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Mönchengladbach: Stars sind die Neuwerker selbst

Mönchengladbach : Stars sind die Neuwerker selbst

Zum 45. Mal wird am Sonntag das Jakobbrunnenfest gefeiert. Es ist eine Tradition, die kein echter Neuwerker freiwillig verpassen würde. Aber nicht etwa nur, weil man für drei Euro so viel trinken darf, wie man will.

"O'zapft is", heißt es beim Münchner Oktoberfest auf der Theresienwiese seit rund 200 Jahren. Am Peter-Schumacher-Platz wird erst seit 45 Jahren angezapft. Doch die Neuwerker lieben ihr Jakobbrunnenfest im Herzen des Stadtteils ebenso wie die Münchner ihre Wies'n. "Man trifft sich hier seit Jahrzehnten. Wir brauchen kein großes Unterhaltungsprogramm. ,Stars' sind die Neuwerker selbst. Denn die Menschen wollen erzählen und miteinander über Neuwerk reden. Dann lebt der Stadtteil", sagt Lothar Erbers, Vorstandsvorsitzender der Volksbank und seit 39 Jahren am Brunnen dabei.

Auch Mineralwasser

Am Sonntag um 11 Uhr wird er natürlich auch da sein, wenn Bezirksvorsteher Hermann-Josef Krichel-Mäurer zusammen mit seinem Vorgänger Norbert Post das erste Fass Bier ansticht. Ein "O'zapft is" wie in München gibt es nicht. Und das Fest hier dauert auch nicht zwei Wochen, sondern nur zwei Stunden. Doch die Bürger lieben es ebenso wie die Münchner ihres. "Kein echter Neuwerker würde es je freiwillig verpassen", sagt der Bezirksvorsteher.

Um 11 Uhr also wird angezapft. Um 13 Uhr werden die Hähne an den acht Zapfstellen rund um den Jakobbrunnen geschlossen — aus denen übrigens nicht nur traditionell Hannen-Alt und Malzbier (für die Kinder), sondern seit zwei Jahren auch Mineralwasser fließt. Wirklich Schluss muss dann aber a nicht sein, denn ab 13 Uhr feiern die Heimatfreunde Neuwerk ihr Sommerfest — und die 270 Familien des Vereins wollen dabei keineswegs unter sich bleiben. Nur eins gibt es ab 13 Uhr nicht mehr: Das Trinken ohne Limit für die drei Euro, die jeder Besucher für sein Motivglas zahlt und das so oft kostenfrei nachgefüllt wird, wie er möchte.

Der Erlös aus dem Fest ist in diesem Jahr einmal für den Brunnen selbst bestimmt. Denn sein Mühlrad ist mittlerweile so weit ramponiert, dass es erneuert werden muss. Kein Wunder nach 45 Jahren. Die Geschichte des Brunnens kennt Norbert Post, Landtagsabgeordneter und ein Vierteljahrhundert Neuwerker Bezirksvorsteher, besonders gut: 1939 wurde der heutige Peter-Schumacher-Platz aus Gärten kultiviert und bebaut. Anfang der 1960er Jahre entstand eine kleine Parkanlage, auf der bald Platzkonzerte stattfanden. Norbert Post: "1966 baute Hannes Schufen den Brunnen, zuerst ohne Mühlrad. Das kam Anfang der 70er Jahre dazu. Der Brunnen ist nach dem Verwaltungsstellenleiter Jakob Bonus benannt, der wohl mit Bezirksvorsteher Peter Schumacher, Initiator des Ganzen gewesen ist."

Bis zu 5000 Menschen kamen bislang zum Jakobsbrunnenfest, das 1966 bei der Einweihung der Grünanlage erstmals stattfand und seither nur einmal ausgefallen ist. Ein Frühschoppen mit Tradition, die diesmal in einem Punkt ein wenig durchbrochen wird. "Erstmals seit langem gibt es keine Kollision mit Borussia", freut sich Lothar Erbers.

(RP)