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Mönchengladbach: Geflüchtete aus der Ukraine sagen Danke​

Treff im Chapeau Kultur in Mönchengladbach : Geflüchtete aus der Ukraine sagen Danke

Beim „Come Together“ im Chapeau Kultur gab es nicht nur Köstlichkeiten aus der Ukraine, Lach-Yoga stand ebenso auf dem Programm. Auch Ulrich Elsen von der SPD musste mitmachen.

Im Chapeau Kultur duftete es verführerisch nach kleinen Snacks, die vielen von den deutschen Essern unbekannt waren. Der Tisch bog sich unter dem Fingerfood, den Trauben, Pfirsichen, den Tomaten, Salaten und Aufstrichen. Immer weitere verlockende Speisen trugen die ukrainischen Frauen heran. Sie hatten zum „Come together“ (“Zusammenkommen“) ins Chapeau Kultur eingeladen und wollten auf diese Weise ihre Dankbarkeit für die Hilfe und Unterstützung der Mönchengladbacher in den letzten Monaten ausdrücken.

„Ich bin Bürger dieser Stadt und freue mich, dass Sie in dieser Stadt in Frieden leben können. Sie sind nicht freiwillig hergekommen, aber Sie sind willkommen. Und solange Sie hier sind, sollen Sie sich wohlfühlen“, begrüßte Bezirksbürgermeister Ulrich Elsen herzlich die ukrainischen Familien.

Im April hatte der TKV MG e.V., der Teamverbund für Kulturelle Vielfalt, auf die Frauen und Kinder reagiert, die in Folge des Krieges aus der Ukraine nach Mönchengladbach geflüchtet waren. „Sonnenblume“ wird der Treff in Rheydt genannt, den die Initiative Ukraine-Hilfe Mönchengladbach unter dem Dach des TKV in Kooperation mit dem Fachbereich Soziales und Wohnen auf die Beine gestellt hat. Die Stiftung „Dein zuhause hilft“, eine Initiative der LEG-Immobiliengruppe Düsseldorf, finanziert das Projekt mit.

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Zweimal wöchentlich, dienstags und donnerstags, kommen die mehr als 30 Frauen mit ihren Kindern nach Rheydt, um einander zu begegnen. „Drei Monate haben wir nun zusammengearbeitet“, erzählte die ukrainische Sozialarbeiterin Olga Pivovarova und fügte hinzu: „Als Ukrainerin lag mir das Projekt sehr am Herzen. Wir waren wie eine Familie. Die Frauen sagten zu mir: ‚Du hast uns einen Teil der Heimat geschenkt‘.“ Olga Pivovarova lebt schon seit 15 Jahren in Mönchengladbach. Durch Zufall geriet sie an das Projekt, das schnell zu ihrer Herzensangelegenheit wurde.

Ziel des Treffs ist nicht nur, einander zu begegnen, Kriegs- und Fluchterlebnisse auszutauschen und zu verarbeiten. Hier entstand ein Spendendrehkreuz, an dem die Mönchengladbacher Sachspenden abgaben. Und das Erlernen der deutschen Sprache wurde ebenso ermöglicht. „Es war aber mehr als nur ein Sprachkurs“, erklärt Olga Pivovarova, „der Treff ist auch Beratungsstelle, Heimat, Integration pur.“

Die in Mönchengladbach lebende Clownin Antoschka hat eine Methode entwickelt, mit der spielerisch die Grundlagen der deutschen Sprache gelehrt werden. Sie nennt sie „Clownetic“ und ist eine Mischung aus kinetischen Übungen, Gesang und Improvisationstheater. 

Am Dienstagabend zeigte Antoschka dem Publikum, wie das funktioniert. Und plötzlich hörte man nur noch schallendes Gelächter: Lachyoga war angesagt. Entspannt und baut Stress ab. Sonst kann man nicht lernen. Alle schüttelten sich die Hände, klopften einander auf die Schultern und lachten sich herzhaft und laut an. Elsen musste mit ran. Auch bei der nächsten Übung. Auf und nieder musste der Körper gebeugt werden, die Arme hinauf und hinunter geführt werden – nicht ohne das Lachen aufzugeben.

Weiter ging es mit Zaubern. Antoschka nahm den jungen Michael an die Hand und führte diese hinter das Ohr des Bürgermeisters: Was Michael herbeizauberte, war ein kleiner Ball. Was den Jungen ebenso zu erstaunen schien wie Elsen. Die kleine Ewa sprach perfektes Zauberdeutsch. Mit „Abrakadabra“ gab sie den Startschuss zur Tücherjonglage. Kleiner Test für die Zuhörer ebenso wie für die ukrainischen Frauen: Antoschka warf jemandem einen Ball zu und die ukrainischen Frauen sollten eine deutsche, die anderen eine ukrainische Stadt benennen. Auch dass es sich mit Musik leichter lernt, bewiesen die Frauen: Sie trugen deutsche Lieder vor und schlossen mit einem melancholischen ukrainischen Volkslied ab. Ein gelungenes Dankeschön der ukrainischen Frauen – nur schade, dass so wenige Mönchengladbacher der Einladung gefolgt waren. b-r