Zuschauer beim Heimspiel

Fussball Der Deutsche Fußball-Bund war so freundlich, die beiden Herren ausreichend mit Eintrittskarten für das Länderspiel Deutschland gegen Wales auszustatten. „Ich habe angefragt und dann einige Tickets bekommen“, sagten Marko Marin und Oliver Neuville gestern gleichlautend. Als bekannt wurde, dass die DFB-Auswahl das heutige WM-Qualifikationsspiel im Borussia-Park austrägt, dürften jedoch beide gehofft haben, nicht nur dabei, sondern mitten drin zu sein. Doch weder der 19 Jahre alte Marin noch der 35-jährige Neuville, beide angestellt beim Bundesliga-Letzten Borussia, wurden von Bundestrainer Joachim Löw berufen. Darum sind sie nur Zuschauer bei ihrem Heimspiel.

Nun werden beide Gladbacher nicht vorzeitig das Stadion verlassen, so wie es jüngst Kevin Kuranyi tat, als er unberücksichtigt blieb beim 2:1 gegen Russland in Dortmund. Denn sowohl Marin als auch Neuville sehen sich auch in Zukunft als Teil des deutschen Teams. Marin, der wegen seiner Wadenverletzung ohnehin nicht hätte spielen können, sagt: „Ich bin ja erst 19 und werde meine Chance wieder bekommen.“ Mit seinem Vater Ranko und seiner Freundin Kathi wird er das Spiel auf der Tribüne verfolgen.

Dort sitzt auch Oliver Neuville. „Klar wäre ich gern dabei gewesen. Aber im Moment setzt Joachim Löw auf die jüngeren Stürmer“, weiß er. Was im Umkehrschluss nicht heißen soll, dass er selbst ein Auslaufmodell ist: „Ich bin ja nicht zurückgetreten. Und darum hoffe ich, bald wieder eingeladen zu werden. Joachim Löw sagte mir, dass ich meine Chance bekomme, wenn ich meine Leistung bringe.“ Sogar eine Teilnahme an der WM 2010 hält Neuville „theoretisch“ für möglich.

Zuletzt fiel es ihm schwer, sich zu zeigen, weil er bei Jos Luhukay kaum spielte. Das, so hofft Neuville, soll sich nach der Demission des Niederländers ändern. Interimstrainer Christian Ziege will in seiner Rolle als Sportdirektor „möglichst schnell“ seinen eigenen Nachfolger präsentieren. Dass der Neue noch in dieser Woche einsteigt und schon in Bochum das Team betreut, scheint aber unwahrscheinlich. „Dann hätte er ja nur noch eine Trainingseinheit mit der Mannschaft. Das wäre wohl wenig sinnvoll. So wie es im Moment aussieht, sitze ich Freitag auf der Bank“, sagt Ziege. Er hat durchaus schon konkrete Vorstellungen bezüglich Spielsystem und Personal, schweigt dazu aber ebenso wie in der Trainerfrage lächelnd. Vermutlich aber spielt Neuville eine Rolle in seinen Planungen. Marko Marin hegt noch die leise Hoffnung, bis Freitag gesund zu werden. „Es ist aber ein Spiel, wo wir nur Spieler brauchen, die 100 Prozent geben können“, sagt Ziege. Ist Marin nicht bis morgen voll einsatzbereit, „wäre ein Einsatz zu risikoreich“.

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Marin vermutet, dass die Partie in Bochum zugleich das erste und vorerst letzte Spiel für Christian Ziege als Chefcoach sein wird. „Wir Spieler haken nicht nach. Aber ich glaube, dass bald ein neuer Trainer da ist“, sagt er. Vielleicht schon Sonntag. Dann hätte der neue Mann fast eine Woche Zeit, die Mannschaft kennenzulernen, bevor der Karlsruher SC in den Borussia-Park kommt. Erstmal aber freut sich Marin auf das Länderspiel. „Heute bin ich Fan“, sagt er. Entsprechend offensiv ist sein Tipp: „4:1 für uns.“

(RP)