Margarete Werres feiert in Mönchengladbach ihren 100. Geburtstag

Mönchengladbach : Margarete Werres wird 100

Auch im hohen Alter fühlt sich die Seniorin noch fit. Nur die Beine wollen nicht mehr so recht.

Das warme Sonnenlicht scheint in den Empfangsbereich des Seniorenzentrums am Buchenhain, als Margarete Werres von ihrer Tochter im Rollstuhl hereingebracht wird. Die rüstige Frau lächelt, man merkt, ihr steht etwas ganz Besonderes bevor. Am morgigen Sonntag wird sie 100 Jahre alt – aber so richtig fühlen fühlt sie das Alter nicht. „Ich denke eher, ich bin so 70 oder 80. Nur meine Beine sind alt“, sagt sie lachend. Erst im Dezember des letztes Jahres ist sie auf eigenen Wunsch in das Seniorenzentrum gezogen. „Sie hat bis dahin noch alles selber gemacht in ihrem Haus. Aber mit fast 100 ist das natürlich wirklich anstrengend“, sagt Tochter Ellen Dinger.

Angestrengt hat sich Werres ihr Leben lang. Schon als Kind hat sie ihrem Vater dabei geholfen, frische Backwaren mit Pferd und Kutsche an die Kundschaft zu verteilen. „Ich durfte die Zügel halten, das war toll“, sagt sie. Drei Jahre lang, von 1934 bis 1937 , hat sie auf eigenen Wunsch Hauswirtschaft gelernt. „Das war mein Militär, wir wurden da sehr gefordert, aber ich habe viel gelernt“.

Ihre schwerste Zeit hatte sie während des Krieges. „An vieles erinnere ich mich nicht mehr, aber einige Dinge bleiben einem natürlich immer im Gedächtnis.“ So erzählt sie von ihrem Ehemann, der 1939 in russische Kriegsgefangenschaft kam. „Ich wusste neun Jahre lang nicht, ob er gefallen war oder noch lebte.“ 1948 dann die Erlösung: „Da kam er endlich nach Hause. Wir haben ein Haus gebaut, und er war Filialleiter der Sparkasse in Geistenbeck. Er hat in den Jahren nach seiner Rückkehr noch viel geschafft. 1965 ist er dann mit 54 Jahren verstorben.“

Mit 46 Jahren war Werres verwitwet. Einige Zeit nach dem Tod ihres Mannes lernte sie einen neuen Mann – auch Witwer – kennen. „Ich habe das Glück gehabt, noch einmal einen Mann und zwei weitere Töchter dazuzubekommen. Egal wie furchtbar das Leben manchmal sein kann, es kann auch genauso schön sein.“ Ihre Tochter sagt: „Meine Mutter hat sich nie beklagt. Sie nahm in ihrem Leben alles mit Fassung und hat das Beste daraus gemacht.“

Die Familie ist Margarete Werres immer wichtig gewesen, das hat sich bis heute nicht geändert. „Heute sind Frauen doch nur noch berufstätig und selten so häuslich wie damals. Mein einziges Bestreben war es, dass wir ein schönes und behütetes Zuhause für die Familie hatten.“

Über ihre Ehen sagt sie: „Eine Beziehung ist harte Arbeit, man muss sich an den anderen anpassen, Kompromisse eingehen. Man darf sich nicht wegen Kleinigkeiten trennen. Das ist eine Katastrophe für die Kinder. Die Familie ist das Wichtigste im Leben.“ Ihr Tipp für ein langes, gesundes Leben ist eine solide und fleißige Lebensweise. „Aber auch die Gene müssen mitspielen. In meiner Familie sind alle Frauen mindestens 90 Jahre alt geworden“, erklärt sie.

Ihren Ehrentag feiert Werres am Sonntag bei einem festlichen Essen mit 34 Freunden und Verwandten.

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