Mönchengladbach: Schüler werden Archäologen

Stadtgespräch Mönchengladbach : Schüler werden Archäologen

Die Siebtklässler des Hugo-Junkers-Gymnasiums lernen hautnah kennen, was Archäologie bedeutet. Dafür sorgt Lehrer Reinhard Bitter, Sohn des Heimatforschers Hans-Jürgen Bitter.

Welche Funktionen hat ein Faustkeil? Warum gaben die Ägypter ihren verstorbenen Angehörigen kleine Figuren, sogenannte Uschebtis, mit auf die Reise ins Jenseits? Diese und andere Fragen stellen sich die Siebtklässler des Hugo-Junkers-Gymnasiums nicht nur während des klassischen Geschichtsunterrichts, sondern auch im Fach „Kult“. Diese Unterrichtsstunden, die es am Hugo-Junkers-Gymnasium gibt, umfassen alles, was mit kultureller Bildung zu tun hat.

Im Laufe der Jahre erproben sich die Schüler zum Beispiel als Schauspieler, Regisseure und Bühnenbildner. Und da ‚Kultur‘ nicht nur das Theater umfasst, hat die Schule mit Radio Exlex einen Partner, der junge Menschen die immer wichtigere Medienkompetenz vermittelt. Seit diesem Schuljahr gibt es im Rahmen von „Kult“ eine Kooperation mit Mönchengladbacher Sammlern, die für den Unterricht museale Fundstücke zur Verfügung stellen, die normalerweise nur in Glasvitrinen zu sehen sind, am Hugo-Junkers-Gymnasium aber in die Hand genommen werden können. Die Aura der Originale führt zu enormer Motivation und prägt das Geschichtsbewusstsein der jungen Forscher.

Der Geschichtslehrer der Nachwuchsarchäologen, Reinhard Bitter, ist der Sohn des verstorbenen Heimatforschers und legendären Lehrers am Gymnasium Odenkirchen Hans-Jürgen Bitter. Dieser hatte seit den 1960er Jahren bis zu seinem Tode im Jahr 2004 eine gewaltige Sammlung Tausender selbst gefundener steinzeitlicher Artefakte zusammengetragen und diese mit in den Unterricht gebracht. Er motivierte den berühmten Archäologen Jürgen Thissen, einen der beiden Wiederentdecker des Neanderthaler-Fundplatzes, Archäologie zu studieren – der wiederum seinem ehemaligen Geschichtslehrer das Buch zur Fundgeschichte mit der Widmung überreichte, dass ohne die im Unterricht gezeigten Fundstücke der Ausgrabungsort wohl nie wiederentdeckt worden wäre. Geprägt durch sein Elternhaus und seine Kontakte zu passionierten Antiquitäten-Sammlern führt Bitter, der Jüngere, die Tradition seines Vaters fort und aktiviert bei den Kooperationspartnern des Hugo-Junkers-Gymnasiums je nach Bedarf römische Würfel, mittelalterliche Angelhaken oder Keramik vom 1. bis zum 19. Jahrhundert als Begleiter für einen Geschichtsunterricht der besonderen Art.

(RP)