Mönchengladbach: Streetfood, Feiern und Shoppen in Rheydt

Mönchengladbach : Streetfood, Feiern und Shoppen in Rheydt

20.000 Besucher kamen zum Blumensonntag. Am Nachmittag durften die Händler ihre Läden öffnen und zeigten sich zufrieden.

Wer sich gestern die schmale Wendeltreppe und die dunklen Holzstufen zum Kirchturm der evangelischen Hauptkirche hinauftraute, wurde belohnt: Was für eine Aussicht. Kinder springen auf einer gelben Hüpfburg umher, Seifenblasen und orangefarbene Luftballons werden von unten nach oben in den Himmel geschickt, buntbemalte Jahrmarktstände werben für Zuckerwatte, Backfisch und Muzen, Menschen lassen sich mit Getränken und Leckereien am Springbrunnen oder auf den Außenterrassen nieder. Aus Sträuchern und Blüten geformt, sieht man einen Kreis, dazwischen besprühte Fahrräder mit Sonneblumen oder Lavendel im Korb.

Die Geschäfte haben noch geschlossen, da ist zur Eröffnung des 59. Blumensonntags in Rheydt um 12 Uhr schon einiges los auf den Straßen. Sehr zur Freude des Rheydter City-Managements: "Es ist schön zu sehen, wenn das, was wir ein halbes Jahr lang auf die Beine gestellt haben, angenommen wird", sagt der Vorsitzende Christoph Hartleb. "Wir wollen den Menschen zeigen, wie attraktiv Rheydt sein kann. Und auch der Handel kann hier seine Handlungsfähigkeit demonstrieren", sagt er. Endes des Jahres sollen für 2018 vier verkaufsoffene Sonntage beantragt werden, auch der Blumensonntag ist als Termin geplant. Um dieses Vorhaben umzusetzen, müsse jedoch nachgewiesen werden, dass die Mehrzahl der Besucher wegen der Veranstaltungen rund um den Marktplatz in die Innenstadt kommt und nicht wegen der geöffneten Läden. "Vier Mitarbeiter von uns sind mit 400 Fragebögen unterwegs, um die Besucher zu befragen", sagt Hartleb. "Mindestens 80 bis 90 Prozent müssen angeben, dass sie zumindest auch wegen des Blumensonntags gekommen sind. Da wir so viele Attraktionen hier haben, mache ich mir deswegen aber eigentlich keine Sorgen."

Helium-Luftballons sorgten vor dem Rheydter Rathaus für Jahrmarkt-Atmosphäre und Freude bei Kindern. Foto: Raupold Isabella

An Attraktionen mangelt es auf dem Rheydter Marktplatz tatsächlich nicht. Als die Coverband "just:is" mit Liedern zum Mitsingen wie "Billie Jean", "September" oder "I'm so excited" die kleine schwarze Bühne betritt, tanzt und schwingt die Menge in der ersten Reihe mit. "Das schaffst du, Leonard!", hört man die Zuschauer einem kleinen Jungen zurufen, der beim Kistenklettern mutig in die Höhe steigt, über dem Feuer eines mobilen "Abenteuerspielplatzes" brutzelt Stockbrot, während von der aufgebauten "pumptrack" der Rollbrettunion das Donnern des Skateboards erklingt.

Blumen muss man auf dem Marktlatz ein wenig suchen. Hält man jedoch die Augen offen, so findet man sie überall: im Detail. Auf bunt geschminkten Kindergesichtern, Blumentöpfen, Postkarten, Gläsern, Knöpfen oder in Form von Girlanden. Und ja: Selbst blumengeschmückte Fahrzeuge bewegen sich im Korso durch die Innenstadt. In teils rasendem Tempo und begleitet von einem Klingelkonzert, stellen sich rund zehn Teilnehmer dem zweiten Mönchengladbacher Fahrradmarathon: 30 Runden entlang der Stresemannstraße, der Marktstraße und der Friedrich-Ebert-Straße - eine Strecke von insgesamt 21 Kilometern.

Beim zweiten Mönchengladbacher Fahrradmarathon mussten die Teilnehmer mit blumengeschmückten Fahrrädern gegeneinander antreten. Foto: Raupold Isabella

Marcus Graef hat sein Rad samt Anhänger mit Einhörnern, Bären und natürlich jeder Menge Blumen für den Marathon herausgeputzt. "Die Sachen hatte ich alle schon zu Hause, heute Morgen habe ich das Fahrrad dann eine Stunde lang geschmückt", sagt er. Den Marathon hat er schon erfolgreich hinter sich gebracht. Mit dem Blumenkorso auf zwei Rädern möchte der ADFC auf die Wichtigkeit des Fahrradverkehrs für die Stadt aufmerksam machen. "Leider herrscht hier ein enormer Parksuchverkehr mit vielen Autos, die orientierungslos herumfahren. Das macht es für uns Radfahrer nicht so leicht, die Strecke zu meistern", sagt Peter Beckers vom ADFC.

Auch Exotisches gab's zum Probieren: Natalia Spanagel versuchte sich an gebratenen Insekten. Foto: Vittinghoff
Das Streetfood-Festival lockte mit jeder Menge Trend-Speisen: Gigclem Spickermann gönnte sich Pulled Pork. Foto: Raupold Isabella

Ist die Strecke trotz aller Probleme geschafft, findet man beim Streetfood-Festival für jeden Geschmack etwas. Ob Hotdogs, Falafel, Flammkuchen, Burritos oder Pfifferlinge: in kleinen, wie Restaurants hergerichtete Wagen, gibt es so gut wie alles. Natalia Spanagel gehört zu den ganz Mutigen. Sie versucht sich an gebratenen Mehlwürmern, Heuschrecken und Schwarzkäferlarven. Wie schmeckt es? "Man kann es mit gesalzenen Erdnüssen oder gerösteten Zwiebeln vergleichen", sagt sie zufrieden. Süßer geht es bei den "Ehren Schokoschurken" zu. Hier zeigt Erwin Kantler etwa, wie er aus Zuckermasse Äpfel oder Bananen fertigt. Aber natürlich kann auch geshoppt werden. Am Ende des Tages hat das City-Management rund 20.000 Besucher gezählt.

(mcv)
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