Mönchengladbach: Kinderarzt geht mit Paukenschlag in Rente

Feier mit vielen Patienten : Kinderarzt geht mit Paukenschlag in die Rente

600 kleine und große Patienten verabschiedeten sich von ihrem Lieblings-Doc in der Manege. Der hatte für diesen Tag den weißen Kittel gegen eine Zirkusdirektor-Uniform getauscht.

Da kneift er doch lieber ein bisschen die Augen zu. Vielleicht wird Jörg Hornivius in diesem Moment klar, wie sich seine kleinen Patienten beim Impfen in seiner Kinderarztpraxis all die Jahre gefühlt haben könnten. Und zack – der erste Stich sitzt, direkt links neben der Wade. Drei weitere folgen und – Applaus! War gar nicht so schlimm. Vier Messer stecken am Ende knapp neben seinen Beinen auf der Zielscheibe. „Bei dir haben sich die vier Jahre Ergotherapie ja auf jeden Fall gelohnt“, ruft Hornivius dem Messerwerfer und langjährigem Patienten zu.

Und auch im Publikum sieht der Kinderarzt nur bekannte Gesichter. Insgesamt 600 kleine und große Patientinnen und Patienten aus 31 Jahren Praxisgeschichte sind nach Meerbusch zum „Circus Altano“ gekommen, um ihren Mönchengladbacher Lieblings-Doc in den Ruhestand zu verabschieden. „Natürlich bin ich auch wehmütig, aber ich gehe lieber mit einem Paukenschlag, feiere noch einmal mit all meinen Kindern und sage ,War eine tolle Zeit’“, erklärt Hornivius, der für diesen besonderen Tag in der Manege seinen weißen Kittel gegen eine Zirkusdirektor-Uniform getauscht, und alle Kinder und Eltern zu diesem besonderen Abschied eingeladen hat.

Bei gebrannten Mandeln und Popcorn drückt er zuckertechnisch heute mal beide Augen zu und führt die Polonaise durchs Zelt an, lässt sich mit Messern und Popcorn bewerfen. „Genau wie in der Praxis – er ist einfach für jeden Quatsch zu haben“, erklärt Elena Corte (36), Patientin der ersten Stunde. „Ich weiß noch, ich war richtig traurig, als ich 18 Jahre wurde und nicht mehr zu ihm konnte. Aber in letzter Zeit hatten wir ja zum Glück einen neuen Grund“, erklärt sie und schaukelt die acht Monate alte Evelina auf dem Arm. Hier treffen heute die Patienten der ersten Stunde, auf die Patienten, die gerade erst frisch die erste Vorsorge-Untersuchung vom Doc bekommen haben.

„Er war eigentlich in allen Lebenslagen ein wichtiger Begleiter. Man konnte mit ihm immer über jedes Problem sprechen“, sagt Ahmet Söylemez (30), der inzwischen selber mit seinen zwei Kindern die Praxis besucht.

Am Ende gab es für den beliebten Kinderarzt Standing Ovations, die ein oder andere Träne, viele selbst gemalte Bilder – und ein mit 700 Euro gefülltes Sparschwein für Zornröschen (Verein gegen sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen in Mönchengladbach).

(RP)
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