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Mönchengladbach: Kegelbrüder lassen seit mehr als sechs Jahrzehnten das Glöckchen bimmeln

Verein feiert 65-jähriges Bestehen : Vom Acker auf die Kegelbahn

Seit 65 Jahren heißt es „Gut Holz“ beim Verein „Die fidelen Bauern“ – die Gemeinschaft ist damit einer der ältesten Kegelvereine in Mönchengladbach.

  Die Idee, einen Kegelverein zu gründen, wurde auf einer gemeinsamen Fahrt zu einer Landwirtschaftsmesse im Jahr 1954 nach Köln geboren. Seitdem treffen sich die Mitglieder des Vereins „Die fidelen Bauern“ alle 14 Tage an einem Mittwochabend, um die Kugeln rollen zu lassen. Ein leckeres Bier und ein schmackhaftes Essen sind hierbei obligatorisch. Gegründet wurde der Verein im Dezember 1954 von etwa zehn Gründungsmitgliedern, darunter Willi Tölkes, Jupp Nölle, Fritz Spieker, Hermann Kresken und Johann Kessels. Auch getuppt, also Karten gespielt, wurde im Anschluss an die Kegelpartie damals gerne – manchmal bis morgens um vier. Losgekegelt wurde im Januar des Jahres 1955. Auch heute kommen Kegelbrüder sowohl aus Mönchengladbach als auch aus dem Kreis Neuss in regelmäßigen Abständen zusammen. Das Vorhaben, eine stabile Gemeinschaft zu gründen, war in den Gründungsjahren geglückt und hat bis heute Bestand.

Peter-Josef Brüggen erinnert sich noch gut an die 1960er Jahre, als Kegeljunge stellte er die Kegel auf und rollte die Kugeln zurück. „Damals freute ich mich vor allem über ein paar Mark, die ich mir an dem Abend verdienen konnte“, sagt er schmunzelnd. Anfang der 1970er Jahre wurden die Kegelbahnen auf elektronische Bahnen umgestellt. In dieser Zeit war Brüggen seiner Tätigkeit als Kegeljunge längst entwachsen und stand zu diesem Zeitpunkt als Vereinsmitglied am anderen Ende der Bahn. Seit den Anfangsjahren hat sich viel verändert: Einige Gründungsmitglieder sind verstorben, neue Vereinsmitglieder sind dazu gestoßen. Eine Konstante im Vereinsleben: Oft wird die Tradition vom Vater zum Sohn weitergegeben. Im Laufe der Jahre mussten sich „die fidelen Bauern“ immer wieder nach einer geeigneten Lokalität umsehen. Zu Beginn der Vereinskarriere im Jahr 1955 wurde in der damaligen Ratsstube (das heutige Restaurant Neuzeit) in Neuwerk gekegelt. In den darauffolgenden Jahren wechselten die Bahnen immer mal wieder, da viele Kegelbahnbetreiber aufhörten.

Dem Wunsch, die Treffen weiter in Neuwerk abzuhalten, konnte dabei nicht immer entsprochen werden. So wichen die Kegelbrüder auch in eine Gaststätte in Lürrip aus. Seit etwa zehn Jahren sind „die fidelen Bauern“ auf einer Bahn in Neersen zu Gast, auf der ein fester Kern von zehn Mitgliedern regelmäßig kegelt.

Abseits der Kegelbahn treffen sich die Landwirte auch zu anderen Aktivitäten. Gemeinsame Kegeltouren, die zu Beginn aus Tagesausflügen bestanden, wurden schon in den Anfangsjahren des Vereins in den Jahreskalender aufgenommen. Immer im September geht es auf Tour, wenn die Ernte eingeholt ist, jedoch vor der neuen Saat. Das Dorf Münsterland, Norderney, die Mosel oder Kassel waren nur einige der Reiseziele. Traditionell nehmen die Kegler nur Männer auf. Trotzdem spielen die Frauen der Vereinsmitglieder eine wichtige Rolle. Als Dank gibt es einmal im Jahr ein Nikolauskegeln mit einer zweiten Bahn. An diesem Abend wird der so genannte Baas (Präses) ausgekegelt. Der neue Inhaber dieses Postens stiftet entsprechend einer langen Tradition in seinem Hause einen Weckmann, der mit Butter und Rübenkraut gegessen wird. Insgesamt 16 Kegelbücher erzählen bis heute die Geschichte einer Freundschaft über die Gladbacher und Neusser Stadtgrenzen hinaus. „Die fidelen Bauern“ hoffen, diese Tradition noch lange aufrechthalten zu können.

(nix)