Mönchengladbach: Tagestreff bekommt neue Spinde für Wohnungslose

Spende der Schaffrath Stiftung : Tagestreff bekommt neue Spinde für Wohnungslose

Wohin mit Dingen, die mir persönlich wichtig sind? Das ist für viele Wohnungslose eine schwierige Frage. Neue Spinde im Bruno-Lelieveld-Haus helfen ihnen, die Sachen sicher unter zu bringen. Das ist aber nicht alles, was die Besucher brauchen.

Im Tagestreff im Bruno-Lelieveld-Haus gibt es bald 20 neue Spinde, in die wohnungslose Besucher Gegenstände einschließen können, die ihnen besonders am Herzen liegen. „Vor allem Kleidung, aber auch Fotos werden von den wohnungslosen Menschen gern sicher aufbewahrt. Draußen besteht immer die Gefahr, beklaut zu werden“, sagt der Leiter des Tagestreffs Holger Knübben. Für die rund 80 bis 100 Besucher pro Tag würden diese dann nach Bedarf verteilt. Die neuen Spinde werden von der Schaffrath Stiftung für Soziales gespendet: „Wir wollen immer da helfen, wo Menschen in Not sind. Die Hilfe soll auch unmittelbar sein – wir gucken uns also vorher die Projekte vor Ort genau an“, so die Begründung.

Die Besucher des Treffs brauchen aber nicht nur Spinde für ihre Sachen, sondern auch immer Nahrung und Kleidung. Es werde überwiegend Frauenbekleidung gespendet: „85 Prozent der Besucher sind aber Männer, von daher benötigen wir dringend mehr Männerkleidung. Vor allem Unterwäsche und Socken werden immer gebraucht“, sagt Martin Dalz, Geschäftsführer des Vereins Wohlfahrt, von dem das Haus betrieben wird. Grundsätzlich freue man sich über jedes Kleidungsstück für Männer, das alltagstauglich sei.

Zur Arbeit in dem Tagestreff gehöre aber natürlich noch viel mehr, als nur materielle Hilfe anzubieten. Die Menschen, die jeden Tag kommen, hätten häufig Schlimmes durchgemacht und große Probleme, so Knübben. Es gehöre auch dazu, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, und den Menschen zuzuhören: „Es gibt zum Beispiel einen Besucher, der aus Sri Lanka kommt und dort eine sogenannte ,Säuberung’ miterleben musste. Seine gesamte Familie ist dabei umgekommen – er ist der Einzige, der überlebt hat, und jetzt hier in Deutschland ist. Manchmal redet er mit sich selbst, weil er sich mit seinen toten Verwandten unterhält.“

Solche und ähnliche Schicksale seien der Grund, warum Knübben davor warnt, Wohnungslose auszulachen oder zu verurteilen: „Wenn man hört, was einige hier durchgemacht haben, dann muss man sich immer fragen, ob man selbst nicht in der gleichen Lage wäre oder sogar in einer schlimmeren, wenn man das erlebt hätte.“,

Wenn Wohnungslose Hilfe suchen, sei das oft damit verbunden, sich rechtferitgen zu müssen, sagt Dalz. Im Bruno-Lelieveld-Haus sei das anders: Jeder sei willkommen, es würden keine Fragen gestellt und niemand müsse sich erklären. „Es soll einfach ein Zufluchtsort und ein Schutzraum für jeden sein, der es braucht“, sagt Knübben. Es gebe nur zwei Regeln: keine verbale oder körperliche Gewalt und kein Drogenkonsum auf dem Gelände. Der Tagestreff Bruno-Lelieveld-Haus ist an der Erzbergerstraße 8 und montags bis freitags von 7.30 bis 15.30 Uhr, Sonn- und feiertags von 9 bis 14 Uhr geöffnet.

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