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Tennis-Bundesliga: Henrik Schmidt vom Gladbacher HTC spricht zum Start über Corona, die Abstiesgregel und Spieltagverschiebungen

Tennis-Chef Henrik Schmidt vom GHTC : „Die Bundesliga gilt als beste Mannschaftsliga der Welt“

Henrik Schmidt, Teamchef des Gladbacher HTC, spricht vor dem Bundesliga-Start am Freitag über die Saisonziele, vereinbarte Corona-Abzüge für die Spieler und warum es die Abstiegsregel auch in dieser Saison braucht.

Herr Schmidt, sprechen wir zunächst über die Terminverschiebung zum Saisonstart. Der Deutsche Tennis Bund (DTB) hat den 1. Spieltag vom 4. auf den 16. Juli verschoben. Die Spielzeit beginnt nun mit dem 2. Spieltag am 9. Juli. Wie sehen Sie die Entscheidung?

Henrik Schmidt Das ist die einzig sinnvolle Entscheidung gewesen. Inzwischen ist das auch von allen Vereinen akzeptiert worden. Da Großbritannien Virusvariantengebiet mit verlängerter Einreise-Quarantäne war, hätte keiner der Spieler, die in Wimbledon im Hauptfeld stehen, am 4. Juli in der Bundesliga spielen können. Die Liga und der neue Livestream-Sender der Bundesliga, Tennis Channel, haben aber den Anspruch, dass die besten Spieler am Start sind – und nicht die zweite oder dritte Garnitur. Daher war die Entscheidung richtig.

Welche Spieler stehen für den nun neuen Saisonstart am 9. und 11. Juli zur Verfügung?

Schmidt Da Großbritannien mittlerweile zum Hochinzidenzgebiet zurückgestuft wurde, sind alle Spieler spielberechtigt, die geimpft oder genesen sind. Bedeutet: Auch Cristian Garin dürfe trotz Wimbledon theoretisch spielen. Für Freitag sind nun Neuzugang Lukas Rosol, Albert Ramos, Andrej Martin, Mario Vilella Martinez, Robin Haase und Tim Sandkaulen dabei, für Sonntag zusätzlich Tallon Griekspoor. Bei unserer Nummer eins, Garin, sind wir noch in Gesprächen für Sonntag.

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Mit der Verschiebung des 1. Spieltags auf den 16. Juli beginnt die Saison mit zwei Doppelspieltagen innerhalb von zehn Tagen. Sicher nicht ideal?

Schmidt Das ist nicht das, was man sich wünscht. Aber ganz ehrlich: Im vergangenen Jahr ist die Bundesliga coronabedingt ausgefallen. Da bin ich glücklich, dass wir überhaupt spielen können.

Wie sieht die Vorbereitung auf die Doppelspieltage aus?

Schmidt Wir versuchen, dass die Spieler möglichst vier bis fünf Tage zusammenbleiben und es wenig Wechsel im Team gibt. Die Spieler reisen optimalerweise am Mittwoch an, Donnerstag wird trainiert, es gibt ein gemeinsames Grillen für das Teambuildung und Freitag ist das Spiel in Paderborn. Am Abend geht es dann schon direkt zurück, Samstag wieder Training und Sonntag das nächste Spiel. Also nicht, dass Spieler am Freitag abreisen und am Samstag kommen die anderen. Das ist bei uns aber auch kein Problem, wir haben hier ein gutes Miteinander. Von den Reisedistanzen ist es bei uns mit Auswärtsspielen in Paderborn, Neuss und Düsseldorf auch überschaubar. 

Welche Veränderungen gab es im Kader zur neuen Spielzeit?

Schmidt Wir haben nur Spieler dazu genommen, die mit Spielern im Kader befreundet sind und haben dafür Empfehlungen abgefragt. Robin Haase hat Tallon Griekspoor zu uns geholt, da sie zusammen trainieren und öfters Doppel spielen. Lukas Rosol ist durch unsere Tschechen und Slowaken zu uns gekommen. Michael Vrbensky und Luca Nardi sind Perspektivspieler. Nardi ist erst 17 Jahre. Er wird sicher ein bis zwei Spiele bestreiten, aber als Stammspieler kommt er erst in den kommenden Jahren in Frage. Es ist aber gut, wenn er die Atmosphäre, das Team und das Umfeld schon etwas kennenlernt.

Neben Ihren Top-Leuten im Ranking, welchen jungen Spielern trauen Sie dieses Jahr einiges zu?

Schmidt Ich hoffe, dass uns Tim Sandkaulen wieder viel Freude bereitet. Gerade als Gladbacher Junge, der hier aufgewachsen ist. Er hat im College in den USA die NCAA-Rangliste im Doppel auf Platz eins beendet. Das ist schon ein Statement. Mario Vilella Martinez ist zudem ein Spieler, der wegen seiner spektakulären Spielweise zum Publikumsliebling werden kann. Das gilt auch für Griekspoor. Und dann natürlich das Comeback von Daniel Altmaier, der nach ein paar Jahren in Berlin zurück ist. Im Vorjahr konnte er aufgrund der ausgefallenen Saison für uns noch nicht spielen. 

Wie sieht die Zielsetzung für die kommende Saison aus?

