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Wegberg-Beeck: Das linke Knie von Neuzugang Maurice Pluntke reichte nicht zur Profikarriere​

Mönchengladbacher Maurice Pluntke : Das linke Knie reichte nicht zur Profikarriere

Maurice Pluntke hat in seiner Karriere knapp drei Jahre in der Reha verbracht. Der 28-Jährige aus Mönchengladbach ist mit sich aber im Reinen und hat in seiner Heimatstadt nun einen Job angefangen. Mit dem FC würde der Neuzugang gerne aufsteigen.

Nie war Maurice Pluntke einer Profikarriere so nahe wie am 8. Mai 2015. Da feierte er im Trikot von Fortuna Düsseldorf beim 0:2 gegen den VfR Aalen sein Zweitligadebüt. „Trotz der Niederlage ist da ein großer Traum für mich in Erfüllung gegangen“, sagt der 28-Jährige, der damals aus der Fortuna-Zwoten ins Zweitligateam hochgerückt war.

Es sollte indes Pluntkes einziges Spiel im höheren Profibereich bleiben. Fußballer war bis vor kurzem zwar sein Beruf, doch eben eine Etage darunter – in diversen Regionalligen. Einer größeren Karriere im Profibereich standen vor allem etliche Verletzungen im Wege, speziell an seinem neuralgischen linken Knie. „Insgesamt habe ich knapp drei Jahre in der Reha verbracht“, blickt der Mönchengladbacher zurück.

 2015 bestritt Pluntke sein einziges Profispiel für Fortuna Düsseldorf in der 2. Bundesliga. 
2015 bestritt Pluntke sein einziges Profispiel für Fortuna Düsseldorf in der 2. Bundesliga.  Foto: Falk Janning

In Beeck beginnt für ihn nun ein ganz neuer Lebensabschnitt, denn es steht nicht mehr allein der Fußball im Mittelpunkt. Am 1. August hat Pluntke, der im März den Bachelor in BWL via Fernstudium erworben hatte, einen Job bei den Mönchengladbacher Abfall-, Grün und Straßenbetrieben (Mags) aufgenommen – im Personalmanagement. „Das gehörte im Studium auch zu meinen Schwerpunkten“, sagt Pluntke.

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Angestrebt hatte er freilich einen ganz anderen Berufseinstieg – bei der Feuerwehr. In Krefeld hatte er im April eine Ausbildung im gehobenen Dienst bei der Feuerwehr aufgenommen – doch auch da spielte sein linkes Knie nicht mit. „Das machte sich bei den Übungen mit 20 Kilogramm Ausrüstung rasch bemerkbar. Das wäre auf Dauer daher einfach nicht gegangen.“

Pluntkes Leidensgeschichte begann schon in der Jugend, die er nach dem Start beim SC Rheindahlen komplett bei Borussia Mönchengladbach durchlief – zur Borussia war er bereits im Alter von acht Jahren gewechselt. Das erste A-Jugendjahr verpasste er wegen einer Sehnenentzündung quasi komplett, kämpfte sich danach aber wieder zurück. „Im zweiten A-Jugendjahr bin ich wieder Kapitän gewesen“, erzählt Pluntke, der bis zu dieser Verletzung auch U-Nationalspieler in allen Jahrgängen war.

Ein Leistenbruch und eine langwierige Schambeinentzündung ließen ihn dann das erste Seniorenjahr in Gladbachs U23 zum Großteil verpassen. Es folgte der Wechsel nach Düsseldorf. Dort kam im Sommer 2015 ein neuer Trainer – fortan spielte Pluntke bei den Profis keine Rolle mehr. Im Januar 2016 löste er den Vertrag auf und ging zum Fußballspielen in die USA – zum Orange County Blues FC in der kalifornischen Universitätsstadt Irvine, der damals in der 2. Liga kickte. „Das war das geilste Jahr meines Lebens, da habe ich viel erlebt. Für einen 22-Jährigen war das alles sehr aufregend. Zu jedem Auswärtsspiel mussten wir wegen der großen Distanzen fliegen, und sportlich haben wir es bis in die Halbfinal-Playoffs geschafft.“

