Mönchengladbach: Innenleben aus Nistkasten wird live ins Internet übertragen

Piep, Piep : Live-Show im Meisenkasten

Die Hochschule Niederrhein hat drei Nistkästen anbringen lassen, deren Innenleben live ins Internet übertragen wird.

Passend zum Frühlingsanfang, wenn die meisten heimischen Vogelarten mit dem Nestbau beginnen, gehen an der Hochschule Niederrhein drei digitale Nistkästen in Betrieb. Einer davon steht auf dem Campus Mönchengladbach, zwei weitere in Privatgärten. Jede Minute wird von dort ein aktuelles Bild aus den Kästen ins Internet gestellt. Zu sehen ist darauf, dass bereits mehrere Meisen die Kästen okkupiert haben und Nistmaterial hineintragen. Es dauert noch ein paar Wochen, dann kann man den Meisen live beim Brüten zusehen.

Verantwortlich für das Projekt ist Claus Brell, Professor für Wirtschaftsinformatik am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Niederrhein – und großer Naturliebhaber. Er setzte seine Idee im Rahmen des von der Heinz-Sielmann-Stiftung finanzierten Projektes „naturWatch.HN“ mit Studierenden in mehreren Semesterprojekten um. „Toll ist, dass die Studierenden auf die Verbindung von Digitalisierung und Naturschutz anspringen“, sagt Brell.

„Auch in unseren jüngsten Kooperationen mit Schulen wollen wir an solchen Projekten im fächerverbindenden Unterricht zusammenarbeiten. Davon profitieren die Schüler und unsere Studierenden.“ Ab April werden wieder Studierendengruppen an den Projekten arbeiten, bald soll mittels künstlicher Intelligenz und neuronalen Netzen eine automatische Erkennung zum Beispiel der Eiablage erfolgen. Bei der Netzanbindung wird IT-Sicherheit groß geschrieben: Die verwendete preiswerte Technik setzt auf das „Konzept des hohlen Baumstamms“, bei dem zu keiner Zeit ein Zugriff in das Netz des Nistkastenbetreibers notwendig ist.

Claus Brell mit dem vernetzten Nistkasten. Die zwei Einfluglöcher sollen verhindern, dass starke Küken etwas schwächere dauerhaft wegdrängen können. Foto: Hochschule Niederrhein
Eine Kohlmeise im digitalen Nistkasten von Professor Brell. Foto: Brell, Hochschule Niederrhein/Brell

Das Konzept wird vom Forschungsinstitut GEMIT der Hochschule Niederrhein in Internet-of-Things-Vorhaben eingesetzt und soll zukünftig auch Sensoren in der Landwirtschaft beflügeln. Die für die Digitalisierung vorbereiteten Kästen kann man nach Anleitung selberbauen oder bei der Justizvollzugsanstalt Willich günstig anfertigen lassen. Die Justizvollzugsanstalt hatte bei der Entwicklung der Kästen mitgewirkt. Den Meisen live beim Brüten zuschauen kann man hier: https://cbrell.de/naturwatchcam.

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