Schmidt Wir sehen uns als stabile Mittelfeld-Mannschaft. Daher halte ich alles von Platz drei bis sechs für realistisch. Aber im Sport kann es immer eine positive wie auch negative Welle geben. In der Liga ist viel möglich.

Wen sehen Sie als Favoriten auf den Meistertitel?

Schmidt Mannheim ist seit Jahren der dominierende Verein. Die Mannschaft ist von den Weltranglistenpositionen top besetzt und man muss sagen, dass Mannheim auch jedes Wochenende die guten Spieler verfügbar hat. Die machen einen richtig guten Job. Der TC Großhesselohe hat wohl insgesamt den besten Kader vom Papier her, daher muss man sie definitv als Topfavorit in der Liga nennen. Mit Neuzugang Jan-Lennard Struff, Philipp Kohlschreiber und Emil Ruusuvuori sind sie gut aufgestellt.

Der DTB hält für die neue Saison an der Abstiegsregel fest. Dafür gab es von einigen Vereinen Kritik, unter anderem aus Düsseldorf. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Schmidt Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass wir mit Absteigern spielen. Ich habe aber Verständnis dafür, dass einige Vereine das aufgrund der schwierigen Situation der Klubs in Zeiten von Corona anders sehen. Ich beurteile das aber als neutraler Beobachter: Eine Saison sollte um einen Deutschen Meister und Absteiger gespielt werden, damit sie einen sportlichen Wert hat. Dadurch ist es spannend und alle Mannschaften geben sich Mühe, die besten Spieler einzusetzen. Die Organisationsprobleme durch Corona haben ja alle Vereine, das ist für keinen einfach. Und alle Vereine werden weniger Budget als vor zwei Jahren haben. Jan-Lennard Struff und Tim Pütz haben dafür extra im Vorfeld eine Unterschriftenaktion für einen Gehaltsverzicht der Spieler gestartet, um den Start der Liga zu sichern. Da gab es ja sehr viel Solidarität in Richtung der Vereine.

Haben sich auch Spieler des GHTC an der Aktion beteiligt?

Schmidt Ja. Robin Haase, Jiri Vesely und Albert Ramos waren alle involviert und haben unterschrieben. Im Team haben wir uns auf einen Corona-Rabatt geeinigt: Jeder Spieler spielt zu seinem ursprünglichen Vertrag Minus einen prozentualen Corona-Abzug. Der ist bei jedem Spieler gleich, sodass es fair und transparent ist.

Wie viele Zuschauer dürfen nach Corona-Vorschriften auf Ihrer Anlage die Spiele verfolgen?

Schmidt Nach aktuellem Stand sind es 370 Zuschauer. Sie werden mit festem Sitzplatz im Schachbrettmuster angeordnet. Das kann sich aber von Woche zu Woche ändern. Die Zuschauer müssen am Platz außerdem keine Maske tragen.

Eine Neuerung sind die Spiel-Übertragungen auf Tennis Channel.

Schmidt Das ist eine Anerkennung für unsere Leistungen in den vergangenen Jahren. Tennis Channel hat die Rechte ja deswegen gekauft, weil die deutsche Bundesliga als beste Mannschaftsliga der Welt gilt – das hat eine Spielerbefragung ergeben. Jedes Spiel wird im Live-Stream gezeigt und das Spiel des Tages professionell mit deutschen Kommentatoren und Reporterteam begleitet. Den Deal hat der DTB als offizielle Veranstalter abgeschlossen. Es gibt eine Aufteilung der Einnahmen zwischen dem DTB und den Vereinen, die ihren Anteil daran bekommen.

Seit Mai sind Sie neuer Sportwart des Tenniskreises Mönchengladbach. Welche Themen gehen Sie in dieser Aufgabe an?

Schmidt Als Sportwart möchte ich eine gute Verbindung zwischen dem Breiten- und dem Leistungssport etablieren. Das finde ich wichtig und ich hoffe, da etwas bewegen zu können. Wir wollen zum Beispiel neben der normalen Stadtmeisterschaft erstmals in diesem Jahr eine One-Point-Meisterschaft ausrichten. Das ist ein Turnierformat, bei dem nur ein Punkt gegeneinander gespielt. Wer den Punkt gewinnt, zieht in die nächste Runde ein. Das ist eine Riesengaudi, weil ein 58-Jähriger so auch gegen Tim Sandkaulen gewinnen kann. Für die Zuschauer ist das klasse, weil unvorhersehbare Dinge passieren. Wir planen das Turnier im September als Eintagesturnier.

In welchen Bereichen drückt in Mönchengladbach noch der Schuh?

Schmidt Die Jugend ist gut unterwegs und besser aufgestellt als andere Tenniskreise. Dafür gibt es andere Verantwortliche, aber ich sage, in der Jugend kann man immer mehr machen. Im Erwachsenenbereich wäre es sinnvoll, über die Einführung einer Mixed-Liga nachzudenken. Damit könnte das Tennisleben am Wochenende noch geselliger werden.

Abschließend der Ausblick auf die ersten beiden Saisonspiele gegen Paderborn und Krefeld: Was ist drin für den GHTC?

Schmidt Das sind 50:50-Spiele. Entweder 3:3-Unentschieden oder 4:2 für eine Mannschaft. Die Tagesform wird entscheiden.