Mönchengladbach: Streicherduo als Ersatz für das Evenos String Quartet

Mönchengladbach: Streicherduo als Ersatz für das Evenos String Quartet

Das "Rosenduo" rettete mit bewundernswertem Einsatz das letzte Zykluskonzert im Rittersaal von Schloss Rheydt.

Drei Tage vor dem Termin des letzten Zykluskonzerts dieser Saison zog sich einer der Geiger des für diesen Abend verpflichteten "Evenos String Quartet" eine heftige Handverletzung zu, und das geplante Konzert hätte fast abgesagt werden müssen. Doch ganz kurzfristig erklärte sich das "Rosenduo" bereit, den Termin zu retten. Hinter dem blumigen Namen verbergen sich die Finnin Anna Marila, die bei Professor Ulrike-Anima Mathé an der Hochschule für Musik in Detmold studiert, und Nils Biesewig, der an derselben renommierten Ausbildungsstätte bei Professor Diemut Poppen sein Violaspiel vervollkommnet. Seit vier Jahren musiziert das deutsch-finnische Duo zusammen und hat inzwischen zu einer solchen Homogenität gefunden, dass es für die Besucher im voll besetzten Rittersaal kein Ersatz für das Streichquartett, sondern vielmehr eine willkommene Entdeckung war.

Die beiden blutjungen Musiker begannen ihr abwechslungsreiches Programm mit einer Bearbeitung des "Einzugs der Königin von Saba" aus dem Händel-Oratorium "Salomon", im Original für Kammerorchester komponiert. Schon hier zeigte sich, dass die Reduktion auf nur zwei Instrumente keinesfalls zu einer klanglichen Verarmung führt. Allerdings nur, wenn Violine und Viola technisch so versiert und interpretatorisch sattelfest gehandhabt werden, wie es die mit musikantischem Schwung agierenden Gäste vermochten.

Acht der für Klavier komponierten zweistimmigen Inventionen von Johann Sebastian Bach zeigten, dass die Interpreten auch mit polyphonen Strukturen bestens vertraut sind. Besonders gefielen die vierte, die sechste und die achte Invention.

  • Fußball-Bezirksliga : Der SV Lürrip nutzt seine vielseitigen Mittelfeldspieler gut

Carl Stamitz (1745-1801), selbst ein ausgezeichneter Bratscher, setzte als Erster in seinen Kompositionen die bis dahin als Begleitinstrument eingesetzte Viola solistisch ein. Entsprechend anspruchsvoll ist sein Duo für Violine und Viola C-Dur op.18 Nr.1, dem das "Rosenduo" ebenso wenig schuldig blieb wie dem Duo von Jean Sibelius (1865-1957), einem Landsmann der Geigerin, der ebenfalls hervorragend Bratsche spielte und seinen Interpreten eine Menge abverlangt.

Zum Abschluss präsentierten die vor jedem Vortrag kenntnisreich und charmant moderierenden Streicher noch ein Standardwerk für ihre Besetzung - das Duo G-Dur KV 423 von Wolfgang Amadeus Mozart, das durch gewagte Harmonik, rhythmische Vielfalt und hohe technische Anforderungen herausfordert.

Für den begeisterten Beifall nach diesem rundum gelungenen Ausklang des Konzerts gab es noch den "Purzelbaum" von Benedikt Brydern (geboren 1966), ein ungestümes, nur vermeintlich ungeordnetes Duettieren mit glücklichem Ausgang.

(oeh)
Mehr von RP ONLINE