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Lärm-Belästigung in Mönchengladbach: Streit um Schaf, Hahn, Hund und Glocke

Lärm-Belästigung in Mönchengladbach : Streit um Schaf, Hahn, Hund und Glocke

Fast täglich gehen beim Ordnungsamt Beschwerden über Lärmbelästigungen ein. Die Schiedsleute werden häufig und oft erfolgreich bemüht. Im schlimmsten Fall landet die Sache vor Gericht - wie jetzt der Streit um den Tierpark.

Heftige Reaktionen hat der Artikel über die Klage eines Anwohners gegen den Odenkirchener Tiergarten hervorgerufen. Warum kaufte der Mann ein Haus in der Nähe des Tierparks, wenn er keine Tiergeräusche erträgt? Das ist eine der meistgestellten Fragen. Wer in den Einzugsbereich eines Flughafens ziehe, müsse damit rechnen, dass er es mit Fluglärm zu tun bekommt. Wer neben einem Kindergarten wohnt, muss sich mit dem Geschrei und Gewusel von Kleinkindern arrangieren. Und wer sich neben einer Kirche einmietet, muss sich mit dem Geläut der Glocken abfinden.

Oder auch nicht. "Seit einiger Zeit darf an der Kirche St. Helena in Rheindahlen zwischen 22 und 6 Uhr nicht mehr die Stundenglocke läuten, weil dies ein Bürger, der in unmittelbarer Nähe seinen Wohnsitz nahm, durchsetzte", berichtet Stadtsprecher Dirk Rütten. Beinahe täglich und übers ganze Jahr verteilt gehen beim Ordnungsamt Beschwerden über Lärmbelästigung und Ruhestörung ein. Dabei geht es in der Regel um zu heftiges Feiern, zu laute Musik, aber auch um Haustiere, sagt Rütten. "Aktuell beschwert sich ein Anlieger, der allerdings mehrere hundert Meter vom Gelände weg wohnt, regelmäßig über Hundegebell im Tierheim Hülserkamp. Es gab auch schon Beschwerden über Hahnengeschrei."

Landgerichtssprecher Dr. Martin Alberring erklärt, wie es mit der Klage gegen den Tierpark nun weitergehen wird. Es handle sich um ein Zivilverfahren, der Richter ist eine neutrale Person, und das Gericht müsse den Beweisen nachgehen. "Das bedeutet auch, dass das Amtsgericht das Verfahren eröffnen muss", stellt Alberring klar. Im vorliegenden Fall wird das so aussehen: Die Richterin wird gegen Ende September einen Beweisbeschluss vorlegen. Dann wird vom Kläger ein Vorschuss angefordert, damit gewährleistet ist, dass die notwendigen Lärmgutachten bezahlt werden können. "Da der Gutachter aller Voraussicht nach auch nachts Messungen im Garten des Klägers durchführen muss, wird das nicht ganz billig", sagt der Landgerichtssprecher.

Bevor das Gericht sich in der vergangenen Woche erstmals mit der Klage gegen den Tiergarten beschäftigte, hatte Schiedsfrau Gaby Trippen versucht, die Kontrahenten außergerichtlich zu einer Einigung zu bewegen. Ohne Erfolg. Die Meinungen gingen zu weit auseinander: "Ich habe überlegt, wie ich dem Anwohner helfen kann, ohne den Tierpark zu gefährden." Letztlich musste Gaby Trippen sich geschlagen geben, und der Mann zog mit ihrer Erfolglosigkeitsbescheinigung vor Gericht. "Ich habe wirklich alles versucht, habe einen ganzen Tag im Tierpark verbracht und versucht zu verstehen, was da so schlimm ist." Genutzt hat es letztlich nichts. Dabei gehen die meisten Kontrahenten, die die Schiedsfrau um Schlichtung bitten, hernach zufrieden auseinander. Tiergeschichten gehören dabei zu den Dauerbrennern. "Da gab es beispielsweise die Schafe, die dem Nachbarn die frisch eingesetzten Pflanzen wegfraßen." Ein Elektrozaun beendete den Streit.

Oder der Schäferhund, der immer auf der Mauer zum Nachbargrundstück lag und knurrte - Gaby Trippen vereinbarte mit den Nachbarn gegenseitige Rücksichtnahme. "So einfach kann eine gute Lösung aussehen", sagt sie. Und der Kater, der regelmäßig den Nachbargarten heimsuchte, um Beete zu verwüsten, Blumentöpfe zu zerstören und die Vögel zu reißen, wurde auf den Rat der Schiedsfrau mit einem ordentlichen Wasserstrahl aus dem Schlauch bedacht - fertig. Im Streit um die Lärmbelästigung durch die Tiere am Pixbusch, wird es keine einfache Lösung geben, fürchtet sie.

(RP)