Mönchengladbach: Star-Designer entwirft Hosenmarke für Gardeur

Mönchengladbach: Star-Designer entwirft Hosenmarke für Gardeur

Erstmals in seiner 92-jährigen Geschichte kooperiert Gardeur mit einem Modeschöpfer. Gemeinsam mit Thomas Rath, bekannt aus der Jury von "Germany's Next Topmodel", wurde ein Label gegründet.

Der Mann will Brokat. Er will Krawattenseide. Er will extravagante, dreidimensionale Fotodrucke, die so aussehen, "als trüge man einen ganzen Baum" — und er will Totenköpfe. "Ich liebe Totenköpfe", sagt Thomas Rath. Er wird sie kriegen — und alle anderen Materialien, Muster und Elemente auch, die Hosen für ihn "rockig" oder "crazy" werden lassen.

Zwei Thomas-Rath-Hausmodels und Amelie Klever (re.), bekannt aus "Germany's Next Topmodel", zeigten erste Stücke aus Raths Kollektion. Vorher führte Gerhard Kränzle (u. li.) durch das Atelier Gardeur, auch durch die Färberei (u. re.). Foto: Ilgner

Denn Rath ist Modeschöpfer und arbeitet seit neuestem mit dem Gladbacher Atelier Gardeur zusammen. Am Mittwoch wurde dort, unter anderem unter den Augen zahlreicher Einzelhändler aus dem Bereich der Düsseldorfer Kö, aber auch aus Österreich und der Schweiz, in Ansätzen präsentiert, was ab 2013 Einzug in die Modelandschaft halten soll: eine neue Hosenmarke, Thomas Rath Trousers, konzipiert als rund 90-teilige Kollektion in den drei Segmenten Classic, Sport und Fashion.

Zwei Thomas-Rath-Hausmodels und Amelie Klever (re.), bekannt aus "Germany's Next Topmodel", zeigten erste Stücke aus Raths Kollektion. Vorher führte Gerhard Kränzle (u. li.) durch das Atelier Gardeur, auch durch die Färberei (u. re.). Foto: Ilgner

Die Traditionsmarke Gardeur und ein Düsseldorfer Star-Designer, bekannt aus der Jury von Heidi Klums Casting-Show "Germany's Next Topmodel"? "Das ist das erste Mal für uns, eine absolute Premiere", sagt Gardeur-Geschäftsführer Gerhard Kränzle und strahlt über das ganze Gesicht. Auch für Rath eine perfekte Kombination, um eine "Lifestyle-Marke" aufzubauen: "Hier verbinden sich kreative Köpfe mit Leuten, die nicht nur Entwürfe per E-Mail verschicken — sondern ihr Handwerk noch richtig verstehen." Schließlich war Gardeur seinerzeit Deutschlands erste Hosenmarke.

Den Kontakt zwischen Rath und Kränzle stellte Stefano Sorice her, Unternehmensberater für Modefirmen und — wie Thomas Rath und dessen Ehemann Sandro — eine der schillerndsten Erscheinungen der Düsseldorfer Hautevolee. "Stefano hat sich als sehr guter ,Rath-Geber' erwiesen", scherzt Kränzle, der seit knapp drei Jahren die Geschicke des 1920 gegründeten Unternehmens leitet. "Mit Thomas war es nach fünf Minuten schon so, als würden wir uns seit 20 Jahren kennen. Wir wollten jemand Jungen, Frischen — und den haben wir gefunden."

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Logo entworfen, Lizenzvertrag in Windeseile festgezurrt — und schon konnte es an die gemeinsame Arbeit gehen. Bis zur Berliner Messe "Show & Order" im Januar soll die Kollektion fertig und vorzeigbar sein, ein Showroom in Düsseldorf wird noch gesucht. Wo, steht noch nicht fest, aber exklusiv soll es schon sein. "Beim Monopoly-Spielen habe ich früher oder später auch immer die Parkstraße oder die Schlossallee", sagt Gerhard Kränzle selbstbewusst.

Preislich werden sich die Rath-Hosen irgendwo zwischen 159 und 279 Euro pro Stück einpendeln. "Wir wollen uns im Premium-Segment ansiedeln und gleichzeitig den Einstieg in die Thomas-Rath-Kollektion einfach gestalten", sagt der Designer, der es als Autodidakt bis zum Chefdesigner bei Windsor, Mulberry und Riani schaffte und erst seit 2010 unter eigenem Namen Mode schafft. Der Durchschnittspreis soll bei 199 Euro liegen. "Unter 198 Euro kaufe ich auch gar nicht erst ein", lässt Evelyn Hammerström, Inhaberin der Edel-Boutique "Jade's" an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Allee, da vorsichtshalber schon einmal wissen.

Ein Rundgang durch das Atelier liegt da längst hinter den Dutzenden Besuchern, die Mönchengladbach sonst eher selten frequentieren dürften. "Zuletzt war ich bei Mango in Barcelona. Aber hier ist alles viel minuziöser organisiert", haucht eine Dame, sichtlich beeindruckt von der Gardeur-Logistik. Auf 20 Kilometer Schienen werden jährlich drei Millionen Hosen bewegt, die in Tunesien gefertigt, jedoch in Gladbach entworfen und qualitätsgeprüft werden. "Eine Logistik, die ich selber nie aufbauen könnte", sagt auch Thomas Rath.

Dann zeigen drei Models — darunter Amelie Klever, Drittplatzierte der sechsten Staffel und bisher jüngste Finalistin von "Germany's Next Topmodel" — die ersten Musterentwürfe seiner Kollektion. Totenköpfe sind darauf noch keine zu sehen — aber das wird schon noch kommen.

(RP/rl)
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