gemengelage ist – neben der Frage, wie die Ortsumgehung Ost laufen soll – der Hauptgrund dafür, dass der Verkehrsentwicklungsplan, den die Ampel für 2010 angekündigt hatte, noch immer nicht öffentlich beraten wird. Das könnte sich nun aber ändern. Lothar Beine, SPD-Fraktionsvorsitzender, sagte gestern der RP: "Ich hoffe, dass der Verkehrsentwicklungsplan in den nächsten Ratszug eingebracht werden kann." Die Bürger, so Beine, sollten ausgiebig mitreden dürfen. Entscheidungen wird es frühestens Anfang des Jahres geben – auch über die neue Umgehungsstraße.

(RP)