Mönchengladbach: Stillgelegte Räume gefährden Betreuung

Mönchengladbach: Stillgelegte Räume gefährden Betreuung

In der Grundschule Broich dürfen zwei Klassenräume aus Brandschutzgründen nicht genutzt werden. 15 Kinder können demnächst nicht in die Nachmittagsbetreuung. Eine Feuertreppe würde das Problem lösen. Die Stadtverwaltung zögert.

Seit 2011 dürfen zwei von drei Klassenräumen im Obergeschoss der Grundschule Broich nicht mehr genutzt werden. Das führte im Laufe der Jahre zu gravierenden Engpässen. Hat etwa zur Folge, dass Konrektorin Jutta Ferfer sich mit dem Hausmeister ein Neun-Quadratmeter-Räumchen teilen muss - zwei Schreibtische, ein Regal, ein Kopierer, Faxgerät - mehr passt nicht hinein. Und im 19 Quadratmeter großen Lehrerzimmer quetschen sich die Kollegen um einen Tisch. Nicht jeder hat einen Sitzplatz, zudem handelt es sich um ein Durchgangszimmer zu den Schüler-Toiletten. Elterngespräche können ungestört nicht stattfinden. "Das ist aber nicht das Schlimmste", sagt die Konrektorin. "Die Nachmittagsbetreuung steht auf der Kippe."

Wenn das Treppenhaus versperrt wäre, müssten die Kinder durch die Fenster gerettet werden. Foto: Ilgner Detlef

Bisher konnten 34 Mädchen und Jungen das Angebot nutzen, im nächsten Schuljahr kommen 15 Kinder dazu. "Dann müssen sich 49 Schüler den ohnehin begrenzten Raum teilen." Der dann sogar noch kleiner würde. "Der Träger der Betreuung, der Verein zur Bildungsförderung, ist nicht in der Lage, für diese große Zahl von Schülern das Mittagessen wie bisher aufzuwärmen. Wir müssen dann einen Caterer buchen." Und für diese Methode ist eine separate Essensausgabe vorgeschrieben. "Diese Fläche von 25 Quadratmetern geht dann vom Betreuungsraum ab."

Alles hängt von den beiden stillgelegten Räumen im Obergeschoss ab. "Die Grundschule Broich wird aber im Rahmenplan ,Offener Ganztag und schulische Betreuung im Primarbereich' überhaupt nicht aufgeführt", sagt Friedhelm Stevens. Der Broicher sitzt für die CDU in der Bezirksvertretung West - und ist richtig sauer. "Ich habe die Situation vor Ort mit einem Fachmann geprüft", sagt er. "Ein einfacher Durchbruch durch die Außenwand in der Gymnastikhalle im Obergeschoss des Gebäudes und eine Feuertreppe würden nach dessen Berechnung 12.000 Euro kosten - das sind Peanuts."

Mit dieser einfachen Maßnahme wäre das Problem schlicht und ergreifend gelöst. Es führt zwar eine Treppe vom Obergeschoss nach unten und direkt zu einer Außentür. "Die Verwaltung geht aber vom schlimmsten Fall aus", sagt Stevens. Das heißt: Wenn alle drei Klassenräume oben genutzt würden, und der Fluchtweg wäre etwa durch Feuer versperrt, müssten die Kinder durch die gekennzeichneten Fluchtfenster ihrer Klassenräume über die Leiter der Feuerwehr gerettet werden. "Die Kapazität der Rettungskräfte ist aber mit 30 Kindern erreicht." Also müsste dringend der zweite Fluchtweg her. "Die Außentreppe an der Giebelseite der Schule wäre schnell gemacht. Aber die Verwaltung zögert."

Sollte sich die Raumsituation nicht ändern, droht 15 Familien ein Betreuungsengpass für ihre Kinder. "Die Mädchen und Jungen kommen vom Kindergarten, wo sie auch nachmittags sein konnten, zu uns, und wir können ihnen keine Betreuung garantieren", sagt Jutta Ferfer. "Da stehen Existenzen auf dem Spiel."

Ärgerlich auch: Die Grundschule Broich wurde soeben ans Glasfasernetz angeschlossen. Beste Voraussetzungen also für die Umsetzung der Forderung, Schulen in das digitale Zeitalter zu führen. Ein Medienraum müsste her, es gäbe ihn auch im Obergeschoss. Aber der muss aus genannten Gründen leerstehen. "Das ist eine unerträgliche Situation", sagt Friedhelm Stevens. "Die Lösung wäre so einfach."

(isch)