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Mönchengladbach: Zehn Hasen von Thomas Virnich für den SKM

Hilfe für Obdachlose in Mönchengladbach : Zehn Hasen von Thomas Virnich für den SKM

Der Künstler schenkt dem Katholischen Verein für soziale Dienste in Rheydt für Langzeit-Obdachlose erneut eine Plastik. Der Hase war sofort vergriffen, doch eine Fortsetzung folgt.

Mit seinen himmelblauen Augen blickt der Hase irgendwie naiv und optimistisch drein. Gar putzig hat er sein rechtes Ohr abgeknickt. Doch dieses für seine sprichwörtliche Fruchtbarkeit berühmte Säugetier ist aus Bronze: Thomas Virnich, Gladbacher Bildhauer von internationaler Geltung, hat ihn nicht einfach zum Liebhaben gemacht, sondern ihm eine menschliche Haltung verpasst. Die Vorderpfoten sind zu Stummelhänden vergrößert, die Hinterläufe schreiten unverdrossen in die Zukunft. Und auf großem Fuße steht dieser Mümmelmann, dessen Augenfarbe frappierend der seines Schöpfers ähnelt.

Virnich nimmt das Wort „Fortschritt“ in den Mund, wie er da mit dieser 40 Zentimeter und geschätzt drei Kilo schweren Skulptur im Hof seines Bettrather Anwesens steht. Vor wenigen Wochen sind zehn Exemplare dieser Arbeit aus der Gießerei gekommen, individuell farbig gefasst aus der Hand des Künstlers. Virnich hat sie verschenkt. An die Obdachlosen-Hilfe „fiftyfifty“ in Düsseldorf mit ihrem Geschäftsführer Hubert Ostendorf. Der hat sie zum Stückpreis von 3400 Euro auf dem Internet-Portal seiner Galerie angeboten. Innerhalb weniger Stunden waren alle Hasen weg. Und der Erlös fließt komplett in das Obdachlosen-Wohnprojekt des SKM, dem Katholischen Verein für soziale Dienste in Rheydt.

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Zum zweiten Mal nach dem „Turm zu Babel“ im vorigen Jahr, sponsert Virnich die Idee des SKM, Wohnungen anzukaufen, in denen Langzeitobdachlose wieder das Wohnen lernen sollen. „Housing First“ ist nach Worten des SKM-Geschäftsführers Norbert Schoeller ein Erfolgsprojekt. Die Rheydter Institution, die sich auch in der Jugendhilfe, in der Quartiersarbeit und der Flüchtlingsarbeit engagiert, hat in der Obdachlosenarbeit mit dem Café Emmaus und dem Angebot für wohnungslose Frauen eine Kernkompetenz. Die Wohnung, die mit dem Hasen-Erlös erworben werden soll, wird aber wohl die letzte sein, sagt Schoeller. Mehr sei für die teils ehrenamtlichen Mitarbeiter nicht zu stemmen. Und die finanziellen Möglichkeiten des SKM seien ausgereizt, da der Verkaufserlös nicht den gesamten Kaufpreis abdeckt.

Der „Hase“, dem in der Kunstgeschichte von Dürer bis Beuys etliche Exemplare verwandt sind, war eigentlich ein Osterhase, der von Virnich im vergangenen Jahr im ersten Corona-Lockdown aus weißlichem Pappmaché gefertigt wurde, um ihn als Foto-Grußkarte zum Auferstehungsfest an Freunde und Verwandte zu verschicken. Diese etwa 70 Zentimeter hohe Papp-Figur entdeckte Ostendorf bei einem Besuch im Atelier und überzeugte den Künstler, daraus ein Multiple zu machen. Das 70 Zentimeter große Original musste dazu gescannt und auf 40 Zentimeter Höhe verkleinert ausgedruckt und gegossen werden. Den Farbauftrag besorgte der Künstler selbst, bevor die Arbeit im Brennofen wetterfest wurde. Gleichwohl soll die Zusammenarbeit mit Virnich weitergehen. Denn der von SKM-Mitarbeiterin Astrid Thiess geknüpfte Kontakt ist Virnich eine Herzensangelegenheit. Er fühle sich selbst in einer Weise obdachlos, nirgends zu Hause. Und eine Beziehung zu Armut habe er ebenfalls, sagt er. Deshalb hat er auch einer auf fünf Exemplare limitierten Nachauflage des „Hasen“ zugestimmt, der diesmal mit 70 Zentimetern Originalgröße haben und 4900 Euro kosten soll. Ab sofort und nur telefonisch zu bestellen bei Hubert Ostendorf, 0176 21432308. Armin Kaumanns