Mönchengladbach: Vogtgeding in Geestenbeck

Mönchengladbach : Vom kläglichen Scheitern der Müllehe

Der Kirmesplatz in Geistenbeck ist zum mittelalterlichen Gerichtsort geworden. Mit Hellebarden bewaffnete Knappen flankieren die Bühne, auf der das 13. Vogtgeding stattfindet. Der vorsitzende Vogt ist ausnahmsweise eine Vogtess, Ulrike Althoff, Vertretung des noch verreisten Vogts Egon Krieger.

Da auch der Büttel eine Bütteline, dargestellt von Ellen Elsner, ist, wird der feminine Charakter der Gerichtsverhandlung immer wieder thematisiert: Ein Blümchen für die gute Atmosphäre wird auf die Bühne gebracht. Bütteline und Vogtess loben einander wegen ihrer Haare, Schuhe und dergleichen.

Der Vogtess zur Seite stehen Schöffe Johannes Christ und Großinquisitor Rainer Althoff. Michael Schmitz ist die Seele des Ganzen, er schreibt das Drehbuch und gibt den Schwatten Michel, der so allerlei Dreck am Stecken hat. Der steht im Mittelpunkt der ersten Verhandlung: Waldemar Bauer-sucht-Frau klagt den Schwatten Michel an, er sei ein „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“, habe betrogen und gelogen. Waldemar hat zur Unterstützung Finanzbehördenvertreter Habegier von der Vermögensschwendung mitgebracht, der seinerseits nicht ganz koscher ist.

Die Vogtess fällt schnell ein salomonisches Urteil: Michel muss zahlen und Habegier ebenso. Und schon kommt das nächste Problem auf den Tisch: Schwester Innocentia und Bruder Thomas der Reine (Sonja und Thomas Reichart) klagen über eine gescheiterte Ehe. Nach vielen Missverständnissen ist klar: es geht um eine Müllehe, die gemeinsame Nutzung von Müllrolltonnen, um verschwundene und auf dem Schwarzmarkt (Bezirksvorsteherin Barbara Gersmann gibt die Schwarzhändlerin) angebotene gelbe Müllsäcke. Auf witzige Weise werden die realen Probleme mit den Neuerungen in der Müllabfuhr in die Gerichtsverhandlung gepackt. Das Urteil der Vogtess: Die Müllehe wird geschieden, das Sorgerecht für die Rolltonne erhalten Thomas und Innocentia.

Zum 13. Mal fand das Gerichtsspektakulum im Rahmen des Zunftbaumsetzen der St. Josef-Schützenbruderschaft statt. Veranstaltet wird das Spektakel in Zusammenarbeit zweier Geistenbecker Vereine, dem Bürgerverein und der Schützenbruderschaft. Damit halten die Geistenbecker die Geschichte wach – mit einer gehörigen Portion Humor. Denn jedes Jahr werden aktuelle Fragen in die Sprache des Mittelalters verpackt und auf witzige Weise verhandelt

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