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Steuerprozess um Bert Wollersheim in Mönchengladbach

Prozess in Mönchengladbach : Bert Wollersheim berichtet vor Gericht von seiner Armut

Die frühere Düsseldorfer Rotlicht-Größe stand wegen Steuerhinterziehung von 50.000 Euro vor dem Gladbacher Amtsgericht. Dem Richter schilderte der 67-Jährige, wie arm er sei.

Karge Rente, horrende Schulden von über 500.000 Euro und ein mit Hypotheken belastetes Haus, in dem die Zentralheizung nicht funktioniert und ihm im Winter sogar schon der Strom abgestellt wurde: Die frühere Düsseldorfer Rotlichtgröße Bert Wollersheim lebt eigenen Angaben zufolge in armen Verhältnissen, wie der 67-Jährige am Dienstag vor dem Amtsgericht Mönchengladbach angab. Wollersheim erschien vor Gericht, weil ihm Finanzbehörden und Staatsanwaltschaft Steuerhinterziehung vorwarfen. Das Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 3000 Euro eingestellt. „Ich bin jetzt erleichtert“, sagte Wollersheim nach der Verhandlung unserer Redaktion.

Laut eines Strafbefehls vom August 2017 soll der 67-Jährige zwischen 2007 und 2011 Einkommen- und Umsatzsteuer in einer Gesamthöhe von mehr als angeblich 50.000 Euro nicht ans Viersener Finanzamt abgeführt haben. Wollersheim und seine Anwälte legten Einspruch dagegen ein, deshalb kam es jetzt vor dem Amtsgericht zu einer mündlichen Verhandlung. Wollersheim, der zuletzt in der TV-Show „Das Sommerhaus der Stars“ zu sehen war, erschien in Begleitung zweier Rechtsanwälte und seiner neuen Partnerin, mit der er zeitweise auf Mallorca lebt. Dorthin möchte er auch noch in dieser Woche wieder zurückkehren, wie er sagte.

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Die Verteidiger betonten, die in dem Strafbefehl genannten Summen seien nicht mehr aktuell. Nach einer Nachberechnung des zuständigen Finanzbeamten blieben von den Vorwürfen noch 31.000 Euro an Steuerschuld übrig. Unter anderem warfen die Ankläger Wollersheim vor, er habe Honorare für TV-Shows wie „Die Wollersheims“ oder „Das Promi-Dinner“ nicht korrekt versteuert. Auch Bareinzahlungen auf das Konto der früheren Rotlicht-Größe werteten die Ermittler als unversteuertes Einkommen.

Die Ungereimtheiten waren der Steuerfahndung im Zuge der Ermittlungen um Kunden-Betrug in Bordellen an der Rethelstraße in Düsseldorf im Jahr 2012 aufgefallen. Wollersheim war damals als Mittäter verdächtigt worden, was sich allerdings nicht erhärtete. Die Ermittlungen wurden eingestellt. 49 Tage saß er damals in Untersuchungshaft, wofür auch noch eine Entschädigung aussteht, wie seine Rechtsanwälte Carsten Rubarth und Markus Lehmkühler sagten. „Herr Wollersheim war damals der Grüßonkel an der Theke im Puff. Dafür ist er bezahlt worden, mehr nicht“, bekräftigte Rubarth. Von den Vorgängen habe sein Mandant damals keine Ahnung gehabt.

Seit zwei Jahren versuche der frühere Bordellkönig, die private Insolvenz zu vermeiden. Es habe bereits Pfändungen gegeben, mehr Einkünfte als die Rente seien aber nicht vorhanden und auch nicht zu erwarten, sagte Rechtsanwalt Lehmkühler. Daraufhin verständigten sich beide Seiten auf die Höhe der Geldauflage von 3000 Euro, die innerhalb von sechs Monaten zu zu zahlen ist. „Ich bin gewillt, meinen Verpflichtungen nachzukommen“, sagte Wollersheim.