GHTC blieb in der Bundesliga hinter den Erwartungen Saison mit Schieflage

Analyse | Bundesliga · Für viele galt der Gladbacher HTC in der Tennis-Bundesliga als Meisterschaftsanwärter. Teamchef Henrik Schmidt sah jedoch früh die Probleme am gut besetzten Kader. Am Ende sprang ein Mittelfeldplatz heraus. Verletzungspech und eine Ergebniskrise der Spitzenspieler brachten den GHTC um eine bessere Platzierung.

  Der Niederländer Tallon Griekspoor überzeugte für den Gladbacher HTC.

Der Niederländer Tallon Griekspoor überzeugte für den Gladbacher HTC.

Foto: BRAUER-Fotoagentur/Stefan Brauer

Die schlechten Nachrichten kamen bereits vor Saisonbeginn. Das mag irritierend klingen, denn die Spitzenspieler im Kader des Gladbacher HTC spielten zu jener Zeit alle herausragend gutes Tennis: Die neue Nummer eins, Sebastian Baez, gewann im Mai in Estoril sein erstes ATP-Turnier und kletterte in der Weltrangliste bis auf Position 32 hoch; auch Tallon Griekspoor, Daniel Altmaier und Tomas Etcheverry stiegen im Frühjahr erheblich im Ranking – jeweils zwischen Platz 50 und 75. Für einen Bundesligisten sind das insgeheim allerdings keine guten Nachrichten.

Spieler zwischen Position 100 und 250 bezeichnet Henrik Schmidt generell als seine „Lieblingsspieler“ für die Bundesliga: ein hohes Niveau, aber nicht so gut, dass sie regelmäßig bei den Profi-Turnieren ins Halbfinale oder Endspiel vorstoßen – was wiederum eine hohe Verfügbarkeit für Bundesliga-Einsätze bedeutet. Als Schmidt zu Saisonbeginn Baez und Etcheverry für sein Team gewann, da lagen auch die beiden Argentinier in diesem Bereich. Nur, dass sie im Anschluss sich schneller entwickelten als gedacht. Schmidts bis dahin ausgewogene Kader bekam plötzlich arg Schieflage: Es befanden sich zu viele gutplatzierte Spieler im Aufgebot – und zu wenige seiner „Lieblingsspieler.“ Denn je höher das Ranking, desto häufiger müssen diese Spieler auf der Profi-Tour antreten. Und ab August, im Endspurt der Bundesliga, befinden sie sich zumeist schon auf der Hartplatz-Tour in den USA. „Das hat unsere Chancen verschlechtert. Denn wir wollten mit dem Kader schon oben angreifen“, sagt Schmidt. Als Meisterschaftsanwärter sah der Teamchef den Gladbacher HTC daher schon vor Saisonbeginn nicht – anders als viele der Ligakonkurrenten.

Das ist der Kader des Gladbacher HTC
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Das ist der Kader des Gladbacher HTC

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Foto: AP/Alastair Grant

Die Saison ist quasi in zwei Abschnitte zu unterteilen. In den ersten fünf Partien standen Schmidt größtenteils die Topspieler zur Verfügung. „Da hatten wir den besten Kader der Liga“, sagt er. Baez, Albert Ramos, Griekspoor, Altmaier oder Etcheverry, oft trat Gladbach mit gleich drei Top-100-Spielern an. Den 5:1-Auftakt gegen Blau-Weiß Krefeld ordnet Schmidt rückblickend als besten Auftritt der Saison ein: „Da hat alles funktioniert, Etcheverry und Ramos haben unfassbar gut gespielt.“

In der ersten Saisonhälfte gab es weitere Siege gegen TC Ludwigshafen (4:2) und Meister GW Mannheim (4:2), die an jenem Tag jedoch ersatzgeschwächt nach Gladbach reisten. Allerdings gab der GHTC bei der Niederlage gegen den Rochusclub Düsseldorf (2:4) und beim Remis gegen Rosenheim (3:3) trotz guter Besetzung auch Zähler ab. „Die 7:3-Punkte nach fünf Spielen sind im Nachhinein auf dem Papier zu wenig gewesen“, sagt Schmidt. Insbesondere das Unentschieden gegen Rosenheim ärgert ihn. „Da haben wir nicht gut gespielt. Da hätten wir eigentlich 5:1 gewinnen müssen“, sagt er.

