Mönchengladbach: Stadt will das Vitus-Center kaufen

Mönchengladbach : Stadt will das Vitus-Center kaufen

Oberbürgermeister Reiners sucht nach neuen Räumen für die Stadtverwaltung. Dabei soll das Vitus-Center, für das ein neuer Eigentümer gesucht wird, in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt sein. Die Stadt ist aber nicht der einzige Bieter.

Offiziell wird gemauert. Und selbst hinter vorgehaltener Hand gibt sich keiner wirklich aussagefreudig. Kein Wunder: Das Bieterverfahren für das Vitus-Center läuft noch, und wer die Karten offen auf den Tisch legt, verbessert seine Verhandlungsposition kaum. Dennoch ist klar: Die Stadt versucht - über ihre Tochter Entwicklungsgesellschaft (EWMG) - das seit Jahr und Tag vor sich hin dümpelnde Einkaufszentrum in Bahnhofsnähe zu kaufen. Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners sieht es als möglichen neuen Verwaltungs-Standort an, durch den andere Standorte überflüssig werden könnten.

Eigentümerin des Centers ist die Treveria Vermögensverwaltungsgesellschaft mit Sitz in Düsseldorf, verwaltet wird es von der Eurofacility Solutions GmbH mit Sitz in Paderborn. Den Verkauf organisiert die Berliner Gesellschaft CR Investment Management in Form eines Bieterverfahrens. Und dabei liegen eben mehr Hüte im Ring als nur der der Stadt: Ein Konkurrent aus der Vitusstadt etwa bezeichnet sich selbst als bereits überboten und nicht mehr im Rennen.

Ein weiteres Angebot soll deutlich über dem der EWMG liegen, aber deshalb nicht zwangsläufig das tragfähigste und realisierbarste sein. Ein niederländischer Mitbewerber soll mitbieten und eine Hotel-Idee soll für die Immobilie im Raum stehen, was planungsrechtlich allerdings schwierig sein dürfte.

All das erinnert frappierend an das, was vor anderthalb Jahren in Dormagen passierte: Dort kaufte eine niederländische Firma (Emroy) der angeschlagenen englischen Besitzerin (Treveria) die Rathaus-Galerie ab, deren Center-Manager Manfred Keil von Eurofacility war - welcher wiederum zuvor das Vitus-Center betreut hatte.

Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass das Dormagener Einkaufszentrum tatsächlich als solches bezeichnet werden kann, während im Vitus-Center nicht erst seit dem Auszug von Woolworth im Sommer der Leerstand überwiegt. Und das, obwohl die Lage der 1988 eröffneten Immobilie dank Bahnhofsnähe und unterem Ende der Fußgängerzone Hindenburgstraße sicherlich nicht die schlechteste ist.

Die "GroKo" steht der Möglichkeit, an der Franz-Gielen-Straße 5 - so die Adresse des Centers - gegebenenfalls einen Verwaltungsstandort einzurichten, jedenfalls offen gegenüber. "Vor dem Hintergrund eines Raumkonzeptes, das endlich erstellt werden muss, könnte das aus meiner Sicht durchaus Sinn machen", sagt Hans Peter Schlegelmilch, Fraktionsvorsitzender der CDU.

Selbstverständlich nur dann, wenn man damit - und durch die damit einhergehende Reduzierung von Verwaltungsstandorten - am Ende günstiger läge als vorher. Und letztlich unabhängig davon, ob ein Entwickler im Auftrag der Stadt oder die Stadt selber federführend wäre und ob eine Übernahme den Zweck einer temporären oder permanenten Eigennutzung oder einer gewinnbringenden Vermietung der Flächen verfolgte.

"Wir sprechen hier von einer empfindlichen Stelle unter dem Gesichtspunkt der Stadtentwicklung", sagt Schlegelmilch. Oder, mit anderen Worten: Bürgerservice in Bahnhofsnähe, warum eigentlich nicht? So hat es nicht zuletzt Düsseldorf gemacht, das hinter dem Hauptbahnhof Volkshochschule, Einwohnermeldeamt und Zentralbibliothek bündelt. Und mit Haus Westland gab es schließlich schon in der Vergangenheit einmal Pläne, Teile der Verwaltung in Bahnhofsnähe zu bewegen.

(RP)