Weil die Zukunft nach einem Jahr dort aber unsicher war, kehrte Pluntke im Januar 2017 nach Deutschland zurück – und heuerte beim West-Regionalligisten Alemannia Aachen an. „Unter Trainer Fuat Kilic habe ich da sehr schöne anderthalb Jahre verbracht, an diese Zeit denke ich sehr gerne zurück.“ Weit weniger glücklich, zumindest im zweiten Jahr, war danach die Zeit beim Nordost-Regionalligisten FSV Wacker Nordhausen. Im Herbst 2019 mussten die Thüringer Insolvenz anmelden, nach vier Monaten ohne Gehalt erhielt Pluntke die Freigabe für den Südwest-Regionalligisten Kickers Offenbach. Dort fing er im Januar 2020 an. Bereits am dritten Trainingstag verletzte er sich dann so schwer wie nie zuvor: Kreuzbandanriss, Außenbandanriss und Knorpelschaden vierten Grades. „Die Prognose war, dass ich damit acht Monate ausfalle.“ Es wurden allerdings noch wesentlich mehr. „Das Knie schmerzte weiterhin, nach neun Monaten wurde ich daher noch mal operiert. In der Zeit reifte in mir auch die Erkenntnis, dass ich mit diesem Knie nicht mehr hauptberuflich Fußball spielen kann.“

Was ihm naturgemäß nicht leicht gefallen sei: „Ich war mit 26 im besten Fußballeralter. Doch ich konnte nur noch mit Schmerzmitteln trainieren, da war für mich nur noch der Gedanke, irgendwie durchs Training zu kommen“, erzählt Pluntke. Es drohte also gar die Sportinvalidität.

Seine Familie habe ihn in dieser Zeit aufgefangen – und auch die Unterstützung seitens des Vereins sei gut gewesen. „Doch vieles habe ich da auch mit mir selbst ausgemacht. So bin ich nun mal.“ Er sei mit sich nun auch völlig im Reinen. „Ich habe einiges erreicht, doch für mehr spielte mein Körper nicht mit. Meine Vereinswechsel waren ja häufig auch keine bewussten Karriereschritte. Mal war es eine Insolvenz eines Vereins, mal eine schwere Verletzung. Für Profifußball ist mein Körper einfach nicht der prädestinierteste.“ Im Sommer 2021 wechselte Pluntke zum Niederrhein-Oberligisten 1. FC Bocholt. „Dort wurde während der Saison nur dreimal in der Woche trainiert – das macht mein Knie noch mit.“ Am Ende stand der Aufstieg. „Dennoch habe ich mit Blick auf meinen Berufseinstieg den Vertrag dort aufgelöst“, sagt er – und heuerte eben in Beeck an. „Dort kann ich Fußball und Beruf gut verbinden. Und aus Mönchengladbach ist es ein Katzensprung zum Waldstadion.“

Schon im vergangenen Winter hätte sich Beeck sehr um ihn bemüht. Daher unterschrieb er auch direkt für zwei Jahre. Beim FC ist er als Führungsspieler vorgesehen – als zentraler Mann der Dreierkette, mit der Beeck nun schwerpunktmäßig spielen wird. Er fühlt sich auf Anhieb wohl in Beeck. Und einige Mitspieler kennt er noch von früheren Stationen. „Marc Kleefisch und Dogukan Türkmen gehörten damals zu den jungen Wilden, die bei der Alemannia-Ersten mittrainieren durften, und Maurice Passage und Justin Hoffmanns kenne ich noch aus meiner langen Borussia-Zeit.“ Der Kontakt zur Borussia sei auch aus einem speziellen Grund nie abgerissen: „Mein Vater René Pluntke ist seit vielen Jahren Betreuer von Borussias U23 – da kriege ich also noch vieles mit.“

Mit Beeck würde er nun gerne den Wiederaufstieg in die Regionalliga schaffen. „Mit Bocholt habe ich einen Aufstieg in die Regionalliga gefeiert, und das würde ich gerne mit Beeck jetzt noch einmal erleben. Bis dahin ist es aber ein sehr langer Weg, die Konkurrenz ist groß.“ Und ob er sicher sei, dass sein linkes Knie halte? „Ja, die Belastung hier in Beeck hält es aus“, versichert er.