Ein Manko in dieser Phase: Trotz starker Besetzung gewann Gladbach an den ersten fünf Spieltagen nur vier der zehn Spiele an Nummer eins und zwei. Spitzenspieler Baez verlor gar alle seine drei Einzelpartien, Ramos, formal die Nummer zwei im Kader, kam immerhin auf eine ausgeglichene 3:3-Bilanz. Für die Ligaspitze ist das zu dünn. „Ramos hat immerhin ein paar Top-100-Leute geschlagen. Wir haben aber insgesamt nicht das auf den Platz gebracht, was wir vom Ranking erwarten konnten. Von Baez war das für eine Nummer 32 der Welt zu wenig“, sagt Schmidt. Der Argentinier agierte zu schwankend und ließ sich von Rückschlägen zu schnell aus dem Spiel bringen. Schmidt attestiert seiner Nummer eins in Summe eine „unglückliche Saison“, fügt aber auch an: „Ich habe nicht das Gefühl gehabt, dass er nicht alles gegeben hat.“ Immerhin verbuchte Baez zwei Siege im Doppel. Auch insgesamt erwiesen sich die Doppel in der ersten Saisonhälfte einmal mehr als Stärke des Kaders.

Diese Top-Spieler spielten bereits beim Gladbacher HTC
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Diese Top-Spieler spielten bereits beim Gladbacher HTC

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Foto: AP/Mark Lennihan

Die beste Einzelbilanz erzielte der Niederländer Griekspoor, der drei seiner vier Matches gewann. „Er ist für mich der Spieler der Saison. Er hat regelmäßig Topleistungen gebracht“, sagt Schmidt. Allerdings war Griekspoor nach einer Corona-Infektion in der zweiten Saisonhälfte ebenfalls nicht mehr verfügbar.

Schmidt hatte für diese Phase allerdings vorgeplant: Jiri Vesely, Tomas Machac, Andrej Martin und Mario Vilella Martinez, die Nummer fünf, sieben, acht und neun im Kader, sollten sich als Stammkräfte behaupten. Allerdings waren Vesely, Machac und Martin dann verletzt, Martinez beendete unerwartet seine Karriere. „Die zweite Saisonhälfte war vom Pech verfolgt“, sagt Schmidt. Die Nummer zehn, Robin Haase, zumal inzwischen ein Doppelspezialist, agierte fortan als Nummer eins im Einzel. Außerdem mussten mit Aleksandr Nedovyesov und Lukas Rosol weitere Doppelspieler im Einzel aushelfen. Schadensbegrenzung – um mehr ging es in den letzten Saisonspielen nicht mehr.

Gegen TC Großhesselohe (1:5) und Blau-Weiss Neuss (1:5) gab es deutliche Niederlagen, zum Abschluss gegen den TC Bredeney (3:3) und TK Aachen (3:3) immerhin noch je einen Punkt. In der Abschlusstabelle reichte das zu Platz sechs mit 9:9-Zählern. „Das ist in Ordnung. Nicht gut, aber auch nicht schlecht“, sagt Schmidt.

Die Lehren aus der Saison? Schmidt will mit Trainer Patrice Hopfe nun beim Kader länger abwarten als in den Vorjahren. „Wir überlegen, dieses Mal ein bis zwei Plätze bis Februar oder März offenzulassen“, sagt Schmidt. Dann kann reagiert werden, falls Spieler im Ranking stark steigen – und es für das Gleichgewicht im Kader einen zusätzlichen Spieler um Platz 150 in der Welt braucht. Von diesen gab es in dieser Saison zu wenige im Kader.

Bislang verfügen Griekspoor, Ramos, Etcheverry, Haase und der gebürtige Mönchengladbacher Tim Sandkaulen über Verträge für die kommende Saison in der Bundesliga. „Einige Spieler bei uns sind 35 Jahre alt, möglich, dass uns vier bis fünf Spieler verlassen werden“, sagt Schmidt weiter. Offen ist die Situation bei Baez. „Er würde gerne spielen, aber da warten wir erst einmal ab“, sagt Schmidt. Seine mäßigen Ergebnisse aus der Bundesliga nahm er mit auf die Profi-Tour: Bei fünf Turnieren in Serie verlor der 21-Jährige zuletzt sein Auftaktmatch.

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