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Rudolf Brügge: "Wir müssen die Qualität der Masse steigern"

Rudolf Brügge : "Wir müssen die Qualität der Masse steigern"

Der Vorsitzende der Startgemeinschaft Mönchengladbach spricht über den Umbruch bei den Leistungsschwimmern und im Trainerteam.

Herr Brügge, erlebt die Startgemeinschaft in der Saison 2016/17 in jeder Hinsicht ein Jahr des Umbruchs?

Brügge Das kann man so sagen, wobei es in einem Sportverein heutzutage ständig Veränderungen gibt. Früher hat man vielleicht in Dekaden planen können, doch die Anforderungen sind in vielen Bereichen gewaltig gestiegen. Da stößt das Ehrenamt auch schnell an Grenzen. Es mangelt mir nicht an Ideen, die Herausforderungen zu meistern. Doch es bereitet mir schon Sorgen, die nötige Man-Power für die künftigen Aufgaben zu finden. Denn der Kreis, aus dem sich Nachwuchs für verantwortliches Handeln finden lässt, ist klein geworden.

Wo steht die SG aktuell?

Brügge Sie steht vor einem neuen Entwicklungsschritt. Anfangs war es unsere Aufgabe, Strukturen zu schaffen, dann Lücken zu schließen - sowohl was die Bäder-Landschaft in unserer Stadt als auch die Kadergröße in gewissen Jahrgängen anging. Jetzt sind unsere Kader gefüllt, dafür reichen die Wasserzeiten nicht mehr für den Anspruch an den Leistungssport aus. Deswegen müssen wir wohl zur neuen Saison erstmals die Schwimmer nach Leistung einordnen. Zum Leistungsgedanken gehört zudem die Herausforderung, die Rahmenbedingungen in der Sportschule für unsere Athleten zu verbessern. Diesbezüglich wäre es unser Bestreben, das Frühtraining nicht mehr vor der Schule, sondern in die ersten beiden Schulstunden zu verlegen, wenngleich das nicht einfach werden wird.

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Auch personell gab es in der laufenden Saison einen größeren Umbruch. Ihr im Sommer verpflichteter neuer Cheftrainer Jan Klocke verließ die SG schon Ende Oktober wieder. Warum hat es nicht gepasst?

Brügge Ich denke, Jan hatte eine falsche Vorstellung von seinem Aufgabengebiet bei uns und geglaubt, er würde hier fertige Schwimmer vorfinden. Er hätte vielmehr die Jugendlichen dort abholen müssen, wo sie sich mit ihrem Leistungsvermögen befanden. Zudem hat sein Vorgänger Mark Jayasundara sehr viel Wert auf den Mannschaftsgedanken - sowohl im Trainerteam als auch unter den Schwimmern - gelegt. Das hat die Aktiven zusätzlich gepuscht. Und an vielen Kleinigkeiten hat sich zu Beginn der laufenden Saison gezeigt, dass dieser Teamgedanke nicht mehr so gelebt wurde.

Zudem dürfte es eine gewisse Bürde gewesen sein, auf den so erfolgreichen Mark Jayasundara zu folgen.

Brügge Im Grunde haben wir erst am Ende der vierjährigen Zusammenarbeit so richtig einschätzen können, wie viel Glück wir mit Marks Verpflichtung gehabt haben. Natürlich hatte er es leichter, denn wenn wenig vorhanden ist, kann man sich frei entfalten und vieles aufbauen. Es war klar, dass er große Fußstapfen hinterlassen würde. Doch das war auch für seinen Nachfolger kein Geheimnis, da in den vergangenen Jahren in der Schwimmszene schon zur Kenntnis genommen worden ist, wie wir uns entwickelt haben.

Aber nun standen Sie mitten in der Saison ohne Cheftrainer da.

Brügge Ja, und ich muss dem Trainerteam meine Anerkennung zollen, wie es diese Zeit überbrückt hat. Denn wir haben nun einmal nicht die personellen Reserven, um eine solche Lücke eins zu eins zu schließen. Zudem war das für die einzelnen Mannschaften eine große Belastung. Unsere jungen Schwimmer benötigen noch viele Vorgaben. Und da ist Kontinuität auf der Trainerposition sehr wertvoll.

