Mönchengladbach: Streit in Wanlo: Wand statt Wall

Mönchengladbach: Streit in Wanlo: Wand statt Wall

Die Bagger kommen näher. Vor deren Lärm sollen die Wanloer geschützt werden. Eine Mehrheit im Dorf will einen Erdwall. Die Bezirksvertretung West entschied sich anders, nämlich für eine Wand – direkt an der Abbaukante.

Die Bagger kommen näher. Vor deren Lärm sollen die Wanloer geschützt werden. Eine Mehrheit im Dorf will einen Erdwall. Die Bezirksvertretung West entschied sich anders, nämlich für eine Wand — direkt an der Abbaukante.

Die Wanloer werden keinen Wall bekommen, sondern eine Wand. Diese wird nicht 70 Meter vor dem Ortsrand, sondern an der Tagebaukante, etwa 200 Meter von der Wohnbebauung entfernt, stehen. So will es zumindest eine Mehrheit der Mitglieder der Bezirksvertretung West.

Damit ist der bereits genehmigte sieben Meter hohe Wall, der in Kürze an der Abbaukante aufgeschüttet und begrünt werden sollte, wohl aus dem Rennen. Die nun geplante sieben Meter hohe Lärmschutzwand soll erst unmittelbar vor dem Anrücken der Schaufelradbagger — zwischen 2017 und 2020 — errichtet werden. Und — sie kann nach dem Rückzug des Bergbautreibenden RWE Power durchaus auch wieder entfernt werden.

Eine Initiative, begründet von fünf Wanloer Bürgern, hatte im Ort ein anderes Meinungsbild ermittelt. Die Auswertung einer Befragung, an der sich 375 Bürger beteiligt hatten, sah so aus: 278 der Befragten (74,1 Prozent) sprachen sich für den Wall am Abbaurand aus, 75 (20 Prozent) für die Wand am Grubenrand und 22 (5,9 Prozent) für die Lärmschutzmauer unmittelbar am Ortsrand.

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"Wir sind froh, dass die Bezirksvertretung eine klare Entscheidung ausgesprochen hat", sagt Barbara Weinthal vom städtischen Fachbereich Umweltschutz und Entsorgung. Die Empfehlung der Bezirksvertretung wird am Dienstag kommender Woche in den Planungs- und Bauausschuss gehen, einen Tag später in den Umweltausschuss. "Wir werden der politischen Entscheidung folgen", sagt Barbara Weinthal. Wichtig und entscheidend sei, so die Fachfrau, dass die Wand die gleiche schützende Wirkung gegen Lärm, Staub und Scheinwerferlicht (in der Grube wird auch nachts gearbeitet) für die Wanloer Bevölkerung habe wie der ursprünglich geplante Wall.

Der Emissionsschutz hatte in den vergangenen Monaten für reichlich Diskussionen gesorgt. Vor allem, als RWE Power die Wand in unmittelbarer Ortsnähe anstelle des Walls propagiert hatte. Die Wanloer fürchteten, dass die sieben Meter hohe Wand ihnen den Blick in die Welt verbauen könnte. Von "Heimatverlust" war die Rede. RWE Power hatte argumentiert, die Schutzwand würde auch den Lärm der geplanten L 354n als Verbindungsstraße nach Erkelenz von der Wanloer Bevölkerung abhalten. Das wird die Wand am Rand natürlich nicht leisten können.

Da die Wand in der Tiefe wesentlich weniger Platz benötigt als der Wall, kann der Bergbautreibende die notwendigen etwa 15 Sümpfungsbrunnen näher an den Tagebaurand setzen. "In der zeitlichen Abfolge sieht es so aus, dass RWE Power zunächst die Brunnen anlegen wird", sagt Barbara Weinthal. Anschließend werden diese ringsum begrünt. Die Pflanzen können sich ein paar Jahre entfalten, bevor die Bagger kommen und mit ihnen die Wand am Abgrund.

(RP/rl)