Rollhockey: Vater und Trainer in einem

Rollhockey : Vater und Trainer in einem

Nach über zwei Jahrzehnten kam Ulrich Bolten zurück zum Rollhockey – weil sein Sohn Florian beim GRSC zu spielen anfing. Nun ist der Senior Coach des Zweitligisten – und zuweilen auch Mitspieler des Juniors.

Häufig kommen ja die Söhne durch ihre Väter zum Sport. Bei Familie Bolten war es umgekehrt. Zumindest im zweiten Anlauf. Als Ulrich Bolten seinen Sohn Florian Mitte der Neunziger Jahre zum Rollhockey in den Gladbacher Roll- und Schlittschuh Club brachte, kehrte er zu seinen eigenen Wurzeln zurück. Nach über zwei Jahrzehnten Pause begann der heute 49-Jährige wieder selbst auf Rollschuhen dem kleinen, mit Kork gefüllten Ball hinterher zu jagen.

„Es war eine Art Nostalgie-Empfinden, ich hatte in meiner Jugend ja gute Erlebnisse mit dem Sport“, sagt Bolten, der nun seit vier Jahren den Zweitligisten trainiert – und damit auch seinen Sohn. „Auf der einen Seite ist es ein Vorteil, da man immer gut Bescheid weiß. Auf der anderen Seite erweckt es immer den Eindruck, dass man bevorzugt wird“, sagt Florian Bolten (19) zur nicht alltäglichen Konstellation. Zumal sein Trainer und Vater sogar noch zum Mitspieler wurde, wenn die Spielerdecke mal extrem dünn geworden war. Da kam es dann auch vor, dass der Sohn den Vater kritisierte. „Das muss man einstecken, denn es gehört dazu“, sagt Bolten senior. Genauso hat der Sohn kein Problem, wenn „ich als erster Ansprechpartner zu Hause den Frust abbekomme, der für die ganze Mannschaft bestimmt war“.

Diese Situationen haben ihm ebenso wenig die Lust am Rollhockey nehmen können wie gesundheitliche Probleme an den Sprung- und Handgelenken. Damit spielt Florian schon länger als sein Vater in dessen Jugendzeit. „Ich habe mit 17 Jahren aufgehört und mich auf die Schule konzentriert. Ausgerechnet in der Zeit, wo unsere erfolgreiche Jugendmannschaft in die Erste Bundesliga wechselte“, erinnert sich Ulrich Bolten.

Erst als diese erfolgreichste Ära des Vereins endete, schwang er wieder den Schläger. „Jetzt hole ich mir die Träume durch meine Kinder wieder rein“, sagt Bolten zur verpassten Erstliga-Laufbahn und versucht nun, das junge Team mitsamt dem Sohn wieder Richtung Oberhaus zu führen.

Doch nicht nur Florian, auch seine Töchter Kathrin (17) und Sina (16) spielten schon erfolgreich Rollhockey. „Leider haben sie beide aufgehört, da der GRSC keine Mädchenmannschaft hat. Dabei hätte es Kathrin ins Nationalteam schaffen können, und Sina war eine Torfrau mit Potenzial“, erklärt der Vater. Nun fährt Kathrin erfolgreich Kunstrad. Und Sina spielt wie früher Mutter Kerstin Handball. „Sport ist ein zentrales Thema bei uns. Aber es bedeutet Spaß und darf kein Zwang sein“, sagt Ulrich Bolten. Sein Sohn sieht es ähnlich, nennt Rollhockey „ein schönes Hobby. Ich möchte aber keinen Teilzeitberuf daraus machen“. Sollte der Junior irgendwann mal eine schöpferische Rollhockey-Pause einlegen, sein Vater wäre ihm nicht böse: „Ich habe es schließlich auch so gemacht.“

(RP)
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