Initiative Orange in Mönchengladbach „Erst Wissen macht Widerstand möglich“

Mönchengladbach · Eine Veranstaltung der Initiative Orange konfrontierte mit Gedanken über Geschlechterzuschreibungen, patriarchaler Kontrolle und Legenden um das Jungfernhäutchen.

Stella Kolodzey (l.) und Jacky Ballon bei ihrer Performance „Blank ziehen“.   Foto: Markus Rick

Stella Kolodzey (l.) und Jacky Ballon bei ihrer Performance „Blank ziehen“. Foto: Markus Rick

Foto: Rick, Markus (rick)/Markus Rick (rick)

„Ich bin, wie ich bin, mit allen Dingen. Meiner Seele kann ich Zeit geben, in mir zu leben, in mir zu sein. Ich bin, wie ich bin,“ so sangen die Frauen des Heart Core Mönchengladbachs eindringlich am Mittwochabend im Köntges und stimmten die Besucherinnen und Besucher auf die Thematik rund um den Weltfrauentag ein.

Die Initiative Orange hatte zu der Veranstaltung „Wissen, Wut und Widerstand – Wir im und gegen das Patriarchat“ eingeladen.  Das Lied des Frauenchores brachte die Idee des Abends auf den Punkt: In Workshops, Lesungen, Gesprächen, Schauspiel und der Vorführung des Films „Hidden Figures“ ging es um das Bewusstmachen der Stellung und Identität von Frauen in einer vom Patriarchat geprägten Gesellschaft. „Wir möchten für feministische Themen sensibilisieren und mobilisieren“, erklärte Laura Jansen zur Eröffnung des Abends. „Das Patriarchat ist ein essenzieller Systemfehler“, stellte Sylwia Zdrzalek fest.

„Wissen macht Widerstand möglich“, so Zdrzalek. Laura Jansen und Sylwia Zdrzalek gehören zur Initiative Orange, die sich vor etwas mehr als einem Jahr aus einer Gruppe von Studierenden der Fachrichtung Sozialwesen der Hochschule Niederrhein um die Professorin Sandra Glammeier formierte. Wissen macht Widerstand möglich, aber zuvor führe Wissen zu Wut. Die wiederum liefere die nötige Energie zum Widerstand.

Zurück zum Wissen: Ein Workshop, geleitet von der Sexualpädagogin Sylwia Zdrzalek, trug den Titel „Dolchstoßlegende“. Zdrzalek informierte über das Jungfernhäutchen, das schon von der Wortbedeutung her eine männliche Kontrolle über die Frau ausdrücke. Darum ranken sich manche Legenden. Sie werden wirtschaftlich ausgeschlachtet, wenn noch heute Firmen eine Kapseln verkaufen, die beim Geschlechtsverkehr zur (künstlichen) Blutung führt.

In einer kurzen, intensiven Performance, die Stella Kolodzey und Jacky Ballon unter dem Motto „Blank ziehen“ vorführten, wurden die Zuschauer eindringlich mit weiblichen Zuschreibungen konfrontiert. Die Kulturpädagoginnen Kolodzey und Ballon entwickelten die Performance aus den Ergebnissen eines Fragebogens, in dem es um Fragen von Geschlechtsidentität ging: Wie wird man weiblich oder männlich? Welche Genderkonflikte haben die Befragten erlebt? Die Performance begann mit „Es ist ein Mädchen“: Unter dem Aufforderungshagel wie „Klimper‘ mit den Wimpern!“, „Schließ die Beine!“, „Sprich mit hoher Stimme!“ verwandelten sich die Frauen zu willenlosen Marionetten. Die Performance endete mit dem Wunsch: „Lass doch alle so sein, wie sie wollen. Regeln sind zum Brechen da.“ b-r

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