Mönchengladbach: Stadt will Briten-Häuser jetzt doch kaufen

Mönchengladbach : Stadt will Briten-Häuser jetzt doch kaufen

Erste Verhandlungen waren an den Preisvorstellungen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gescheitert. Nachdem der Stadt Mönchengladbach 56 Häuser an der Lilienthalstraße vor der Nase weggeschnappt wurden, wird erneut verhandelt.

Noch einmal will sich die Stadt nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Nachdem die Firma W & S GmbH aus Stuttgart Anfang des Jahres 56 der 150 Briten-Häuser an der Lilienthalstraße gekauft hatte und sie — mit kunterbuntem neuem Außenanstrich — derzeit vermarktet, ist die Entwicklungsgesellschaft (EWMG) erneut in Gespräche mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) getreten. "Die Stadt ist noch einmal in die Verhandlungen gegangen, weil nach wie vor ein großes Interesse an dem Areal an der Lilienthal- und der Hugo-Eckener-Straße besteht", sagte Stadtsprecher Wolfgang Speen auf Nachfrage der Rheinischen Post.

Unkraut wuchert, eingeschlagene Fenster und Türen sind verbrettert, Graffiti auf den Fassaden: So sehen die leerstehenden Briten-Häuser an der Lilienthal- und der Hugo-Eckener-Straße aus. Die Stadt will die Immobilien kaufen und abreißen. Foto: Isabella Raupold

Die Fläche sollte — so der ursprüngliche Plan — nach dem Abriss der Siedlung aus den 50er Jahren der Erweiterung des Gewerbegebietes im Nordpark dienen. Auch am THW-Gelände auf der gegenüberliegenden Seite hatte die Stadt Interesse — aus dem gleichen Grund. "Dieses Grundstück werden wir nicht kaufen können", sagt Rolf Theißen von der EWMG. BImA und THW hätten sich auf die Verlängerung des Mietvertrags geeinigt.

Während die ersten frischgebackenen Hausbesitzer schon bald ihre neuen Immobilien in Gelb, Rosa, Grün, Lila und Himmelblau beziehen können, herrscht im hinteren — uneinsehbaren — Teil ungehemmter Vandalismus. Fenster und Türen werden nach wie vor eingeschlagen, die Fassaden von Häusern und Garagen mit großflächigen Graffiti versehen. Die Geisterstadt verfällt zusehends. Ursprünglich hatte die Bundesanstalt eine zweistellige Millionensumme für die komplette Briten-Siedlung gefordert. Wie viel die BImA aktuell für die verbliebenen 94 Häuser haben will, ist unklar. "Darüber möchten wir keine Aussage machen", sagt Stadtsprecher Wolfgang Speen.

Rainer Murthum, Geschäftsführer der M & S Wohnbau, sagt. "Die meisten unserer 56 Häuser sind inzwischen von Interessenten reserviert worden. Die Kaufverträge sollen in Kürze unterschrieben werden. "Die Kaufwilligen müssen ihre Finanzierung regeln, dann geht es zum Notar." Offenbar gibt es ein großes Interesse an preiswerten Immobilien. Die farbenfrohen Häuser kosten je nach Größe und Lage zwischen 82 000 und 99 000 Euro. Die preiswertesten liegen an der Aachener Straße und an der Schallschutzwand zur Autobahn — mit entsprechender Geräuschbelästigung.

Selbst wenn es der Stadt gelingen sollte, mit der Bundesanstalt einig zu werden, wird die ursprüngliche Planung nur rudimentär umgesetzt werden können. Denn die farbenfrohen Häuser werden stehen bleiben, und das THW wird darüber hinaus den angestammten Platz nicht verlassen.

(RP)