Schaffrath-Stiftung Mönchengladbach Coolness-Training für Schüler

Mönchengladbach · Um körperliche und verbale Gewalt zu vermeiden, arbeiten die Lehrer des Berufskollegs Rheydt-Mülfort systematisch mit Tätern, Opfern und Zuschauern ihre Rollen auf. Dass es auch anders geht, lernen die Schüler in einem Training. Möglich machte dies die Schaffrath-Stiftung.

 Freuen sich über das neue Projekt (v.l.): Sven May, Leiter des Berufskollegs Rheydt-Mülfort, Lehrerin Denise Fischer und Frederic Schaffrath von der Schaffrath-Stiftung für Soziales.

Freuen sich über das neue Projekt (v.l.): Sven May, Leiter des Berufskollegs Rheydt-Mülfort, Lehrerin Denise Fischer und Frederic Schaffrath von der Schaffrath-Stiftung für Soziales.

Foto: Schaffrath Stiftung

Wenn Denise Fischer bei einer Schulhofprügelei dazwischen geht, hat sie einen entscheidenden Vorteil: Sie ist eine Frau. Damit ist sie keine Rarität in dem Kollegium des Berufskollegs, sehr wohl aber im Verhältnis zur Schülerschaft. „An unserer Schule gibt es fast ausschließlich männliche Schüler. Wenn ich auf die sich prügelnden Schüler zugehe, habe ich den Vorteil, dass alle einen kleinen Moment irritiert sind, weil sie gerade nicht mit einer Frau rechnen. Das macht es mir leichter, die Situation aufzulösen.“ Nun gibt es am Berufskolleg Rheydt-Mülfort für Technik (BKfT) nicht mehr oder weniger Prügeleien als auf anderen Schulhöfen in der Stadt. Und genau wie an vielen anderen Schulen sind es weniger die körperlichen Auseinandersetzungen, die auf der Tagesordnung stehen, sondern verbale Gewalt, Mobbing und Respektlosigkeit.

Am BKfT will man sich damit nicht abfinden. Denise Fischer, Leiterin der Ausbildungsvorbereitung, hatte bei einer „Inhouse“-Fortbildung den Wunsch der Kollegen vernommen, den pädagogischen Werkzeugkoffer für gewaltbehaftete Situationen zu erweitern. „Für Anti-Aggressivitäts- und Coolness-Trainings gibt es Experten und tolle Konzepte. Darum habe ich angeboten, eine Fortbildung zu diesem Thema zu machen und anschließend das Kollegium in die Methodik einzuführen“, sagt sie.

Schulleiter Sven May war dafür sofort aufgeschlossen – allein das nötige Geld hat die Schule nicht im Etat. An dieser Stelle sprang die Schaffrath-Stiftung für Soziales ein. „Die Idee hat uns sofort überzeugt, weil sie vielen jungen Menschen hilft und durch großes Engagement der Lehrkräfte getragen wird. Wir fördern dieses Projekt auch in der Hoffnung, dass andere Schulen dem Vorbild des Berufskollegs folgen“, sagt Kuratoriumsmitglied Frederic Schaffrath. Mit 2300 Euro unterstützt die Stiftung die Fortbildung.

Fischer entschied sich für eine Fortbildung des Deutschen Instituts für Konfrontative Pädagogik, die etwas mehr als ein Jahr dauert. Neben dem Anti-Aggressivitätstraining wird dabei auch das Coolness-Training vermittelt. Noch ist ihre Fortbildung in vollem Gange, aber schon jetzt hat sie eine Reihe handfester Erkenntnisse mitgebracht, die sie direkt nach den Sommerferien in der Ausbildungsvorbereitung des Berufskolleg umsetzen wird.

Alle Schülerinnen und Schüler der Ausbildungsvorbereitung werden zu Beginn zwei Tage Coolness-Training absolvieren, das anschließend unterrichtsbegleitend weitergeführt wird. „Wir sind dankbar, dass wir uns das nötige Knowhow mit Hilfe der Stiftung aneignen können“, sagt Schulleiter May. Frederic Schaffrath ließ sich im Gespräch vom Schulleiter und der Lehrerin ihre Arbeit erläutern. Sein Fazit: „Besonders beeindruckt mich das persönliche Engagement der Lehrer für die Schulungen. Das ist vorbildlich und davon profitieren die Schülerinnen und Schüler.“

(RP)