Volker Groß und Dr. Sven Pieper arbeiten mit Borussia Mönchengladbach

Leistungsdiagnostik : Laktattests sind Neuland für Handballer

Stadtsportbund und Handballkreis haben ein Pilotprojekt für Amateure gestartet, damit diese auch zu objektiven Daten ihrer Spieler kommen können, die sonst nur die Fußball-Profis bekommen. Volker Groß und Dr. Sven Pieper haben mit den Handballern von Borussia Mönchengladbach, TV Geistenbeck und HSV Rheydt sowie den Hockey-Herren des Gladbacher HTC gearbeitet.

Andreas Kropp hatte so eine Ahnung, was seine Fähigkeiten beim Laktattest angehen würde: „Ich war gerade eine Woche in Lloret de Mar“, sagte der kantige Kreisläufer von Handball-Oberligist Borussia Mönchengladbach mit einem leidvollen Stöhnen. Und tatsächlich war es Kropp, dessen Pulswerte als erste in den roten Bereich wanderten.

Laktattests sind bei Borussia Standard – bei den Fußballern. „Für uns ist das Neuland“, sagte Handball-Trainer Tobias Elis, der in seinem Studium der Sportwissenschaften bereits Erfahrungen damit gemacht hatte und auch auf dem Gelände des TV 1848 mit seinen Spielern lief.

Dass der Test nun für die Borussen möglich war, ist einer Kooperation aus Handballkreis Mönchengladbach und Stadtsportbund (SSB) zu verdanken, der in Volker Groß einen festen Leistungssportbeauftragten hat. Vor rund zwei Wochen hatte er bereits die Handballer des TV Geistenbeck und des HSV Rheydt getestet, er ist dabei der „Biomechaniker“, Dr. Sven Pieper der „physiologische Leistungsdiagnostiker“.

Nach und nach wurden die Borussen mit Pulsgurten ausgestattet, es folgte die erste Blutabnahme aus dem Ohrläppchen, dann ging es auf die Laufbahn. Das Ziel dort: die aufgestellten Pylonen möglichst immer dann passieren, wenn das akustische Signal ertönt, um ein gleichbleibendes Tempo zu haben. Und das über vier Runden auf der 300-Meter-Bahn. Danach ging es wieder zur Blutabnahme, bevor die nächste von fünf „Stufen“ begann, die dann Runden mit einem schnelleren Tempo vorsah. „Ich möchte, dass jeder das Maximum aus sich herausholt, ich will keinen Gruppen-Abbruch sehen. Bei der nächsten Stufe eine halbe Runde zu schaffen, ist deutlich besser, als abrupt aufzuhören“, sagte Dr. Pieper, der schon mit den Fußballern von Schalke 04 und 1. FC Köln sowie den Handballern des Bergischen HC und TuSem Essen gearbeitet hat.

Volker Groß ruft die Borussen auf, Dr. Sven Pieper legt Niklas Berner den Pulsgurt an (von links). Foto: Georg Amend

Groß erklärte: „Der Test ist auf dem Level von Bundesligisten. Das würde normalerweise 100 bis 120 Euro pro Nase kosten. Der Handballkreis hat einen vierstelligen Betrag für dieses Pilotprojekt zur Verfügung gestellt.“ In Kooperation mit dem SSB haben auch die Hockey-Herren des Gladbacher HTC den Test in Anspruch genommen. Vor drei Jahren sind der SSB und der Kreissportbund Viersen Mitglied des Trägervereins des Olympia-Stützpunktes Rhein-Ruhr geworden, so kam der Kontakt zu Groß zustande, der seit 30 Jahren Trainingswissenschaftler ist. „Wir haben uns gefragt, wie wir außerhalb des Profi-Fußballes etwas bewirken können, um die einzelnen Fähigkeiten besser spezialisieren zu können“, sagte Groß über die Motivation für das Laktattest-Pilotprojekt.

So bekommen die Trainer der Ober-, Verbands- und Landesliga-Handballer objektive Daten, die sie sonst nicht haben. „Wir können den Ist-Zustand der Sportler bewerten und Trainingsempfehlungen abgeben“, sagte Dr. Pieper und ergänzte: „Ich will einen Handballer nicht zum Marathonläufer machen, jeder hat auf seiner Position spezifische Anforderungen.“ Das sah Elis ebenso: „In der Vorbereitung versuchen wir Handballer ja, möglichst viel in der Gruppe zu arbeiten. Sportwissenschaftlich ist das aber semi-optimal. Eigentlich muss jeder so viel machen, wie er braucht, um den richtigen Effekt zu haben.“ Da dürfte Andreas Kropp aufgeatmet haben.

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