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Mönchengladbach: Stern von Bethlehem in zwei Fassungen

Mönchengladbach : Stern von Bethlehem in zwei Fassungen

Kirchenmusikdirektor Udo Witt leitete die Aufführung zweier Oratorien zum selben Thema in der Hauptkirche Rheydt.

Gleich zweimal war in der Evangelischen Hauptkirche Rheydt der Stern von Bethlehem zwar nicht zu sehen, aber doch zu hören. Unabhängig voneinander wurden Ende des 19. Jahrhunderts zwei Werke mit diesem Titel komponiert. Beide standen nun auf dem Programm des Konzerts am Vorabend des ersten Advents, sowohl das 1885 in Berlin uraufgeführte Oratorium von Friedrich Kiel als auch das 1892 in der Dresdner Kreuzkirche uraufgeführte von Josef Gabriel Rheinberger.

Beide Werke an einem Abend aufzuführen war zweifellos ein guter Gedanke. Denn ein Vergleich drängt sich geradezu auf. Beide Werke sind klar der deutschen Spätromantik zuzuordnen und damit stilistisch ähnlich. Kiel und Rheinberger waren beide große Bach-Verehrer, in beiden Werken finden sich bewusste Anklänge an Bach wieder, die dann in ganz anderer, eigener Art und Weise weitergeführt werden. Das gilt sowohl für die Choräle als auch für die Passagen, in denen Elemente von Fugen ins Spiel kommen.

Beide Werke variieren zwischen lyrischen und triumphalen Momenten. Es zeigen sich aber auch deutliche Unterschiede. Die individuelleren und originelleren melodischen und harmonischen Einfälle sind bei Rheinberger zu finden. Von daher war es nicht nur unter chronologischem Aspekt richtig, erst das Oratorium von Friedrich Kiel und dann, als Steigerung, Rheinbergers Vertonung aufs Programm zu setzen.

Seit Jahren sind in der evangelischen Hauptkirche tadellose Oratorien-Aufführungen zu erleben, und die zahlreich gekommenen Zuhörer kamen auch diesmal auf ihre Kosten. Die Gesangssolisten, zum Teil seit Jahren gute alte Bekannte in Rheydt, warteten mit kompetenten Leistungen auf: Sylvia Irmen als Mezzosopranistin bei Kiel, Isabelle Razawi als Sopranistin bei Rheinberger sowie, in beiden Oratorien, Stephan Scherpe (Tenor) und Thomas Peter (Bass).

Anders als im Programm ausgedruckt bewährte sich als "dritter Mann" in den Terzetten Stephan Dedring, der für den erkrankten Stephan Hensen einsprang. Wiederum gut einstudiert war der Chor, die Kantorei der Evangelischen Hauptkirche Rheydt. Sicher und zuverlässig agierte das Orchester der Hauptkirchenkonzerte (Konzertmeisterin Johanna Brinkmann). Udo Witt leitete die gelungene Aufführung mit der gewohnten Souveränität.

Langer, herzlicher Beifall belohnte eine mustergültige Leistung.

(-tr)