Mönchengladbach Streik: Gladbacher waren gut informiert

Mönchengladbach · Busse fuhren nicht, Kindertagesstätten blieben zu und etwa 2000 Personen verschafften sich mit Trillerpfeifen Gehör. In Mönchengladbach wurde einen Tag lang gestreikt. Doch die Gladbacher schienen gut informiert gewesen zu sein. Chaos blieb aus.

Tarifforderungen: So streiken die Mönchengladbacher
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Wo sonst Busse abfahren, herrscht am Mittwoch auffällige Stille. Der Vorplatz des Mönchengladbacher Bahnhofes ist wie leergefegt. Nur Julia Skolimowski und Jan Poloczek stehen am Rand und warten. Jedoch nicht auf den Bus, den die Praktikanten einer Werbeagentur täglich zur Arbeit nehmen - heute warten sie auf ihren Chef.

"Wir hatten eigentlich vorgehabt zu laufen und haben unseren Chef angerufen", erzählt Jan Poloczek. Damit war ihr Chef jedoch nicht einverstanden. "Er holt uns jetzt ab", freuen sich beide. Für die Streikenden haben die jungen Leute jedoch kein Verständis. "Dazu haben sie kein Recht", sagt Julia. "Die Fahrpreise wurden bereits erhöht und befördert werden wir trotzdem nicht."

Auch Ursula Schulz kann sich glücklich schätzen, dass ihr Mann an diesem Tag frei hat und sie zum Hauptbahnhof fährt. Normalerweise fährt sie mit dem Bus dorthin und steigt dann in die S-Bahn nach Krefeld. "Sonst hätte ich heute Probleme gehabt zur Arbeit zu kommen", sagt Schulz.

Kundgebung am Alten Markt

Währenddessen treffen sich an verschiedenen Stellen der Stadt laut Veranstalter etwa 2000 Personen zum angekündigten Drei-Sterne-Marsch, zu dem die Gewerkschaft ver.di aufgerufen hat. Von 8 Uhr an strömen die Arbeiter des öffentlichen Dienstes zur Kundgebung am Alten Markt. Die Arbeitnehmer fordern lautstark eine Lohnerhöhung von 6,5 Prozent. " Wir sind dazu bereit, bei einem länger andauernden Arbeitskampf unsere Ämter auch ohne Bezahlung niederzulegen", sagt Peter Smarsly, der bei den Stadtwerken Krefeld arbeitet. Seiner Meinung nach sei bei den steigenden Lebenshaltungskosten eine Lohnerhöhung längst überfällig gewesen. Für ihn wäre ein Kompromiss über vier Prozent schon ein Erfolg.

Ein anderes Bild zeigt sich in den Kindertagesstätten. Nur eine Erzieherin sitzt am Eingang der städtischen Kindertagesstätte am Hensenweg. Die Eltern seien rechtzeitig informiert worden, deshalb sei die Kita nur für Fälle geöffnet, in denen Eltern keine Alternative zur Unterbringung gefunden haben, sagt sie. Insgesamt sind 14 städtische Tageseinrichtungen vom Streik betroffen, zum Teil wurden Notgruppen eingerichtet.

In der Agentur für Arbeit an der Lürriper Straße haben 25 von 150 Mitarbeitern die Arbeit niedergelegt. Das große Durcheinander bleibt jedoch aus. "Die Kunden werden aufgenommen und bekommen einen neuen Termin. Wer schon einen Termin hat, bekommt keine Probleme. Es ist ruhig, die Menschen haben viel Verständnis", sagt Geschäftsführer Johannes W. Schmitz.

(ila)
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