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Sylvia Westendorp vom 1. FC Viersen: „Dem Frauenfußball fehlt es an Wertschätzung“​

Sylvia Westendorp übernimmt das Frauenteam beim 1. FC Viersen : „Dem Frauenfußball fehlt es leider oft an Wertschätzung“

Sylvia Westendorp (50) übernimmt als Trainerin das neu gegründete Fußball-Frauenteam des 1. FC Viersen. Im Interview spricht sie über die Ziele in der Debütsaison, das oft schlechte Standing von Frauen in den Vereinen und ihre Rolle im Disput zwischen dem 1. FC Viersen und Fortuna Dilkrath, wo sie noch Mitglied ist.

Frau Westendorp, Sie haben den Trainerjob bei der neu gegründeten Frauenmannschaft des 1. FC Viersen übernommen. Das Team wird in der Kreisliga A starten. Was haben Sie sich dort vorgenommen?

Sylvia Westendorp Wir machen uns keinen Druck und gehen ohne Ziel in die erste Saison. Die Mädels sollen in erster Linie Spaß haben und hoffentlich eine lustige und homogene Truppe bilden. Der Rest kommt dann von ganz alleine. Neben erfahrenen Spielerinnen haben wir ja auch einige, die komplett neu dabei sind. Die gilt es zu integrieren. Das wird die Aufgabe von Michael Kerkau, Michael Hecken und mir. Ich habe zwar die Kappe als Cheftrainerin auf, wir verstehen uns aber klar als Trainerteam.

Mit Ihren 50 Jahren haben Sie in der Vergangenheit noch häufig selber die Schuhe geschnürt und aktiv mitgewirkt. Ist das jetzt auch in Viersen eine Option?

Westendorp Nein, das ist nicht geplant. Zumal ich mich im August sowieso einer Operation am Knie unterziehen werde und erst einmal ausfallen würde. Ich möchte mich auf die Rolle als Trainerin konzentrieren, hier etwas aufbauen und bewegen. Nach einigen Stationen im Jugendbereich und als Co-Trainerin ist das nun meine erste Rolle als Cheftrainerin im Seniorenbereich – und darauf habe ich richtig Bock. Bei Fortuna Dilkrath habe ich damals die C-Lizenz gemacht, die ist nach einer Verlängerung zwar Ende 2021 abgelaufen, wir haben das mit Torsten Dix – dem Sportlichen Leiter in Viersen – aber schon besprochen, dass die noch einmal verlängert wird.

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Torsten Dix war es auch, der Ihnen vor einiger Zeit den Trainerjob bei der neu von ihm gegründeten Frauenmannschaft angeboten hat. Womit hat er Sie überzeugt?

Westendorp Torsten hat ein richtig gutes Konzept für die neue Frauenabteilung beim 1. FC Viersen aufgestellt. Im Grunde geht es um eine Gleichstellung der Männer- und Frauenteams. Natürlich wird das Herrenteam in der Landesliga weiterhin an erster Stelle stehen, aber insgesamt soll den Frauen mehr Sichtbarkeit und Wertschätzung verliehen werden. Man merkt, dass in Viersen ambitionierte Leute am Werk sind, die etwas im Frauenbereich bewegen wollen. Als Torsten zuletzt im Krankenhaus lag, hat er trotzdem weiterhin alles Mögliche für uns geregelt und sich gefühlt noch vom OP-Tisch aus um Dinge gekümmert. Solche Wertschätzung kannte ich aus den letzten Jahren nicht.

Sie meinen bei Ihren vorherigen Stationen?

Westendorp Ich habe ja die vergangenen Jahre bei Fortuna Dilkrath gespielt und mich dort im Grunde sehr wohl gefühlt – dieses familiäre Umfeld ist genau mein Ding. Aber im Verein hat es zuletzt einen Toten interessiert, ob die Frauenmannschaft da ist oder nicht. Da hat sich niemand mehr gekümmert. Zumal es aufgrund fehlender Spielerinnen ein stetiger Tanz auf der Rasierklinge war, ob das Team überhaupt weiter bestehen kann. Es gab nie wirkliche Planungssicherheit. Und natürlich habe ich mich dann über die Anfrage von Torsten aus Viersen gefreut, der mit seinem Ansatz den Finger in die Wunde gelegt hat. Im Frauenbereich mangelt es – auch bei vielen anderen Vereinen – oft an der Wertschätzung. In Viersen habe ich schon das Gefühl, dass die Frauen ein anderes Standing im Verein haben.

Zuletzt hatte der Wechsel einer Spielerin von Dilkrath nach Viersen zu einem Disput zwischen den Vereinen geführt. Dabei ging es auch um Ihre Person: Wie haben Sie die Situation erlebt?

Westendorp Zunächst möchte ich deutlich sagen, dass ich niemanden angesprochen oder abgeworben habe. Es stand für mich immer außer Frage, dass ich in der Dilkrather Mannschaft wildere und meine Mitspielerinnen frage, ob sie nicht nach Viersen kommen wollen. Im Fall der gewechselten Spielerin ist sie auf mich zugekommen, weil sie mit der Situation des Frauenteams bei Fortuna ebenfalls sehr unglücklich war. Und das ist für mich der entscheidende Punkt: Die anderen Vereine sollten sich mal hinterfragen, warum Spielerinnen wechseln wollen. Da wurden Missstände jahrelang ignoriert und jetzt ist man plötzlich überrascht, wenn Spielerinnen keine Lust mehr haben. Ich vergleiche das gerne mit einer Ehe. Wenn man glücklich verheiratet ist, dann muss man sich keine Sorgen machen. Gibt es aber Probleme, dann kann das zerbrechen – und so ist es im Vereinsleben auch.

Ihr Plan war es, eine Doppelfunktion auszuüben: Trainerin beim 1. FC Viersen, Spielerin bei Fortuna Dilkrath. Hatten sie nicht vor dem Disput schon Bedenken, dass dies ein Problem werden könnte?

Westendorp Ich habe meinem Team in Dilkrath am 2. Juni gesagt, dass ich als Trainerin in Viersen anfangen werde, aber gewillt bin, den Spagat zwischen den Vereinen zu machen. Immerhin wollte ich das Team ja nicht im Stich lassen. Für mich wäre das kein Problem gewesen. Das war schon mit Viersen besprochen und eine Bedingung für mein Engagement. Auch meine Mannschaft hatte damals positiv reagiert. Durch den Disput und die Darstellung ist jetzt natürlich eine gewisse Brisanz reingekommen, noch bin ich aber Vereinsmitglied in Dilkrath. Wir werden sehen, ob und wie es weitergeht. Ich hoffe man begegnet sich mit gegenseitigem Respekt auf dem Platz.