Mönchengladbach: Stadt will Schlaglöcher nicht verkaufen

Mönchengladbach : Stadt will Schlaglöcher nicht verkaufen

Eine Gladbacherin wollte Geld spenden, damit Schlaglöcher asphaltiert werden können. Die Stadt lehnte ihr Angebot ab – obwohl sie Millionen für die Straßensanierung braucht. Andere Kommunen nutzen diese Bürgerhilfe.

Eine Gladbacherin wollte Geld spenden, damit Schlaglöcher asphaltiert werden können. Die Stadt lehnte ihr Angebot ab — obwohl sie Millionen für die Straßensanierung braucht. Andere Kommunen nutzen diese Bürgerhilfe.

Ursula Hansen (50) ist viel mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs. Und da passierte ihr das, über was auch viele Autofahrer derzeit klagen: Sie rumpelte durch ein tiefes Schlagloch. "Das war richtig gefährlich, weil es voller Wasser war und ich die Dimension des Kraters nicht gleich erkennen konnte", sagt sie.

Weil sie sich nicht nur mit Mönchengladbach identifiziert, sondern auch bereit ist, für ihre Heimatstadt Opfer zu bringen, kam ihr eine Idee: "Ich will einen Geldbetrag zahlen, damit dafür ein Schlagloch geschlossen werden kann." Mit diesem Ansinnen wandte sie sich nach eigenen Angaben telefonisch an die Stadtverwaltung — und blitzte sofort ab. "Der Mitarbeiter der Stadt war sehr unfreundlich und wollte davon nichts wissen. Von so einem Angebot habe er noch nie gehört, antwortete er", ärgert sich Ursula Hansen.

Keine neue Idee

Vermutlich war der städtische Angestellte dann nicht gut informiert, denn so neu ist die Idee der Bürgerin nicht. Im thüringischen Niederzimmern, gelegen zwischen Erfurt und Weimar, machte Bürgermeister Christoph Schmidt-Rose vor fast einem Jahr ein gutes Geschäft, weil er Schlaglöcher verkaufte. Weil der Winter die städtischen Straßen in Schlaglochpisten verwandelt und die Stadt für die Sanierung kein Geld hatte, fotografierte er die Straßenkrater und stellte die Bilder ins Internet.

Für 50 Euro pro Loch konnten Interessenten sie kaufen, bekamen für ihr Geld eine Plakette — und verhalfen Niederzimmern nicht nur bundesweit zu zahlreichen Schlagzeilen, sondern auch zu reparierten Straßen. Fast 300 Schlaglöcher konnten die Thüringer mit dem Bürgergeld schließen. Hunderte Interessenten klickten die Internetseite an, und sogar aus dem Ausland trudelten Kaufangebote ein.

Lässt sich die Stadt Mönchengladbach so eine gute Chance entgehen, die Bürger aktiv in die Straßensanierung einzubinden? Mit einem "Ja" antwortet darauf der FDP-Fraktionsvorsitzende Dr. Anno Jansen-Winkeln. Er sieht die Probleme in der Unbeweglichkeit der Stadtverwaltung: "Ich kenne einen ähnlichen Fall, bei dem sich jemand um eine Spielplatz-Patenschaft bemüht hat. Von der Stadt kommen aber nur Bedenken. Die Idee von Frau Hansen ist toll — man sollte sie hier umsetzen."

Geld braucht die Stadt, will sie die schlimmsten Schlaglochpisten beseitigen. Schon jetzt steht fest, dass der für dieses Jahr vorgesehene Betrag vermutlich hinten und vorne nicht reicht. Und die Schlagloch-Liste aus dem Vorjahr ist längst noch nicht abgearbeitet: Sie umfasste Mitte 2010 fast 3000 Frostschäden mit einem Sanierungsvolumen von rund 7,7 Millionen Euro. Auch wenn die Stadt 3,5 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket und rund drei Millionen Euro aus eigenen Mitteln in die Straßenunterhaltung steckt, bleibt eine Lücke — wobei neue Frostschäden aus diesem Winter noch gar nicht berücksichtigt sind. Das bedeutet: Die Stadt könnte die Spende von Ursula Hansen gut gebrauchen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Schlaglöcher: Mönchengladbachs Buckelpisten

(RP)