In Peter Hös haben Sie mittlerweile einen neuen Trainer für die Erste Mannschaft gefunden. Wie macht er sich?

Brügge Peter Hös ist ein Ungar, der zuletzt in Österreich gearbeitet hat. Für ihn ist die Situation nicht leicht, da er eine andere Trainingssystematik gewohnt ist, in der er stets mehr der Einzelkämpfer war. In der SG ist es aber wichtig, die Gemeinschaft aus Trainern, Sportlern und deren Eltern bestmöglich zu verzahnen. Grundsätzlich hat er aber schon ein gutes Verhältnis zur Mannschaft aufgebaut. Und es war wichtig, dass das Team wieder einen festen Trainer hat.

Allerdings haben Sie keinen neuen Cheftrainer.

Brügge Wir haben durchaus nach einem Cheftrainer gesucht, doch das ist an den Finanzen gescheitert. Gutes kostet nun mal, entsprechend waren die Gehaltsvorstellungen möglicher Kandidaten. Die Finanzierung bei Investitionen wird immer ein Problem bleiben, schließlich wird nichts billiger. Zudem werden die Fördergelder durch den Deutschen Olympischen Sportbund nach der Enttäuschung von Rio wohl eher gekürzt.

Stichwort DOSB: Die Hoffnung, nach den Olympischen Spielen Landesstützpunkt zu werden, haben sich nicht erfüllt. Woran ist die SG gescheitert?

Brügge Ein Hauptgrund war sicherlich die Tatsache, dass uns in Lucas Matzerath, der Mark Jayasundara nach Frankfurt gefolgt ist, und Kim Krüger, die nach Dortmund gewechselt ist, zwei Kader-Athleten verlassen haben. Und der Kaderstatus ist nun mal ein ganz wichtiger Bewertungspunkt bei der Bewerbung. Letztlich bin ich aber nicht ganz böse darum, dass wir kein Stützpunkt geworden sind, denn in unserer jetzigen Situation wäre es ein großes Problem geworden, die zusätzlichen Aufgaben auch noch zu stemmen. Nur sollten wir das Ziel Landesstützpunkt langfristig nicht aus den Augen verlieren.

Macht da die Nominierung einer Lina Hünschemeyer in den DSV-Kader nicht bereits wieder Mut?

Brügge Das ist auf jeden Fall wieder ein hoffnungsvolles Signal. Aber eine Lina Hünschemeyer alleine wird nicht reichen. Und wir müssen auch damit rechnen, dass Lina nicht ewig bei der SG sein wird. Für uns wird es deswegen vor allem darum gehen, die Qualität in der Masse zu steigern.

Ist es diesbezüglich ein Vorteil, dass mittlerweile die Talente von Beginn an von den geschaffenen Strukturen profitieren können?

Brügge Das ist auf jeden Fall ein Aspekt, der uns zugutekommen kann. Zudem gibt es beim Mönchengladbacher SV sowie bei der SSV Rheydt für die Jüngsten die "Fünften" Mannschaften, in denen einzig und allein auf die Technik geachtet wird. Damit wollen wir die Talente auf das bestmögliche Niveau bringen, ehe sie in die Leistungsmannschaften der SG aufrücken, damit dort direkt auf den Grundlagen aufgebaut werden kann.

Zum Schluss ein Blick auf das letzte Saisonviertel: Was erhoffen Sie sich von den anstehenden Wettkämpfen auf Landes- und Bundesebene?

Brügge Ich hoffe, dass möglichst viele Sportler die Pflichtzeiten für die jeweiligen Meisterschaften schwimmen, damit wir so viele unserer schwarzen T-Shirts wie möglich in den Schwimmhallen sehen. Und dann erwarte ich nur, dass unsere Fahne gut vertreten wird und die Athleten möglichst neue Bestzeiten schwimmen. Das ist der beste Nachweis, dass bei uns auf hohem Niveau trainiert wird.

THOMAS GRULKE FÜHRTE DAS GESPRÄCH

(RP)