Ämterübergabe Rotarier-Club hat erstmals Präsidentin

Mönchengladbach · Manchmal liegt das Besondere im scheinbar Selbstverständlichen: Im Rotary Club Gero, dem einzigen in Mönchengladbach, in dem Männer und Frauen Mitglied sein können, steht nun mit Renate Harnacke erstmals eine Frau an der Spitze.

 Präsidentin Renate Harnacke (2.v.r.) mit ihrem Amtsvorgänger Klaus Bamberg (r.), dem Vizepräsidenten Peter Schlipköter und Neu-Mitglied Beate Gothe.

Präsidentin Renate Harnacke (2.v.r.) mit ihrem Amtsvorgänger Klaus Bamberg (r.), dem Vizepräsidenten Peter Schlipköter und Neu-Mitglied Beate Gothe.

Foto: Jörg Knappe

„Que sera sera, whatever will be, will be“ schallt es durch den gediegenen Saal im ersten Stock des Restaurants Palace St. George. Stimmgewaltig und textsicher, die Gitarre als Begleitung in der Hand singt Karl-Uwe Bütof vorne auf dem Podest und sein Publikum singt mit. Wäre nicht weiter erwähnenswert. Doch der Sänger ist im wahren leben Ministerialdirigent im NRW-Wirtschaftsministerium, unter den Schunkelnden sind etliche prominente Köpfe der Stadt und der Anlass ist eine kleine Sensation: Erstmals hat bei den Mönchengladbacher Rotariern eine Frau das Spitzenamt übernommen.

Etwa zwei Stunden zuvor hatte Klaus Bamberg, Gründungsmitglied des Rotary Clubs (RC) Mönchengladbach Gero, seine goldene Präsidentenkette an Renate Harnacke übergeben. „Ich bin der erste und einzige Rotarier in Mönchengladbach, der zum ersten Mal einer Rotarierin diese Kette übergibt“, sagt er. Diesen Titel kann ihm niemand mehr nehmen. Die Ärztin trägt die Kette nur kurz, „ich mag keinen auffälligen Schmuck“, die Clubfreunde spenden minutenlang stehend Applaus.

Denn wegen Frauen ist dieser Club, der dritte der Rotarier in Mönchengladbach, vor einigen Jahren überhaupt entstanden. Vorausgegangenen war ein Konflikt in einem der anderen beiden – rein männlichen – Clubs. Es ging um die Frage, ob Frauen aufgenommen werden sollen. Zu einer Einigung kam es nicht, als Abspaltung entstand RC Mönchengladbach Gero, der erste gemischte Club. Ähnliche Prozesse hat es in anderen Städten übrigens auch gegeben. Viele Serviceclubs sind bis heute nur für Männer oder nur für Frauen geöffnet. Die Basis der Serviceclubs sind die lokale und meist auch die internationale Vernetzung sowie das soziale Engagement. Aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden werden gemeinnützige Zwecke und Projekte unterstützt. Regelmäßige Treffen gehören ebenso zum Konzept wie der turnusmäßige Wechsel der Ämter.

Bei den Rotariern von Gero ist es jetzt für ein Jahr eine Präsidentin. Harnacke erzählt in ihrer Antrittsrede über ihren Weg zu den Rotariern – über USA-Stipendien, von denen sie als junge Frau gehört hatte, dass ihr Mann schon lange Mitglied ist, dass sie selbst unter der Präsidentschaft des Mönchengladbacher Architekten Burkhard Schrammen aufgenommen wurde.

Der sitzt auch im Publikum, so wie Bundestags-Politiker, hochrangige Mediziner, Unternehmer, Sparkassen-Vorstände, Geschäftsführer und geschäftsführende Gesellschafter. Manche nehmen Abschied – wie André Haack, der kürzlich Beigeordneter in Duisburg geworden ist. Manche werden neu aufgenommen – wie Beate Gothe, Unternehmerin und Vorsitzende des Kinderschutzbundes. Sie spricht von einem „Aufbruch in eine Moderne, der das Clubleben verändern“ könne. In Mönchengladbach könne nicht genug darüber nachgedacht werden.

„In den Niederlanden wird das nicht mehr erwähnt, weil Frauen bei uns selbstverständlich sind“, sagt ein Mitglied des Partnerclubs aus Zaandam-Oost. Gäste aus den anderen Mönchengladbacher Clubs sind ebenso anwesend, nehmen das Hauptthema des Abends mit Selbstironie, ganz so eng sieht es kaum mehr jemand. „Wir Rotarier der altbackenen Rotarier“, nennt sich einer von ihnen im Grußwort. Das Lachen ist ihm sicher.

Und im Finale schmettert der Sänger Bütof: „Bona seira, Präsidentin!“

(dr)
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