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Yvonne Cremer vom FVN: „Fußball hat in seiner Beliebtheit nicht gelitten“

Yvonne Cremer vom FVN im Interview : „Amateurfußball hat in seiner Beliebtheit nicht gelitten“

Yvonne Cremer ist beim Fußballverband Niederrhein (FVN) zukünftig für die Vereinsberatung zuständig. Im Interview spricht sie über ihre neue Rolle, die Mitglieder-Entwicklung und welche Signalwirkung Donata Hopfen als erste Frau an der Spitze der DFL hat.

Frau Cremer, Sie haben eine neue Aufgabe beim Fußballverband Niederrhein (FVN) übernommen und gehören jetzt dem Präsidium an. Wie sieht Ihr Aufgabengebiet genau aus?

Yvonne Cremer Der nun implementierte Bereich der Vereinsberatung soll das Dienstleistungsangebot für die Vereine erweitern und prominenter machen. Seit Jahresbeginn 2021 sind im Verbandsgebiet neben Jörg Hahn mit Jürgen Krämer, Tanja Hambloch und Martin Walz drei Klub-Berater eingesetzt, die in Kontakt mit den Vereinen treten und über verschiedene Abfragen dokumentieren, welche Fragen und Problemstellungen die Vereine beschäftigen. Wir bereiten die Daten auf und entwickeln auf dieser Basis Arbeitshilfen, die sofortige Antworten geben, aber zudem auch Grundlage für die Entwicklung weiterer Lösungkonzepte sind.

Wie wichtig ist das aus ihrer Sicht für die Vereine, gerade in Bezug auf Probleme, die aus dem Corona-Lockdown erwachsen sind?

Cremer Die Pandemie hat noch einmal neue Fragestellungen aufgebracht. Ein Verein ist in den meisten Fällen ein selbstorganisiertes, geschlossenes System, in dem die Probleme selbst gelöst werden. Der Verband bietet bereits seit Jahren Arbeitshilfen für Vereine, die aber nicht ausreichend bekannt sind. Wir möchten es schaffen, hier als Dienstleister wahrgenommen zu werden, das Angebot zu erweitern, bekannter zu machen und durch einen direkten Austausch mit den Vereinen die Themen und Fragestellungen gemeinsam und effizient anzugehen.

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Wenn Sie eine Bestandsaufnahme machen würden, was den Niederrhein und speziell auch ihren Kreis anbetrifft, wo steht der Amateurfußball nach zwei schwierigen Spielzeiten?

Cremer Das Sportliche ist aufgrund der Pandemie erst einmal in den Hintergrund getreten, die Ligen sind leistungstechnisch etwas verzerrt. Wesentlich ist für alle, wieder aktiv spielen zu können. Der Amateurfußball hat in seiner Beliebtheit nicht gelitten, im Gegenteil.

Gibt es einen Rückgang bei den Mitgliederzahlen in den Vereinen?

Cremer Das können wir erst zum Ende des Jahres beurteilen, wenn die Bestandsabfragen der Vereine abgegeben werden. Die Anzahl der Mannschaftsmeldungen ist bei uns im Kreis aktuell auf einem Höchststand, was dafür spricht, dass es im Bereich der Mitgliederzahlen, zumindest im Seniorenbereich, keinen Rückgang gibt. In der Jugend bleibt die Problematik der Rückgänge der A- und B-Jugend-Mannschaften, und durch die Pandemie sind die Zahlen der Startjahrgänge im vorigen Jahr bei Bambini oder jünger eingeschränkt. Hier ist eine Lücke entstanden.

Bei welchen Problemen kann der Verband konkret helfen?

Cremer Ziel der Vereinsberatung ist, die Vereine bei der eigenen Vereinsentwicklung zu unterstützen. Probleme können wir nur gemeinsam mit den Vereinen lösen, die Themenfelder sind vielschichtig: Vereinsstruktur, Finanzen, Qualifizierung, Vereinskooperationen, Ehrenamt, Veranstaltungen, Mitglieder, Sportanlagen. Viele Fragestellungen wiederholen sich, hier streben wir an, eine entsprechende Datenbank aufzubauen, wir können aber auch gezielt auf individuelle Herausforderungen eingehen.

An der Spitze der DFL wird es im neuen Jahr mit Donata Hopfen erstmals eine Frau geben. Wie wichtig ist das auch als Signal?

Cremer Ich hoffe, dass dies eine Vorbildfunktion für Frauen hat, sich im Bereich des Fußballs zu engagieren, auch für Schlüsselfunktionen. Es mangelt nicht an Akzeptanz für qualifizierte Frauen, das zeigt die Besetzung dieser Position sehr deutlich.

Sie haben mehrfach betont, keine Freundin von Frauenquoten zu sein. Was macht denn Hoffnung, dass es auch ohne geht?

Cremer Wir müssen es schaffen, wieder mehr junge Menschen an die Ehrenämter heranzuführen und entsprechend zu qualifizieren, das betrifft nicht nur Frauen. Das ist ein langer Prozess, ohne den wir auf Sicht keine passenden Stellenbesetzungen im Verein und im Verband mehr vornehmen können, unabhängig vom Geschlecht.

Wie optimistisch sind Sie, dass der Amateurfußball in Mönchengladbach und am Niederrhein vor einer Saison ohne Unterbrechung und Abbruch steht?

Cremer Ich bin als gebürtige Ostwestfälin nicht für Optimismus bekannt, bin aber zuversichtlich, dass wir in diesem Jahr besser durch die Saison kommen. Die Voraussetzungen durch die aktuelle Corona-Schutzverordnung sind etwas anders und jeder hat im Umgang mit der Pandemie, mit Hygiene-, Abstands- und 3G-Regelungen inzwischen eine bessere Routine.