Mönchengladbach: Stadt findet keine Ingenieure mehr

Mönchengladbach: Stadt findet keine Ingenieure mehr

Fast 50 Millionen Euro soll der Stadtumbau von Alt-Gladbach kosten. 63 Projekte listet das Entwicklungskonzept auf, das auf zehn Jahre angelegt ist. Der Förderbescheid kommt Mitte 2018. Doch es fehlen dringend benötigte Fachkräfte.

Als die Politiker des Bau- und Planungsausschusses am späten Dienstagabend den Sitzungssaal des Rheydter Rathauses verließen, nahm jeder einen 278-seitigen Wälzer mit: "Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept Alt-Mönchengladbach" (IHEK) heißt der sperrige Titel eines Berichts, der 63 Projekte beschreibt, die Gladbach in den nächsten zehn Jahren sichtbar verändern werden. 49,3 Millionen Euro werden investiert - eine Summe, die die klamme Stadt niemals alleine aufbringen könnte. Fördergeld von Europäischer Union, Bund und Land machen es möglich, den Gladbacher Stadtumbau auf einem rund 240 Hektar großen Gebiet voranzutreiben. Bis zu 80 Prozent der Kosten tragen die Zuschussgeber. Im Sommer wird der Förderbescheid erwartet, alle Signale stehen bereits auf Grün.

Doch der Kraftakt bringt das städtische Planungsamt an seine personellen Grenzen. "Wir kriegen keine Ingenieure mehr", offenbarte Planungsamtsleiter Jürgen Beckmann Mönchengladbachs Planungspolitikern. Landesbehörden und Deutsche Bahn würden Fachkräfte in großer Zahl einstellen, es sei deshalb für die Kommunen schwierig, Experten zu finden. Immerhin sei es in den vergangenen Monaten gelungen, die Steuerungs- und Lenkungseinheit für das Entwicklungskonzept ausreichend mit Ingenieuren zu besetzen. Dies gelang, weil die Stadt außer der Reihe eingestellt und befristete Stellen entfristet hat, um die Fachkräfte zu binden.

Noch ein anderes Problem brennt den Gladbacher Verantwortlichen auf den Nägeln: Die Zuschussgeber verlangen, dass die Projekte nicht nur schnell in Angriff, sondern auch rasch abgeschlossen und dann sofort abgerechnet werden. Dafür setzen sie feste Fristen. Weil es seit der Bundestagswahl im September keine neue Bundesregierung gibt, unterbleibt derzeit die Verteilung des Fördergelds auf die Länder. "Das ist eine Katastrophe für uns. Denn es gibt bis jetzt keine Verlegung der Projekte nach hinten", sagte Planungsdezernent Gregor Bonin.

  • Ohne Planer kein Plan

Zu den Vorhaben gehören die Sanierung der Zentralbibliothek, neue Konzepte für Straßen, Plätze und Parks, schönere Spielplätze und der Umbau des Busbahnhofs am Europaplatz. Die Stadt hat auch deshalb gute Chancen auf die Förderung, weil sie bei einem vergleichbaren Modell landesweit Maßstäbe gesetzt hat: "Die Soziale Stadt Rheydt" gilt als Vorbild für einen Stadtumbau mit einer mustergültigen Beteiligung der Bürger. 27 Millionen Euro wurden investiert - unter anderem wurde der Marktplatz neu gestaltet, das Pahlkebad renoviert und der Hugo-Junkers-Park hergerichtet.

Das Rheydter Mammutprogramm war ambitioniert und ging über sechs Jahre. Das Gladbacher soll sich über zehn Jahre erstrecken. Erste Vorhaben werden derzeit ausgeschrieben, damit spätestens Mitte 2019 mit den ersten Projekten begonnen werden kann. Danach soll es schnell gehen. Beigeordneter Bonin ist sicher: "Bereits in drei bis vier Jahren werden wir ein verändertes Stadtbild vorfinden."

(biber)