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Mönchengladbach: Stadt will von Jugendlichen lernen

Mönchengladbach : Stadt will von Jugendlichen lernen

600 Schüler befragt die Stadt zu ihrem Freizeitverhalten, um die eigenen Angebote besser auf deren Bedürfnisse abzustimmen. Die Schüler sind davon begeistert - und gewähren den Planern einen tiefen Einblick in ihren Alltag.

Von der Gladbacher Innenstadt ist vor lauter Zetteln und bunten Stecknadelköpfen nichts mehr zu sehen. "Chillen", "Freunde treffen" oder "Shoppen" steht auf den Papieren. Andere Orte bekommen weniger positive Kommentare. "Fühle mich unwohl" hat jemand auf einen Zettel geschrieben und an die Stelle der Karte gepinnt, wo der Römerbrunnen zu sehen ist. Bei Giesenkirchen hat ein anderer Schüler "nichts Interessantes" hingeschrieben.

Der Stadtplan mit den farbigen Nadeln ist Teil einer Befragung, die gestern an der Realschule An der Niers im Auftrag der Stadt durchgeführt wurde. In Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle für sozialraumorientierte Praxisforschung und Entwicklung (FSPE) erstellt der Fachbereich Kinder, Jugend und Familie der Stadt Mönchengladbach aktuell einen Freizeitstättenbedarfsplan. Er soll aufzeigen, wie Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit auch in Zukunft attraktiv für Jugendliche bleiben können. Rund 600 Schüler von elf Schulen werden dazu aktuell nach ihrem Freizeitverhalten und ihren Wünschen befragt.

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Die wiederum sind begeistert, dass man sie einbezieht. "Viele Mitschüler haben Negatives aufgeschrieben", sagt Duygu (15): "So werden die Sachen auch bekannt, und man kann sie ändern." Ihre Mitschülerin nickt zustimmend. Auch sie durfte mit bunten Nadeln auf dem Stadtplan von Mönchengladbach markieren, welche Orte sie gerne mag - und welche nicht. "Ich hatte mir vorher nie Gedanken darüber gemacht, was mir gefällt", sagt Dilara (14).

Dilara sei damit keine Ausnahme, sagt Christina Muscutt, die für die FSPE die Befragungen durchführt: "Es fällt Jugendlichen anfangs oft schwer, sich klarzumachen, was sie gerne machen und womit sie ihre Zeit verbringen." Doch dann würde ihnen nach ein wenig Nachdenken in der Regel doch eine Menge einfallen, was auch die Vielzahl an Nadeln auf den Tafeln verdeutlicht. "Wir wickeln sie gleich in Frischhaltefolie ein, damit keine Anmerkung verloren geht," sagt Christina Muscutt. Im Büro würden die Daten dann in den PC eingegeben und ausgewertet - genauso wie die Fragebögen, die eine andere Schülergruppe ausfüllen musste.

"Uns interessiert, wie das Freizeitverhalten der Jugendlichen ist", sagt Ulrich Baum vom Fachbereich Kinder, Jugend und Familien der Stadt. Auf einem Fragebogen sollten die Schüler daher eintragen, wie häufig sie ins Kino, Schwimmbad oder Theater gehen, ob sie regelmäßig Lesen, im Internet surfen oder Musik hören. Auch ehrenamtliches Engagement, Vereinssport und Ausflüge mit der Familie konnten die Schüler dabei angeben.

In einem zweiten Schritt sollten sie dann angeben, welche Freizeitangebote sie in der Stadt kennen und wie häufig sie diese besuchen. "Einige Ergebnisse werden denen von anderen Studien ähneln", ist sich Studienleiter Prof. Ulrich Deinet von der Fachhochschule Düsseldorf sicher: "McDonalds ist bei den Jugendlichen immer ganz weit vorne." Manchmal würden allerdings auch Treffpunkte von Jugendlichen auftauchen, ergänzt Christina Muscutt, "die man so gar nicht auf dem Schirm hatte".

Bis zu den Sommerferien sollen die Befragungen an den Schulen in Rheydt, Giesenkirchen und der Mönchengladbacher Innenstadt noch anhalten. Sobald die Ergebnisse vorliegen, sollen diese dem Jugendhilfeausschuss präsentiert werden. "Wir wissen dann genau, welche neuen Angebote wir schaffen müssen", sagt Ulrich Baum: "Durch die Befragungen an unterschiedlichen Schulformen haben wir auch ein relativ repräsentatives Spektrum abgedeckt."

Nächste Woche werden Schüler am Gymnasium Odenkirchen befragt. Sie können sich nicht nur auf die Befragung freuen. "Bei uns ist dafür auch Deutsch ausgefallen", sagt Dilara und lacht.

(RP)