Mönchengladbach: So war das Stadtschützenfest 2018

Stadtschützenfest in Mönchengladbach: 2500 Schützen feiern Überraschungskönig

Walter Dunkel wurde beim Stadtschützenfest in Mönchengladbach Bezirkskönig, als er nicht mehr damit rechnete. Mehr als 20.000 Menschen besuchten das zweitägige Fest.

Der Holzvogel fiel gut zwei Minuten nach dem 47\. Schuss von der Stange und machte Walter Dunkel von der St.-Konrad-Schützenbruderschaft Ohler/Ohlerfeld zum Überraschungs-Bezirkskönig. Von seinem Glück erfuhr er erst verspätet, als ihn Bruderschaftspräsident Achim Reiermann begeistert umarmte. „Das ist astrein“, stammelte der 54-jährige Dunkel, der am gestrigen Sonntag mit vielen tausend Zuschauern ein Bilderbuch-Stadtschützenfest feiern konnte. Pferde bestimmten nicht nur die Szenerie bei der Festparade mit 2500 Schützen und Musikanten auf der oberen Hindenburgstraße und auf dem Kapuzinerplatz, sondern auch beim Ball der Majestäten. Da aber in Form von wiehernden Steckenpferden, auf denen Mitglieder des Bruderrats unter Jubel beim Ball der Majestäten in die alte Reithalle des Möbelhauses Schaffrath trabten. Und dass sich die Schützen trotz ihres Traditionsbewusstseins technischen Herausforderungen stellen, bewiesen Heinz-Josef Rebig und Sebastian Schnock: Sie waren als Segway-Offiziere unterwegs und machten mit den elektrisch betriebenen Vehikeln Meldung, ob am Zugweg alles in Ordnung ist.

Es ging alles glatt. Jedenfalls bis zum Start des Umzugs. Da musste ein Pferd herausgenommen werden, weil es zu unruhig war. Nach der Parade kam es vor Beginn der Serenade zu einem Zwischenfall. Ein Pferd scheute, der Reiter sprang rechtzeitig ab, und das Tier wurde in eine Seitenstraße geführt, ehe etwas passieren konnte. Dass das Stadtschützenfest ansonsten wieder einmal der Höhepunkt des Sommerbrauchtums war, lag vor allem daran, dass Bezirksbundesmeister Horst Thoren mit dem Bruderrat und insgesamt 34 Bruderschaften und Schützenvereinen aus Mönchengladbach, Rheydt und Korschenbroich alles glänzend vorbereitet hatte. Dass das Schützenwesen längst nicht mehr auf Männer beschränkt ist, bewiesen die Königinnen Ursula Ilbertz, Melanie Tillmann und Silke McCoy, die beim Vogelschuss antraten. Letztere entschied sich dazu sogar erst am Samstagmorgen und kehrte dann abends als Ministerin des neuen Bezirkskönigs Walter Dunkel nach Hause zurück. Und dass auch Kinder sich dem Sommerbrauchtum verbunden fühlen, beweist seit Jahren die Familie von Barbara und Michael Kremer: Fünf ihrer sechs Kinder zogen beim Stadtschützenfest mit, Daria (4) und Merle (7) sogar auf Ponys.

Huldvoll winkt Bezirkskönig Walter Dunkel seinen Schützenfreunden und den Zuschauern zu. Neben ihm seine Minister Silke McCoy und Stefan Pitsch. Foto: Ilgner Detlef (ilg)
  • Stadtschützenfest in Mönchengladbach : Walter Dunkel ist neuer Bezirkskönig

Festlich wurde es gestern Mittag bei der Krönungsmesse in der Münsterbasilika. Da zelebrierten mit Präses Johannes van der Vorst, Probst Peter Blättler und den Pfarrern Ulrich Clancett, Manfred Riethdorf und Michael Schicks gleich fünf Geistliche die Krönungsmesse für die neuen Bezirksmajestäten. Clancett predigte darin über die beiden Weltkriege und die Geschehnisse in Chemnitz. „Frieden fängt zu Hause an“, mahnte er. Großer Höhepunkt war anschließend die Festparade, die General Lothar Erbers kommandierte.

Nach dem Fassanstich begann das Stadtschützenfest am Samstag kurios. Denn als Neuwerks Schützenkönig Wilfried Rippegarten sich gerade auf seinen dritten Durchgang beim Vogelschuss vorbereitete, machte ihm das Holzvieh einen Strich durch die Rechnung: Es fiel unter großem Gejohle auf das Pflaster des Kapuzinerplatzes – und Dunkel, der vor Rippegarten geschossen hatte, war Bezirkskönig. Er riss die Arme hoch und ließ sich feiern. Und immer wieder schüttelte er fassungslos den Kopf. „Ich war zwar schon 2014 Minister des damaligen Bezirkskönigs. Aber das ist jetzt die Krönung“, erzählte er freudestrahlend. Ehefrau Andrea erkundigte sich lachend nach einem Scheidungsanwalt – Dunkel war in den vergangenen vier Jahren bereits zweimal Schützenkönig der Bruderschaft. „Ich bin halt ein Feierbiest“, behauptet die neue Majestät von sich. Ihm als Minister zur Seite steht neben Silke McCoy von der St.-Helena-Schützenbruderschaft Rheindahlen und Kirchspiel auch noch Stefan Pitsch von der St.-Antonius-Sebastianusbruderschaft Wanlo. Elf Schützenkönige und drei Königinnen waren angetreten. Unter ihnen war der 73-jährige Kurt Kochem aus Dahl, der darauf hoffte, nach sieben vergeblichen Versuchen endlich Bezirkskönig werden zu können. Er muss es nun ein weiteres Mal versuchen.

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